Leserbriefe

„Kakophonie statt Gesundbeterei“

Leser zu den Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen und dem Abschneiden der AfD

CDU, CSU und SPD ist offenbar entgangen, dass sich in Deutschland außerhalb der von Angela Merkel geleiteten Wellness-Oase der großen Koalition eine diffuse Gemengelage aus Unzufriedenheit und Frustration, Befürchtungen, Ängsten und Sorgen gebildet hat. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat es geschafft, als Katalysator und Projektionsfläche dieser Grundstimmung wahr- und ernstgenommen zu werden. Deren innere Zerrissenheit verstärkt noch diesen Effekt. Wessen Welt nicht mehr heil ist, dem erscheint die Kakophonie in der AfD glaubwürdiger als die Gesundbeterei der Altparteien. Weil die Neigung, AfD zu wählen, aus so vielfältigen Motiven gespeist wird, sollte die Konkurrenz sich darauf einstellen, dass es sich hierbei nicht um eine Eintagsfliege handelt und auch nicht um ein Phänomen, das man nach dem üblichen Rechts-Links-Schema stigmatisieren und ignorieren kann.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Die AfD wird nicht nur in Thüringen und Brandenburg immer mehr zu einer ernsthaften Wähleralternative für enttäuschte CDU-Anhänger, die die Sozialdemokratisierung der Union nicht länger hinnehmen wollen. Doch der eigentliche Wahlsieger bei den geringen Wahlbeteiligungen in beiden Bundesländern bleibt wie immer die Partei der Nichtwähler.

Albert Alten, per E-Mail

Die Wahlergebnisse der AfD in Frankfurt (Oder) mit 19,3 Prozent oder in Oder-Spree mit 18,5Prozent zeigen, dass mehr gegen die Grenzkrimminalität gemacht werden muss. Dass bis 2020 noch weitere 400 Stellen im Brandenburger Polizeidienst wegfallen sollen, bleibt bei steigender Kriminalität unverständlich. Die Sensation in Cottbus, dass der amtierende Bürgermeister Frank Szymanski (SPD) durch seinen Vertreter Holger Kelch (CDU) ersetzt wurde, lag wohl an drei Themen: Altanschließer, Uni-Zusammenschluss und am schlechten Betriebsklima im Rathaus. Auch das Wahlergebnis von Christoph Schulze von den freien Wählern im Wahlkreis Teltow-Fleming III mit 27 Prozent zeigt, dass man mit kommunalen Themen punkten kann und sich die Politiker mehr um die Bürger kümmern müssen.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Die Wahlergebnisse vom Sonntag zeigen gewaltige Verschiebungen hin zu Extremen. Die große Politikverdrossenheit in allen Lagern hat der AfD einen wahren Siegeszug beschert. Gleichzeitig verschwinden Parteien wie die FDP ganz von der politischen Bühne. Sozialistisches Gedankengut hat in Deutschland viele Wähler, wie man am Linken-Ergebnis in Thüringen, einem eher konservativ geprägten Land, sehen kann. Die sehr niedrige Wahlbeteiligung spricht

ebenfalls dafür, wie wenig die Bürger von der Politik halten. Neben den Extremen in der politischen Mitte der Einheitsbrei, von dem keiner genau weiß, was diese Parteien wollen und denen man immer weniger zutraut.

Christoph Luban, per E-Mail

Gewinnorientierte Begründung illustriert eine Seite des Kapitalismus

Zum Artikel: „Mehr Kurfürstendamm fürs Geld“ vom 11. September

Mit Vergnügen habe ich das Pro und Contra zur Umbenennung der Tauentzienstraße in Kurfürstendamm gelesen. Beide Autorinnen sind deutlich gegen eine Umbenennung, Uta Keseling mehr ironisch, Daniela Zinkler mehr sachlich. Beiden meine Gratulation. Die Mitarbeiter der Berliner Morgenpost kennen und lieben Berlin, diese ist eben eine Zeitung für Berlin. Der Umbenennungsvorschlag erinnert mich an Verhaltensweisen im Sozialismus, dort waren sie allerdings rigider. Auch kann die gewinnorientierte Begründung als Illustration für die dunkle Seite des Kapitalismus dienen.

Klaus Krause, Mitte

Endlich wieder Hin- und Rückfahrten mit demselben Fahrschein erlauben

Zum Artikel: „BVG-Tickets werden 2015 teurer“ vom 12. September

Für eine Fahrt quer durch Berlin sind auch die geplanten 2,70 Euro günstig. Aber wenn ich nur Besorgungen machen und etwas weiter fahren muss, als mit der Kurzstreckenkarte erlaubt ist, wird es teuer. Warum geht der VBB nicht wieder dazu über, Hin- und Rückfahrten zu erlauben mit derselben Fahrkarte, so wie es früher war? Das wäre ein großes Entgegenkommen gegenüber den Fahrgästen. Ich fand das großartig und nachahmenswert. Es würden sicher viele, die für kurze Strecken das Auto nehmen, dann wieder mit Bus oder Bahn fahren.

Rosemarie Rust, Köpenick