Leserbriefe

„Störender sozialkritischer Touch“

Leser zur Erhebung der Senatsumweltverwaltung zur Verteilung der Umweltgerechtigkeit in Berlin

Bei Betrachtung der Belastungskarte wird deutlich: Die Haupteintragsgebiete liegen in den Einflugschneisen von Tegel. Der ungefilterte Rauchgasausstoß der Flugzeugturbinen ist der Hauptverursacher. Störend ist für mich der sozialkritische Touch, der vom Senat in die Debatte gebracht wird. Nutznießer des Luftverkehrs sind schließlich alle sozialen Schichten. Warten wir ab, wie sich das Bild verändern wird, wenn der Flugverkehr nach Schönefeld verlagert wird. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch den Bewohnern des schönen Südwestens und Südostens wünsche ich keine höhere Belastung.

Kurt-Jochim Stantien, Spandau

Die Behauptung, die Berliner Luft sei „ungerecht“ verteilt, ist physikalisch nicht nachvollziehbar. Auf der regionalen Skala vermischt sich die Luft relativ schnell durch Wind und die

Strömungsverhältnisse in der unteren Atmosphäre. Damit gleichen sich Unterschiede bei der Schadstoffbelastung weitgehend aus, für einzelne Stadtbezirke kann man also kaum eine Verbindung herstellen zwischen Luftqualität

und sozialem Milieu. Durch den Straßenverkehr kann es zu Schwerpunkten kommen. Aber wir sind in Deutschland in Sachen Umweltschutz bekanntlich an der Spitze. Deshalb sollte man auch nicht zu sehr übertreiben. Umweltschutz darf nicht zur Lösung sozialer Konflikte herangezogen oder gar missbraucht werden.

Christian Lukner, per E-Mail

Fehlende Unterstützung des Landes für die Stiftung Berliner Schloss

Zum Artikel: „‚Wir könnten im Dezember Richtfest feiern‘“ vom 12. Oktober

Das Land Berlin unterstützt im Gegensatz zum Bund nicht die Arbeit der Stiftung Berliner Schloss. Ich habe im April 2013 an den Regierenden Bürgermeister geschrieben und darauf aufmerksam gemacht, wie die Stiftung „Mein Englischer Garten“ in München mit einem großen Plakat um Unterstützer wirbt. Die Antwort des Kulturstaatssekretärs war, dass die Zuständigkeit für Werbung im öffentlichen Raum bei den Bezirken und bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung liege. Im August 2013 antwortete Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Sie könnte eine „stadtweite Bewerbung durch Großplakate nicht befürworten“. In Berlin gäbe es eine Vielzahl anderer wichtiger Bauprojekte, die dringend finanzielle Unterstützung benötigen und das gleiche Recht zur kostenfreien Aufstellung von Großplakaten für sich beanspruchen würden. Wörtlich: „Ich bin überzeugt, dass das Humboldt-Forum auch ohne Stadtraumwerbung genügend Unterstützung erfährt.“ Warum ist in München eine Aufstellung von Plakaten zur Einwerbung von Spenden für städtebaulich und touristisch herausragende Bauprojekte möglich, in Berlin aber nicht? Eine Anfrage an die CDU blieb ohne Antwort.

Brigitte Primke, per E-Mail

„Es gibt so viele Arten zu sterben wie es Menschen gibt“

Zum Artikel: „Viele Arten zu sterben“ vom 12. Oktober

Meine Respekt gilt den Menschen, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen, als auch denjenigen, die den Weg der Palliativmedizin oder der Begleitung durch Hospizarbeit gehen. Der Suizid von Udo Reiter wird weiter die Diskussion anregen, wie die Gesellschaft mit suizidalen Wünschen der Menschen in Zukunft umgehen wird. Ein autark geführtes Leben muss auch selbstbestimmt beendet werden können. Unabhängig von Konfessionen und Gesetzen wird es immer nur wie im Buch von Gian Domenico Borasio heißen: „Es gibt so viele Arten zu sterben wie es Menschen gibt.“ Und wer will da Rechtssicherheit garantieren?

Ellen Eichberg, Lichtenrade

Beleidigungen, Ämterpatronage und Intrigen wie eine Art Volkssport

Zum Artikel: „‚Nicht abseits verharren‘“ vom 10. Oktober

Die Befürchtung von Bundespräsident Gauck, unsere Demokratie sei bedroht, ist unbegründet. Obwohl die Partei der Nichtwähler schon längst zu einer stillen Volkspartei mit mehr als 50Prozent avanciert ist, regieren in immer mehr Kommunalparlamenten und Landtagen unsere Volksvertreter munter drauf los. Auch Gaucks Forderung, die Bürger mögen mehr Einsatz für demokratische Werte zeigen, wird nie Verfassungswirklichkeit. Warum sollen sich Bürger in Parteien engagieren, wenn dort unsere Politiker in Hinterzimmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit Intrigen, Beleidigungen und Ämterpatronage wie eine Art Volkssport betreiben.

Albert Alten, per E-Mail