Leserbriefe

„Von Anfang an ein totaler Fehlgriff“

Leser zum Urteil des Landgerichts, dass die Kündigung von BER-Chef Rainer Schwarz unwirksam ist

Nicht nur, dass mit der Einstellung von Rainer Schwarz, dem „ausgewiesenen Fachmann“, so Wowereit im Dezember 2005, zum Sprecher der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH (FBB) ein totaler Fehlgriff erfolgte, jetzt war auch der Aufsichtsrat zu keiner rechtssicheren Kündigung fähig. Das in der Bevölkerung herrschende Unverständnis für dieses Gerichtsurteil ist einerseits zwar nachvollziehbar, andererseits müssen aber Vertragsbedingungen nun einmal eingehalten werden. Ein inkompetenter Aufsichtsrat und ein inkompetenter Geschäftsführer haben sich gegenseitig etwas schöngeredet, was nie genauer hinterfragt wurde. Rainer Schwarz versuchte sich sieben Jahre lang am BER „Willy Brandt“, verlor dabei aber den Blick auf das Wesentliche. Und seit etwas mehr als eineinhalb Jahren arbeitet der neu eingestellte Vorsitzende der Geschäftsführung, Hartmut Mehdorn, an den zu lösenden Problemen, ohne dass ein spürbarer Fortschritt zu erkennen ist. Und was macht eigentlich der Aufsichtsrat? Um den Hauptstadtflughafen ist es merkwürdig still geworden. Der Anfang vom Ende oder sind das nur herbstbedingte fatalistische Erscheinungen?

Dr. Hans-Dieter Seul, Lichterfelde

Wenn jemand einen Pfandbon klaut, fliegt er raus. Wenn jemand einen Flughafen in den Sand setzt, bekommt er 1,2 Millionen Euro. Wo leben wir denn? Wäre ich Arbeitgeber von Rainer Schwarz, würde ich ihn auffordern, am Montag um 8 Uhr zur Arbeit zu erscheinen und das bis zum Ende des Vertrags am 31. Mai 2016. Er bekommt einen kleinen Raum und muss jeden Tag Report abgeben, was er den Tag über gemacht hat. Was macht die Schadensersatzklage gegen Herrn Schwarz? Davon hört man nichts mehr.

Siegfried Werth, Tegel

Manager und Politiker dürfen unsinnige Entscheidungen treffen und der Steuerzahler trägt die Kosten. Gleichzeitig wird ein Monatsgehalt außerhalb jeder Vernunft genannt. Dazu kommt wohl noch Altersabsicherung. Somit beträgt das Einkommen etwa das Siebzigfache des angeblich die Wirtschaft ungehörig belastenden Mindestlohns. So wird der gesellschaftliche Konsens weiter zerstört.

Klaus Krause, Mitte

Extreme Beanspruchung des Rechts auf Streik

Zum Artikel: „Piloten drohen mit weiteren Streiks“ vom 22. Oktober

Sicherlich will der Verbraucher nicht, dass die Unternehmen durch unangemessene Streiks Schaden erleiden. Auch kann eine extreme Beanspruchung des Rechts auf Streik die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Jetzt ist es die Aufgabe von Bundeskanzlerin Angela Merkel, richtungsweisend einzugreifen. Aber Merkel scheint sich nur um die Außenpolitik zu kümmern und weniger um die dringenden Probleme des Inlandes. Sie sollte sich ein Beispiel an Großbritanniens ehemaliger Premierministerin Margaret Thatcher nehmen, die seinerzeit den wilden Streiks entschieden ein Ende bereitete.

Gottfried Hecht, per E-Mail

Am meisten ärgert mich die Strategie der streikenden Lufthansa-Piloten. Zum einen sprechen sie sinngemäß von Profitgier seitens des Lufthansa-Konzerns, und das, obwohl aktuell teilweise der reine Flugpreis für Flüge, beispielsweise von Berlin nach München und zurück, ganze acht Euro beträgt. Des Weiteren werfen die Lufthansa-Piloten dem Konzern sinngemäß vor, das Pilotengehälterniveau allgemein auf Billigfliegerbasis reduzieren zu wollen, obwohl diejenigen Lufthansa-Kapitäne, welche zur Zeit ein Jahresgehalt von etwa 250.000 Euro erhalten, eine Gehaltssteigerung von drei Prozent ab 2016 angeboten bekommen haben. Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi fordert von daher zu Recht, dass bei einem Tarifkonflikt zunächst eine gesetzliche Pflicht zur Schaffung eines Schlichtungsprozesses geschaffen werden sollte, und ein Streik erst dann zulässig sein soll, wenn auch im Rahmen dieses Schlichtungsprozesses keine Einigung bei den Tarifvertragsparteien erzielt werden kann.

Holger Voss, Spandau

Deutschland leidet unter dem Piloten- und Bahnstreik, den Wirtschaftssanktionen gegen Russland und unter einer maroden Verkehrsinfrastruktur. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Mobilitätsstreik und Wirtschaftssanktionen gegen Russland in einem globalen Weltwirtschaftssystem? Es gibt keinen. Beide üben gleichermaßen wirtschaftlichen Druck aus und gefährden die Konjunktur.

Roland Klose, per E-Mail