Leserbriefe

„Das ist eine Verhunzung der Sprache“

Leser zur Untersuchung der „Gettosprache“ von Berliner Schülern, die ganze Satzbausteine weglassen

Mit großem Interesse habe ich den Artikel über die Soziolinguistin Diana Marossek gelesen. Er bestätigt meinen Ärger über die Verhunzung der deutschen Sprache, zumal inzwischen sogar gebildete Menschen Sätze ohne Artikel und Präpositionen bilden. Noch ärgerlicher empfinde ich, wenn diese verstümmelte Sprache auch von der Werbung genutzt wird, das soll wohl lustig sein. Meiner Meinung nach bestätigt es die Jugendlichen aber nur in ihrer Ausdrucksweise. Mein Sohn sprach während seiner Pubertät im Alter von 13 bis 14 Jahren auch plötzlich so. Glücklicherweise verging diese Phase wieder. Das war allerdings in den 90er-Jahren und wurde damals wirklich nur von Jugendlichen gesprochen. Bleibt zu hoffen, dass diese Phase auch wieder vergeht. Dazu sollten aber die Personen mit Vorbildfunktion und die Werbung schleunigst damit aufhören. Zumal die Sprache so viel über den Menschen aussagt. Mit dieser „modernen“ Sprachform werden sie beispielsweise bei Bewerbungen wenig Glück haben.

Gabriela Brandes, Gatow

„Gehst Du Bahnhof oder bist Du mit Auto?“ Das sollen wir alle schon mal gesagt haben? Ich nicht. Und mein Freundeskreis spricht auch diese Sprache, die man Deutsch nennt. Und wir fühlen uns dabei kein bisschen als Außenseiter.

Dieter Galle, Tempelhof

Ich glaube weder den Inhalt noch das Fazit der Verfasserin der Doktorarbeit, Diana Marossek, die dafür einen zweiten Preis des Deutschen Studienpreises der Hamburger Körber-Stiftung erhielt. In meinem großen persönlichen Umfeld spricht niemand so, vom Jüngsten bis zum Ältesten. Insgesamt ein netter Versuch, uns die neue, hippe Welt vorzugaukeln.

Klaus Wollschläger, Kladow

Ein Grundrecht auf bezahlbare Arbeit wäre wichtiger als Urlaub

Zum Artikel: „Ferienlager für jedes Kind“ vom 10.8.

Alles verständlich. Jeder möchte gern Urlaub machen. Wir konnten als Kinder allerdings auch nicht in Urlaub fahren, es war einfach zu wenig Geld vorhanden. Darüber wurde überhaupt nicht geredet, es wurde einfach daran gearbeitet, es irgendwann doch zu schaffen. Wenn schon vom Grundrecht die Rede ist, dann sollte auch über das Grundrecht auf eine Arbeit die Rede sein, die die Menschen ernährt und lebensfähig macht. Nicht breit gestreute soziale Leistungen verbessern unser Umfeld. Nicht Zuschüsse des Staats sind gefordert, sondern genügend Arbeitsplätze mit angemessener Bezahlung. Hier wird aber lieber weiter ausgelagert, und es werden massiv in den meisten Branchen Arbeitsplätze vernichtet.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Weltoffenheit und Toleranz gehen verloren

Zum Artikel: Kommunen erhalten mehr Geld für Armutszuwanderer vom 4. August

So geht Deutschland mit seinen Problemen um: Wir zahlen Geld, das wir nicht haben, um Probleme zu bewältigen, die an sich einer klaren gesetzlichen Regelung unterliegen und – bei konsequenter Durchsetzung – gar nicht so massiv auftreten dürften. Armutszuwanderung sieht das EU-Recht nicht vor und ist zu unterbinden, im Zweifel sind die Betreffenden abzuschieben. Aus der Angst, daraus könnte Deutschland sich dem Vorwurf des Rassismus aussetzen, verzichten wir lieber auf die Durchsetzung geltender Regelungen und lösen die Situation mit Geld. Zulasten jetziger und zukünftiger Generationen. Was die Regierung dem Steuerzahler/Staatsbürger da zumutet, wird sie erst begreifen, wenn die an sich in der Mehrheit der Bevölkerung vorhandene Weltoffenheit und Toleranz ins Gegenteil kippt. Humanität und Staatsräson müssen sich nicht ausschließen, jeder Staat hat das Recht, seine bestehenden Rechtsnormen durchzusetzen, um den Bestand des Staates und den Wohlstand der Bevölkerung zu sichern.

Oliver Freund, per E-Mail

Untersuchungsausschuss sollte den Fall Haderthauer klären

Zum Artikel: „Es-Geschäftspartner widerspricht Haderthauer“ vom 14. August

Der Fall Haderthauer zeigt wieder einmal, was in Bayern so alles möglich ist. Da verkauft Herr Haderthauer, Arzt einer psychiatrischen Abteilung Modellautos für teures Geld, die er für kleines Geld von den Insassen seiner Abteilung fertigen ließ. Dass Frau Haderthauer das alles normal findet, zeigen ihre Aussage. Inwieweit sie darin verstrickt ist, wird hoffentlich ein Untersuchungsausschuss herausfinden.

Dagmar Kley, Spandau