Leserbriefe

„Steuerzahler sollen entscheiden“

Leser zu dem vom Senat vorgestellten Konzept für Olympische Sommerspiele 2024 oder 2028 in Berlin

Es ist unbegreiflich, wie man darauf kommt, in Berlins finanziell ohnehin schon misslichen Lage nun auch noch eine millionenschwere Bewerbung und Kosten im Milliardenbereich für eine eventuelle Ausrichtung der Olympischen Spiele stemmen zu wollen. Immer mehr Brücken müssen dringend saniert werden, Straßen gleichen Kraterlandschaften, an Schulen fehlt es an allen Ecken und Enden, zudem wäre da ja noch das Milliardengrab Flughafen BER. Und da denkt man allen Ernstes darüber nach, ob und wie Berlin sich noch weiter profilieren kann?

Constanze Thietz, per E-Mail

Wenn ich Klaus Wowereits an den Haaren herbeigezogene Kostenschätzung der Spiele in Berlin höre, stehen mir die Haare zu Berge. Hat unser eloquenter Regierender Bürgermeister sich nicht insbesondere beim BER nur um ein paar Milliarden verschätzt? Mir würde gefallen, wenn ausschließlich diejenigen um ihre Meinung gefragt werden, die das mögliche Ereignis im Zweifelsfall finanzieren müssen, nämlich die Steuerzahler. Allein mit den Werbekosten von 50 Millionen Euro könnte man locker einen Großteil der Berliner Schulsporthallen sanieren.

Klaus Wollschläger, Gatow

Mit der Aussage, die Athleten müssten im Mittelpunkt einer Bewerbung für Olympische Spiele stehen, meinen die Verantwortlichen zwar das Richtige, aber das auch durchzusetzen, ist der springende Punkt. Das wird nicht gelingen, da das Internationale Olympische Komitee (IOC) genau darauf achten wird, wer das sein wird. Es werden wie immer die Werbeträger sein, die den Mittelpunkt der Spiele für sich beanspruchen. Geld regiert die Welt, auch den Sport.

Lothar Wirth, per E-Mail

In den vorgestellten ersten Plänen für Olympia an der Spree spielt bei den möglichen Spielstätten die Dahme leider keine Rolle. Wieso taucht die historische Regattastrecke der Olympischen Spiele von 1936 in Grünau nirgends auf? Tribünen, Anlagen und Wasser zum Rudern sind gut erhalten und reichlich vorhanden, werden auch heute noch genutzt, wie kürzlich bei internationalen Schwimmwettkämpfen und Motorbootrennen.

Klaus Fischer, Friedrichshain

Für 170 Tage IGA wird wundervolle Natur mit großer Vielfalt zerstört

Zum Artikel: „Es wird noch grüner“ vom 23. August

Der Landschaftszug Kienberg-Wuhletal wurde weitgehend durch Anwohner und Naturschützer geschaffen. Mit Fördermitteln und ehrenamtlichem Engagement wurde das Wuhletal renaturiert. Es genießt einen hohen Stellenwert im Biotopverbund Berlin-Brandenburg. Für die Bevölkerung wurden Wander- und Radwanderwege angelegt. Es hat sich zu einem beliebten Naherholungsgebiet mit sanftem Wander- und Naturtourismus entwickelt. Seit vielen Jahren bemühen sich Politik und Naturschutzverbände um die Unterschutzstellung dieser einmaligen Landschaft. Doch nun kommt die Internationale Gartenbauausstellung (IGA), der Biotopverbund wird durch Zäune unterbrochen, diverse Bauwerke und technische Anlagen sollen errichtet werden, Hunderte Bäume und Sträucher werden verschwinden und damit viele natürliche Lebensräume. Baustraßen müssen angelegt werden. Es kommt zu Bodenverdichtungen und -versiegelungen. Dort lebende Tiere werden vergrämt oder gar getötet, woran auch die geplante Seilbahn einen großen Anteil hätte. Für die 170 Tage dauernde IGA soll diese wundervolle Natur mit ihrer hohen Vielfalt in eine Parkerlebnislandschaft umgestylt und anschließend dauerhaft in die Gärten der Welt integriert werden. Es ist traurig, wie Berlin in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens mit der wertvollen Natur umgeht und das alles in schöne Worte verpackt unter dem Deckmantel einer Gartenschau.

S. Büttner, per E-Mail

Meine Empfehlung an Naturliebhaber: Machen Sie einen Ausflug in diese Schatzkammer der ökologischen Vielfalt, den schönsten Abschnitt des Wuhle-Wanderweges, in das Tal des Nebenflüsschen der Spree und auf den bewaldeten Kienberg noch sehr bald in diesem Jahr, bevor dieses Kleinod für eine Leistungsschau des gärtnerischen Berufsstandes eingezäunt wird, uns Ausflügler und Anwohner aussperrt und Reh und Feldhase einsperrt. Und das, obwohl eine IGA laut der Statuten der Ausrichter eigentlich dazu da sein soll, neues Grün in der Stadt zu schaffen, um die Lebensqualität der Bewohner zu erhöhen und den Erhalt der biologischen Vielfalt voranzutreiben.

Angelika Paul, per E-Mail