Leserbriefe

„Um die Wähler der AfD kümmern“

Leser zu den Landtagswahlen und zum Umgang der Parteien mit der „Alternative für Deutschland“

Was ist bloß aus der einst so stolzen SPD geworden. Zur Landtagswahl in Sachsen hat Gabriel mit seiner Generalsekretärin noch geschimpft, weil der Wahltag auf den letzten Tag der Sommerferien gelegt wurde. Dass aber in Brandenburg die Wahlbeteiligung auf 47,9 Prozent gefallen ist, wird nicht thematisiert. Daran kann man erkennen, dass es der SPD im Prinzip egal ist, wie viele wählen und wie die Stimmung beim Wahlvolk ist. Hat die SPD wie in Sachsen schwach abgeschnitten, haben die Landesregierung und der Termin schuld, hat man wie in Brandenburg die Wahl gewonnen, spielt die blamable Wahlbeteiligung keine Rolle.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Die niedrige Wahlbeteiligung ist eine Katastrophe und letztlich eine nur mangelhafte Legitimation, eine Regierung zu bilden.

Heinz Joachim Grenzer, Lichtenrade

Die Politik befindet sich in einem bedauernswerten Zustand. Im Wahlergebnis kommt letztlich der Frust und die Verdrossenheit der Bevölkerung zum Ausdruck, die der Politik außer Schönfärberei nichts mehr zutraut. Mit Ignoranz gegenüber der Alternative für Deutschland (AfD) ist es nicht getan. Die CDU muss sich um die konservative Wählerschaft, aber auch um diejenigen Kräfte kümmern, die am Sonntag die Populisten der AfD gewählt haben.

Ch. Hübner, per E-Mail

Was macht diese noch kleine Partei AfD anders als die großen etablierten Parteien? Sie sprechen das aus, was viele Bürger denken. AfD-Wähler sind keine Protestwähler. Es sind Wähler, denen die Ansichten der AfD mehr zusagen, als die der regierenden und etablierten Parteien. Die Grünen setzen zu viel auf Öko, die Linke ist noch zu sehr der Ideologie der alten SED verhaftet, CDU/CSU gehen zu viele faule Kompromisse mit der SPD ein. Und die SPD hat die beste Zeit hinter sich. Also Vorsicht: Die regierenden Parteien müssen sich mehr auf ihr Volk einstellen. Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

„Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben“ – dieses Dogma von Franz Josef Strauß ist seit den grandiosen Wahlerfolgen der AfD in Sachsen, Brandenburg und Thüringen aktueller und provokanter denn je. Bereits 1976, nach der verlorenen Bundestagswahl von Helmut Kohl, gab es den Trennungsbeschluss von CDU und CSU. Die Sozialdemokratisierung der Merkel-CDU und das Erstarken der AfD kann zu einem erneuten Beschluss führen: die CSU auf Bundesebene, um den Machterhalt in Deutschland zu sichern und der AfD so Paroli zu bieten.

Ronald Frede, per E-Mail

Man kann über die AfD denken, wie man will. Aber im gleichen Atemzug davon reden, man verhandelt nur mit demokratischen Parteien und meint damit auch die PDS/Linke, da fällt einem nichts mehr ein.

Dr. Hartmut Weise, per E-Mail

Die AfD ist jetzt bekannt wie der sprichwörtlich bunte Hund. Sie ist zunächst einmal ein Problem für CDU und FDP, so wie die Linkspartei eines für die SPD ist. Über die heterogenen Themen der AfD und ihre ebenso heterogenen Mitglieder und Wähler ist in Analysen und Kommentaren genug geschrieben worden. Wie die einstige Schill-Partei in Hamburg gilt es jetzt, die AfD zu entzaubern und als mögliche Koalitionspartner ins Regierungsboot zu holen. Hier kann die AfD zeigen, ob ihren Worten auch praktische Politik folgen kann oder ob es nur dumpfe Stammtischparolen sind, die die Wahlerfolge der AfD möglich gemacht haben.

Albert Alten, per E-Mail

Viele wahlberechtigte Bürger sind politikverdrossen. Doch die etablierten Parteien machen trotz der schlechten Wahlbeteiligung weiter wie bisher. Zahlreiche Wähler haben der AfD ihre Stimme gegeben, um ihren Unmut zu bekunden und nicht ihre Stimme zu verschenken. Mein Vorschlag: Es müsste eine sogenannte Null-Partei geben. Wenn diese Null-Partei gewählt wird, die keine Mitglieder hat, sollten die Stimmen, die auf die Partei entfallen, durch leere Plätze in den Parlamenten und Ausschüssen dokumentiert werden. Ich glaube, so würden mehr Bürger zur Wahl gehen und ihre Stimme abgeben. Denn nur so würden die etablierten Parteien eventuell merken, dass sie nicht so viele Stimmen haben und nicht trotz nur 50 Prozent Wahlbeteiligung 100 Prozent der Sitze einnehmen können. Doch solange sie alle Sitze einnehmen können, werden die Parteien so weitermachen wie bisher.

Burkhard Peters, Königs Wusterhausen