Leserbriefe

„Mängel in vielen Bereichen“

Leser zu den Verspätungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn von 3,79 Millionen Minuten

Die Kritik an der Deutschen Bahn AG greift zu kurz. Denn es lässt sich an einer einzigen Zahl nicht ablesen, ob eher Eigen- oder Fremdverschulden ursächlich für die zunehmende Verspätung vieler Züge ist. Die eigentliche Achillesferse des Konzerns liegt vor allem im fehlenden Service- und Dienstleistungscharakter, da man insbesondere seitens der Führungsspitze immer noch vornehmlich in Kosten- und nicht in Umsatzfaktoren denkt. Deswegen helfen nur neue frische Ideen weiter. Deshalb sollte seitens des Bundes ein Generationenwechsel zumindest im Bahn-Vorstand eingeleitet werden.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Die Verspätungen sind hausgemacht, wie Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB richtig feststellte. Ursachen lassen sich finden bei der Technik, den Bahnanlagen, bei der zu dünnen Personaldecke, der fehlenden Pflege an Signalen, Weichen und Brücken. Durch den fehlenden oder unzureichenden Freischnitt der Bäume und Sträucher entlang der Bahntrassen fallen immer häufiger bei Sturm Bäume auf Oberleitungen und Gleise, was Lokführer und Fahrgäste erheblich gefährdet.

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Bei Einlösung von Wahlversprechen nicht an die Folgekosten gedacht

Zum Artikel: „Rente mit 63 wird viel teurer als erwartet“ vom 21. November

Was Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und andere Politiker mit der Rente mit 63Jahren bei bestimmten Voraussetzungen ausgedacht und in die Wege geleitet haben, ist grob fahrlässig. Wie so oft bei Wahlgeschenken hat man nicht an die Folgekosten gedacht. Wie ist das möglich angesichts umfangreicher Daten der Rentenversicherungsträger? Dem Steuerzahler, der nun die Zeche bezahlen soll, ist das völlig unergründlich. Die Versicherten nehmen das Geschenk in Anspruch, zahlen, da sie nicht mehr erwerbstätig sind, keine Beiträge in die Sozialsysteme, und der Wirtschaft fehlen gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte. Wie passt das zusammen mit der Rekrutierung erfahrener Fachkräfte über das Rentenalter hinaus? Man kann nur hoffen, dass viele Versicherte angesichts der zu erwartenden Langeweile auf ihr Recht verzichten, damit der Schaden für die Gemeinschaft nicht allzu groß wird.

Wolf Kander, Wilmersdorf

Eine komplett sinnfreie populistische Maßnahme

Zum Artikel: „SPD und CDU wollen Fortbildungspflicht für Berliner Lehrer“ vom 22. November

Die Einführung von drei Präsenztagen für Lehrkräfte am Ende der Sommerferien mag Wählerstimmen bringen. Diese populistische Maßnahme ist aber komplett sinnfrei. Da soll das Lehrpersonal also Unterrichtsvorbereitungen in der unruhigen Schulumgebung bewerkstelligen, während das häusliche Arbeitszimmer mit entsprechend ausgestatteter Bibliothek leer steht. Konferenzen können in dieser Zeit nicht abgehalten werden, weil die Elternbeisitzer noch im Urlaub sind. Sämtliche kollegiale Absprachen können nur unter Vorbehalt erfolgen, weil das Chaos in der Schulverwaltung eine sichere Planung kaum ermöglicht. Da klingt der Ansatz, alle Lehrer an diesen Tagen zu Fortbildungen zu verpflichten, zunächst sinnvoll. Ich bin gespannt, wie SPD und CDU die Herausforderung meistern wollen, 29.000 Lehrer im Zeitraum von drei Tagen effektiv fortzubilden und das auch noch zu finanzieren.

H. Behrend, Charlottenburg

Unternehmen sind nicht gewillt, für gute Arbeit gute Löhne zu zahlen

Zum Artikel: „Jetzt geht es an die Reserven“ vom 20. November

Wieder einmal wird das Märchen über den Fachkräftemangel von Politik und Wirtschaft verbreitet. Von einem Fachkräftemangel kann aber nicht die Rede sein, wenn Unternehmen auf qualifizierte ältere Arbeitnehmer verzichten und es genug qualifizierte Langzeitarbeitslose gibt. So gibt es Unternehmen, in denen kaum ein Mitarbeiter älter als 40 Jahre ist. Andererseits klagen die Unternehmen auch über die schlecht ausgebildete Jugend und deren fehlende Tugenden. Die Unternehmen in Deutschland sind nicht gewillt, für gute Arbeit gute Löhne zu zahlen. Vielmehr hoffen sie auf billige Arbeitskräfte aus dem Ausland. Doch viele dieser sogenannten Fachkräfte aus dem Ausland sind nicht bereit, in Deutschland zu arbeiten. Warum auch, wenn anderswo wie etwa in der Schweiz oder Norwegen bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Entlohnung vorfinden.

Jörg Dittmar, Spandau