Leserbriefe

„Gängige Praxis in Großkonzernen“

Leser zu der Verurteilung von Ex-Manager Thomas Middelhoff zu einer Haftstrafe wegen Untreue

Drei Jahre Gefängnis für den Ex-Manager Thomas Middelhoff stärken mein Vertrauen in den Rechtsstaat. Untreue und Steuerhinterziehung sind eben keine Kavaliersdelikte. Bleibt zu hoffen, dass er sich nicht wie Formel-1-Millionär Bernie Ecclestone von seiner Strafe freikaufen kann. Die Mitarbeiter von Karstadt und Quelle, die aufgrund seiner Management-Fehler seit Jahren das Schicksal der Langzeitarbeitslosigkeit am Rande des Existenzminimums ertragen müssen, wird dieses Urteil wohl kaum noch berühren.

Albert Alten, per E-Mail

Es wird viel zu wenig der Frage nachgegangen wie es möglich war, dass Thomas Middelhoff in diesem Ausmaß straffällig werden konnte. Dass der zuständige Abteilungsleiter seine Spesenrechnungen abzeichnete, mag man noch verstehen. Aber wo war denn die Kontrolle durch den Aufsichtsrat? Sind Aufsichtsratsvorsitzende gegenüber den Vorständen nicht sehr oft viel zu großzügig (und wenn ja, warum?)? Wer überprüft eigentlich die Angemessenheit der Bezüge, Boni, Spesen, Altersversorgungsansprüche und Abfindungen, deren exorbitante Höhe oft an den Tatbestand der Untreue denken lässt? Man erinnere sich nur an den Fall Ackermann/Esser. Middelhoff sagte vor Gericht: „Was mir vorgeworfen wird, ist gängige Praxis in Großkonzernen.“ So ganz falsch scheint er mit dieser Wahrnehmung nicht zu liegen.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Das gefällte Urteil gegen Thomas Middelhoff ist in gewisser Hinsicht geradezu absurd. In Zeiten, wo jeder den morgendlichen oder abendlichen Stau auf Straßen und Autobahnen kennt, soll es verboten sein, andere schnellere Verkehrsmittel zu benutzen? Ein Manager kann es sich gar nicht leisten, seine Zeit im möglicherweise stehenden Auto zu verplempern. Das hat etwas mit Ökonomie zu tun. Warum darf ein Wirtschaftsvertreter keinen Hubschrauber benutzen, wenn es Politiker in ähnlichen Positionen auch tun? Es verfestigt sich leider der Eindruck, dass die Gerichte systematisch unsere Eliten kaputturteilen. Mit Respekt vor der Lebensleistung eines Menschen, vor allem denjenigen, die in Spitzenpositionen arbeiten, hat das nichts mehr zu tun. Middelhoff eine persönliche Bereicherungsabsicht zu unterstellen ist ebenso absurd wie der Vorwurf, er hätte Geburtstagsgeschenke auf Firmenkosten abgerechnet. Hier wird zu einem nicht unerheblichen Teil nach dem Zeitgeist geurteilt, natürlich ist die Mehrheit ein wenig neidisch, was für ein Leben sich so ein Manager leisten kann. Leider wird oft vergessen, wie hart diese Leute arbeiten müssen, auf Kosten ihres Privatlebens und der Gesundheit.

Christoph Luban, per E-Mail

Wenn man zu einer mehrjährigen Haft verurteilt wird und reich ist, zieht man so lange vor Gericht, bis man frei ist. Die Reichen kommen frei, die Armen bleiben im Knast. Ich bin sicher, dass die Sache so endet, weil irgendwann die Behörden das Kostenrisiko scheuen. Middelhoff wird in St. Tropez die Sonne genießen und hat trotz der Verurteilung nicht einmal ein schlechtes Gewissen.

Regina Kröning, Spandau

Gefahr von Kollisionen auf dem Rollfeld steigt rapide an

Zum Artikel: „Noch mehr Flüge ab Tegel: Easyjet will umziehen“ vom 11. November

Schon jetzt bringt der Tegeler Flugverkehr, der sich auf stattliche 548Flugbewegungen am Tag gesteigert hat, erhebliche Kollisionsgefahren mit sich. Auf dem Rollfeld ist es ja dadurch in der Vergangenheit bereits zu geringfügigen Kollisionen gekommen. Aber auch an den beiden Start- und Landebahnen besteht aufgrund deren geringen Abstandes die Gefahr, dass ein Flugzeug wegen eines technischen Defekts auf die benachbarte Bahn schlittert, und aufgrund der, bedingt durch das hohe Flugaufkommen, entstandenen geringen Taktdichte zwischen ankommenden und abfliegenden Flugzeugen mit einem solchen auch kollidieren könnte. Von daher darf die Anzahl der Tegeler Flugbewegungen nicht noch durch zusätzliche Easyjet-Flüge erhöht werden. Eine weitere Erhöhung des Flugaufkommens dort könnte auch die Gepäckabwicklung beeinträchtigen.

Zuletzt musste ich nach einem Lufthansa-Flug von München nach Tegel feststellen, dass die Gepäckanlage kurzfristig außer Betrieb geriet. Zwar hat eine schnelle Eingreiftruppe seitens der Flughafengesellschaft die Störung schnellstens beseitigen können, ob ihr dies allerdings bei zusätzlichem Easyjet-Gepäck auch noch so gelingen kann, ist aber eher fraglich.

Holger Voss, Spandau