Leserbriefe

„Abkehr vom Fast-Beamtenstatus“

Leser zum erneuten Streik der Lufthansa-Piloten, infolgedessen zahlreiche Interkontinentalflüge ausfielen

Ich kann kein Verständnis für die Forderungen einer derart kleinen Mitarbeitergruppe aufbringen. Wir alle leben in einer Zeit, wo alte Versprechungen und Abmachungen betreffend Arbeitsverträgen und Besoldungen nicht immer Gültigkeit für alle Ewigkeit haben. Bei einem Renteneintrittsalter von 55 Jahren müssen Zugeständnisse an das Unternehmen gemacht werden. Das Umfeld mit knallharter Konkurrenz hat sich gegenüber der alten Staatsairline-Zeit mit Fast-Beamtenstatus komplett verändert. Zum Wohl der Passagiere und der Mitarbeiter muss darauf reagiert werden. Ich habe volles Mitgefühl und Bedauern für die große Zahl von Angestellten, die wegen des Streiks der Piloten dem Zorn der Kunden auch noch mit Freundlichkeit begegnen sollen.

Lothar Otterstätter, per E-Mail

Stadtmuseum bewahrt seit 2000 wesentliche Teile des Nachlasses

Zum Artikel: „Giacomo aus Berlin“ v. 27. September

Giacomo Meyerbeer wird in seiner Heimatstadt Berlin keineswegs geschmäht. Das Stadtmuseum Berlin bewahrt seit dem Jahr 2000 wesentliche Teile des Nachlasses der Familie Beer-Meyerbeer-Richter. Der Nachlass dieser Familie, die das geistige und wirtschaftliche Leben Berlins seit dem 17.Jahrhundert nachhaltig geprägt hat, wird wissenschaftlich erschlossen und sukzessive mit Ausstellungen und Veranstaltungen der Öffentlichkeit präsentiert. Eigens zu diesem Zweck wurde auf Initiative der Nachfahren Meyerbeers die Hans-und-Luise-Richter-Stiftung im Stadtmuseum Berlin gegründet. Der Name der Stiftung erinnert nicht nur an Giacomo Meyerbeer sondern auch an die 1955 und 1978 verstorbenen Nachfahren des großen Komponisten, die – selbst von den nationalsozialistischen Rassegesetzen bedroht – wichtige Teil des Nachlasses versteckten und damit für folgende Generationen erhalten konnten. Ausgewählte Stücke des Nachlasses sind in der Dauerausstellung des Märkischen Museums zu sehen. Im Jahr 2004 erschien darüber hinaus der Katalog „Juden Bürger Berliner – Das Gedächtnis der Familie Beer-Meyerbeer-Richter“. Das Stadtmuseum Berlin folgt damit seinem Auftrag als das Gedächtnis der Stadt zu fungieren und verdienten Bürgern wie Giacomo Meyerbeer ein ehrendes Andenken zu bewahren.

Marcus Geschke, Stadtmuseum Berlin

Name sollte Berliner Tradition Rechnung tragen

Zum Artikel: „Einkaufen und verlaufen“ vom 26.September

Warum müssen wir Berliner zu dem wunderbar gelungenen Einkaufstempel am Leipziger Platz „Mall of Berlin“ sagen? Haben wir so wenig Stolz, dass wir ständig unsere Sprache unterdrücken müssen? Man könnte doch den alten traditionellen Namen nehmen und das Ganze Wertheim-Passage oder -Galerie nennen.

Luzie Hillel, per E-Mail

Der Kampf war nicht umsonst, wir haben anderen Mut gemacht

Zum Artikel: „Schach matt für Pankower Senioren“ vom 26. September

Wir, 300 Rentner in den verschiedenen Zirkeln, liegen nun richtig „Schach matt“ auf der Straße. Wen kümmert das, wie um dieses Haus gekämpft wurde? Rentner? Die kosten nur, die bringen kein Geld. Als junge Menschen waren sie noch nutze, nun haben sie ihre Schuldigkeit getan und können abtreten. Dieses Filetstück im ehemaligen Dörfchen ist schon etwas wert. Hingehalten hat man uns immer mit dem Hintergedanken: irgendeine Institution wird diese alte Truppe schon aufhalten und man wusste damals schon womit: mit Geld, denn das haben die nicht. So wird dieses Filetstück an den Meistbietenden verkauft und das Geldsäckel des Bezirks kräftig gefüllt. Heute muss ich sagen, der Kampf war nicht umsonst, denn wir haben anderen Mut gemacht, und die haben vielleicht mehr Glück. Uns hat man regelrecht verschaukelt. Vielen Dank für diese herbe, brutale Lehre noch im Rentenalter.

Heinz Schundau, Pankow

Freiheit und Unabhängigkeit, die mich täglich sehr glücklich macht

Zum Artikel: „Wandel über 70“ vom 1. Oktober

Nachdem ich immer Angst vor dem Alter hatte, wurde es zu meiner Überraschung die schönste Zeit in meinem Leben. Warum? Weil der Zwang, dem anderen Geschlecht zu gefallen, langsam verschwand. Nun erlebe ich mit 80 Jahren eine Form von Freiheit und Unabhängigkeit, die mich täglich aufs Neue sehr glücklich macht.

Franziska Gravenhorst, per E-Mail