Leserbriefe

„Was wird den Berlinern zugemutet?“

Leser zu den Problemen in Berlin, die in diesem Jahr erwarteten 10.000 Asylsuchenden adäquat zu betreuen

Regelmäßig lese ich Berichte über die Anstrengungen Deutschlands, um immer mehr Flüchtlinge aus allen möglichen Regionen unserer Erde aufnehmen zu können. Das ist einerseits lobenswert, sofern es sich hier wirklich um Verfolgte aus Krisengebieten dieser Erde handelt. Wir haben bisher Zehntausenden Menschen Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung gewährt. Andererseits kann ich es nicht mehr hören, mit welcher Unverfrorenheit sich manche Flüchtlingsgruppen wie etwa die vom Oranienplatz oder der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule bei uns in Berlin aufführen. Zurzeit müssen täglich Tausende Autofahrer auf dem Weg zur und von der Arbeit Umwege wegen der gesperrten Gürtelstraße fahren. Dort haben einige Flüchtlinge entschieden, die Ablehnung ihres Asylantrages nicht einfach zu akzeptieren und das Dach der Flüchtlingsunterkunft besetzt. Was wird den Einwohnern Berlins, die das alles finanzieren müssen, noch zugemutet? Auch die vielen immer wieder im Einsatz befindlichen Polizisten werden an anderen Stellen dringend benötigt.

Sylvio Meister, per E-Mail

Nicht die Flüchtlinge noch die sogenannten Autonomen oder andere Protestler sind es, die die Lage in der Stadt zu verantworten haben. Es sind die Politiker, die schamlos Flüchtlinge, Polizei und Bevölkerung austricksen.

Heide Binner, per E-Mail

In den Kriegsjahren und danach strömten Millionen Deutsche in das zerstückelte und zerstörte Deutschland. Die wären froh gewesen, solche Unterkünfte zugewiesen zu bekommen, wie sie jetzt teilweise in Deutschland für Asylsuchende entstehen. Statt Dankbarkeit oder Anerkennung für die Leistungen, die wir heute den hier zu uns strömenden Menschen aus den entferntesten Winkeln dieser Erde gewähren, Geschimpfe, Ablehnung und unangemessene Forderungen. Es ist der Bevölkerung kaum noch zu vermitteln, weshalb für nicht asylberechtigte Personen Unsummen ausgegeben werden. Andererseits werden massive Sparmaßnahmen in vielen kommunalen Bereichen mit unmittelbaren Auswirkungen für das Leben der Bürger umgesetzt. Durch den extrem hohen Anteil der Asylbewerber, die nur behaupten, politisch verfolgt worden zu sein, es aber nicht wurden, entsteht ein Klima der pauschalierenden Ablehnung auch den Asylsuchenden gegenüber, die wirklich politisch verfolgt worden sind.

Dennis Neuer, per E-Mail

Der Zulauf von Flüchtlingen nimmt Überhand, kein Wunder, wenn die Anlaufstelle überfordert ist. Die Asylsuchenden kommen vielfach aus wirtschaftlichen Gründen. Wird deren Asylantrag abgelehnt, wird auch schon mal versucht, die Behörden zu erpressen. Dieser Praxis muss ein Ende bereitet, Recht und Ordnung müssen durchgesetzt werden.

Christian Lukner, per E-Mail

Ich kann es nicht mehr hören, wenn Menschen angesichts des sich abspielenden Flüchtlingsdramas sagen, „wir können doch auch nicht alle bei uns aufnehmen“. Was erwarten wir eigentlich angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeit und Ungleichverteilung in unserer Welt? Dass die Menschen still halten, weiterhin unter unmenschlichen Bedingungen unsere Klamotten nähen, unseren Kaffee anbauen, unsere Rosen züchten? Ich wünschte, ich hätte den Mut, mit den Flüchtlingen auf dem Dach zu sitzen anstatt meinem normalen Tagesablauf nachzugehen. Und ich schäme mich für große Teile unserer Landesregierung.

Dr. Marion Klein, Kreuzberg

Reform des Streikrechts ist ein Gebot der Zeit

Zum Artikel: „Zugführer legen S-Bahn lahm“ vom 2. September

Das Streikrecht ist grundgesetzlich garantiert. Doch dessen gesetzliche Ausformung kann so nicht bestehen bleiben. Das Streikrecht stammt aus vorigen Jahrhunderten, als im frühindustriellen Zeitalter archaische Arbeitsbedingungen herrschten. Die Beschäftigten mussten das Recht erhalten, gegen unmögliche Arbeitsbedingungen zu protestieren. Heute erlaubt sich eine relativ kleine Gruppe gut verdienender Gleichgesinnter wie etwa Piloten durch Verweigerung ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung eine unübersehbare Menschenmenge zu drangsalieren, um sich auf Basis dieser Pflichtverletzung die Taschen weiter zu füllen. Es kann nicht im Sinne des Grundgesetzes sein, dass eine solche kleine aber machtvolle Gruppe einen überdimensionalen Folgeschaden anderer verursachen darf – und das sogar schon als Warnstreik vor irgendwelchen Verhandlungen.

Heinz Rasch, Nikolassee