Leserbriefe

„Geeignetes Gelände für eine Skyline“

Leser zu den Plänen des Architekten Christoph Langhof für ein 209-Meter-Gebäude auf dem Hardenbergplatz

Vielen Dank an Christoph Langhof für seinen Hochhausentwurf am Hardenbergplatz. In einer Zeit, wo in vielen Metropolen weltweit ein Höhenrekord beim Hochhausbau den nächsten jagt, nimmt sich die derzeitige Berliner Höchstmarke von 120 Metern geradezu lächerlich aus. Klar, Berlin hat eine andere städtebauliche Geschichte als New York, Hongkong oder Dubai. Berlin ist aber nicht nur preußische Traufhöhe und Kiez, sondern auch Weltmetropole. Und in einer so großflächigen Stadt muss es mehr herausragende Solitäre als nur den Fernsehturm geben. Wenn ein Investor 350 Meter hoch bauen will, lasst ihn doch bauen! Natürlich nicht überall, aber die City West, das ehemalige Riesenradgelände am Bahnhof Zoo, der Ernst-Reuter-Platz, der Alexanderplatz oder die Gegend um den Hauptbahnhof eignen sich hervorragend für eine wirkliche Skyline.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Ein 209 Meter hohes Haus am Hardenbergplatz zu planen ist ein Schildbürgerstreich. Wir brauchen kein Manhatten. Unsere Stadt sollte ihren eigenen Stil bewahren. Unsere Architekten richten sich nicht nach den Menschen, sondern wollen sich selbst verwirklichen. Ich bin jedenfalls entsetzt über dieses Hirngespinst.

Karin Rohde, Hakenfelde

Mit kaum vehohlener Bewunderung wurde das Projekt eines Immobilienunternehmers für den Hardenbergplatz vorgestellt. Es will dort einen 209 Meter hohen Wohnturm errichten und damit einen neuen Höhenrekord in der Stadt aufstellen. Zuerst denkt man, es handele sich nur um einen fragwürdigen Scherz, doch dann liest man, dass hinter dem monströsen Machwerk ein nicht zu unterschätzender, auf Gewinn fokussierter Bauwille steckt. Es fällt schwer zu entscheiden, was an diesem Projekt schlimmer ist, die Lächerlichkeit der Baugestaltung, die der neuesten Modeströmung im Architekturzirkus folgt oder die sichtbar werdende Macht des Geldes. Falls dieser gigantomanische Unfug realisiert werden würde, hätte das zu bedeuten, dass der Stadt damit ein schwerwiegender irreparabler Schaden zugefügt werden würde.

Klaus Brandt, per E-Mail

Die weitgehende Beschwörung der städtebaulichen Standards, die um 1900 entwickelt wurden, sollte endgültig diszipliniert werden. Das unselige Primat der Berliner Traufenhöhe und der Blockbebauung regiert leider noch. Laute und dunkle, weil zurückgebaute Straßenschluchten mit schmalen Bürgersteigen sind menschenfeindlich, wie in der Friedrichstraße zu erspüren, die so einst in der Pferdekutschenzeit entstanden ist. Spürbar verzweifelte, aufgrund der Vorgaben letztlich nicht gelingende Versuche von Architekten, Häusern Unikat-Charakter einzuhauchen, zeigen im Ergebnis dann auf Dauer das Gegenteil der so gern postulierten sich dynamisch entwickelnden Stadt. Viele Berliner leiden still an dieser Entwicklung.

Lassen wir doch endlich zu, dass eine Metropole wie Berlin städtebaulich auch in eine Zukunft hinein gedacht wird. Der wohl nicht nur ästhetisch äußerst gelungene Versuch von Langhof ist eine der letzten Chancen für diese Stadt, in diesem Jahrhundert die Richtung seiner Stadtentwicklung neu zu denken.

Horst Bienert, Lichtenrade

Falls dieses Haus wirklich in der dargestellten Form am Rande des Tiergartens mit vertikalen Gärten und vielen begrünten Terrassen umgesetzt werden sollte, halte ich das für eine sehr wichtige Idee an diesem Ort zwischen zentraler Innenstadt und weitem Grün. Gerade die City West eignet sich für solche Experimente hervorragend. Die Nähe zum Zoologischen Garten stellt an diesem Ort einen gelungenen Bezug zwischen Architektur und Umgebung dar.

Lars Struck, Wilmersdorf

Berlin wird nicht umsonst die Stadt der Planung genannt. Zahlreiche Planungen verschwinden sang- und klanglos in der Schublade. Und mit dem Rest wird man nicht fertig, siehe Staatsoper, Verlängerung der A100 oder BER. Glücklicherweise möchte man fast sagen, wenn man die Planung für das 209 Meter hohe Wohnhaus auf dem Hardenbergplatz sieht. Der Hardenbergplatz wird doch nun wirklich als Bahnhofsvorplatz zum Umsteigen zwischen S-, U-Bahn und Bus benötigt. Sinnvoll wäre es, eine derartige Hochhaus-Planung zum Alexanderplatz zu verlegen. Dort ist das schwarze Loch groß genug, um dieses Hochhaus auch noch aufzunehmen. Im Übrigen werden bei den Älteren unter uns Erinnerungen wach werden an ein Bauvorhaben namens Steglitzer Kreisel, der als sein eigenes marodes Denkmal heute noch zu besichtigen ist.

Rolf Pilgram, Schöneberg