Leserbriefe

„Putin nicht in die Ecke drängen“

Leser zu dem Konflikt in der Ostukraine und dem Lavieren von EU und Nato im Umgang mit Russland

Die Situation in der Ostukraine wird mit jeder Woche, die vergeht, undurchsichtiger. Für die Menschen dort steigt mit jeder Stunde, in der Waffen sprechen und die Diplomatie versagt hat, die Angst vor einer Zukunft, die keiner richtig einschätzen kann. Auf diplomatischer Ebene können nur wenige Personen Russlands Präsidenten Wladimir Putin den Respekt abringen, den es zur Lösung eines solchen Konfliktes bedarf. Aktuell stellt sich durch immer wieder erweiterte Sanktionen die Frage, ob die Europäische Union Putin immer weiter in die Ecke drängt und ob dieses ohne Konsequenzen für die beteiligten Mitglieder oder auch Entscheidungsträger in der EU bleibt. Putin ist nachtragend, er vergisst selten. Ein in die Ecke gedrängter Putin macht ihn unkalkulierbar. Man kann und darf nicht davon ausgehen, dass Putin einen Rückzieher machen wird, wenn die Sanktionen sich auf das eigene Volk niederschlagen und seine Umfragewerte dann im Keller liegen. Viele andere Präsidenten würden dann zum Wohle des eigenen Volkes einen Rückzieher machen. Nicht Putin, da er dann sein Gesicht als starker Präsident verlieren würde. Suchen wir also auf diplomatischer Ebene einen Weg, Putin die Möglichkeit der Gesichtswahrung zu geben und trotzdem den Krieg in der Ukraine zu beenden.

D. Seifert, Rudow

Am 9. November 2014 feiern wir den 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer, den Trigger für den späteren Fall des Eisernen Vorhangs in Europa. Der Kalte Krieg war dank Michael Gorbatschow und Glasnost und Perestroika beendet, die Sowjetunion hörte Ende 1991 offiziell auf zu existieren. Der Nato fehlte von da an auf einmal ein Feindbild. Doch nach dem Wales-Gipfel 2014 macht die Nato wieder eine Rolle rückwärts und feiert ein glänzendes Comeback. Mit dem Macho-Russen und Ukraine-Aggressor Wladimir Putin hat sie endlich ein neues Feindbild, und das ganz zur Freude der Rüstungsindustrie, der Waffenlobby und der zahlreichen Kriegstreiber, die schon seit Langem fordern, Deutschland müsse mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Gemeint sind damit: Waffenlieferungen in Krisengebiete und der Einsatz der Bundeswehr in Kriegen. Es sind übrigens dieselben Politiker, die sich gleichzeitig für eine Kasernen-Kita, für das Verbot von Kriegsspielzeug und gegen den Gebrauch von Gewalt-Videospielen aussprechen. So hat der Wales-Gipfel 2014 einen neuen Rüstungswettlauf mit Putin beschlossen, welcher Deutschland pro Jahr zusätzliche 16 Milliarden Euro kosten wird, die natürlich bei den Ärmsten der Armen eingespart werden müssen. Übrigens: Weitere Sanktionen gegen Putins Russland sollten angedroht werden, etwa der Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland.

Ronald Frede, per E-Mail

Anstatt sich mit Putin an einen Tisch zu setzen und in direkten Gesprächen endlich die Ukraine-Krise dauerhaft zu beenden – auch wenn alle beteiligten Seiten Kompromisse machen müssen – wird von westlicher Seite immer nur mit weiteren Sanktionen gedroht. Und die Nato treibt weiter ihre gefährlichen Spielchen. Seltsamerweise wird gegen die destruktive Haltung und die Vorgehensweise der Kiewer Regierung und des ukrainischen Militärs von Anfang an nichts unternommen. Was für ein Plan steckt eigentlich dahinter? Der Abschuss von MH17 mit zahlreichen Toten war und ist eine unbeschreibliche Katastrophe. Bis heute aber ist das damalige Geschehen nicht eindeutig geklärt. Wer steckt dahinter? Auf Antworten, die Wahrheit betreffend, wartet die Welt noch immer.

Peter Krisch, per E-Mail

Hektik auf den Fluren der Kliniken ist unangenehm und wirkt beängstigend

Zum Artikel: „Es gibt keine Hoffnung“ vom 11. September

Das Interview mit Charlotte Link hat mich sehr bewegt. Die An- und Herausforderungen an die Mitarbeiter der Krankenhäuser scheinen aufgrund finanzieller Zwänge und daraus resultierender Einsparungen an Krankenschwestern, Pflegekräften und Ärzten kaum noch in den Griff zu bekommen zu sein. Mit der Folge, dass Menschlichkeit und psychologische Betreuung von Kranken und deren Angehörigen oft auf der Strecke bleiben. Der Faktor Zeit und die von jedem zu spürende Hektik auf den Fluren der Kliniken ist unangenehm und wirkt beängstigend. Die Krebserkrankung meines Vaters und sein Sterben in nur sechs Monaten hat mich gelehrt, mit gesundem Menschenverstand die therapeutisch anzuwendenden Maßnahmen zu hinterfragen. Denn standardisierte Behandlungsmethoden sind oft nicht hilfreich und belasten Patient und Angehörigen.

Michael Klages, Staaken