Leserbriefe

„Personaldesaster wiederholt sich“

Leser zu den Problemen im öffentlichen Dienst – jeder vierte Mitarbeiter geht bis 2020 in den Ruhestand

Die nahezu tägliche Berichterstattung über den Personalnotstand in der öffentlichen Verwaltung zeigt, wie ernst die Lage Berlins ist. Aber es kann täglich berichtet, gerechnet und gewarnt werden, es wird sich nichts ändern. Genau wie 2002, als Dutzende von Polizei-Azubis nicht übernommen und nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss in andere Bundesländer abgeschoben wurden. Schon damals gab es Warnungen, dass diese Personallücke nicht mehr aufzuholen sei. Das Resultat sehen wir jetzt, knappe zwölf Jahre später. Und, hat der Senat daraus gelernt? Nein, denn die politisch Verantwortlichen wiederholen dieses Desaster gerade. Dieses Mal trifft es die Bürgerämter. Politiker denken eben nur in Legislaturperioden und nicht an langfristige Folgen.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Die demografische Entwicklung ist seit Langem auch im öffentlichen Dienst des Landes Berlin schmerzhaft zu spüren. In Sachen Personalabgänge im nächsten Jahrzehnt wegen Erreichen des Renten- oder Pensionsalters verfügen alle Behörden über genaueste Kenntnisse. Personalplanungen sind aus unverständlichen Gründen vielfach unterblieben. Erst die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses haben den nötigen Druck erzeugt, um alle Personalverantwortlichen zu den überfälligen Planungen zu bewegen. Leider hat der Innensenator wieder nur ein umfangreiches Zahlenwerk vorgelegt. Über die notwendigen Konsequenzen aus den hohen Personalabgängen wird nichts in dem Bericht an das Abgeordnetenhaus ausgeführt. Die Aussagen über die politischen Zielsetzungen zu den Personalplanungen überlässt er dem Finanzsenator, obwohl wichtige Zuständigkeiten für das Funktionieren der öffentlichen Verwaltung ausschließlich beim Innensenator liegen. Auffällig ist, dass der Innensenator das Zahlenwerk über die Personalabgänge vor dem bis Ende August vom Senat längst zugesagten Bericht über die Personalplanung vorlegt. Der Innensenator will wohl keine Mitverantwortung für die Personalplanung übernehmen. Es deutet sich wieder ein Ränkespiel der großen Koalition an. Die zukunftsfeste Personalausstattung der Verwaltung ist für diese Art der Politik das falsche Feld, die Auseinandersetzung ist unnötig.

Joachim Jetschmann, Wilmersdorf

Box für Pfandflaschen auf dem Hardenbergplatz ist eine gute Idee

Zum Artikel: „Pfandflaschen-Projekt“ vom 7. August

Im Prinzip eine gute Idee. Noch ein Rest des „grünen Jobwunders“, das Flaschenpfand von Jürgen Trittin eingeführt und dankbar von den Ärmsten der Armen angenommen. Man kann nur hoffen, dass diese Erleichterung nicht zu Revierkämpfen führt, bei denen die Boxen zwischen nicht allzu freundlichen Mitmenschen aufgeteilt werden. Devise ist dann die Macht des Stärkeren. Doch insgesamt eine gute Idee – und das in einem der reichsten Länder Europas.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Für die S-Bahn-Kunden würde sich nichts verbessern

Zum Artikel: „Berliner S-Bahn bleibt bis 2023 bei der Deutschen Bahn“ vom 28. Juli

Dass das S-Bahn-Netz nunmehr für mindestens sechs weitere Jahre direkt vergeben wird und damit komplett bei der S-Bahn Berlin/Deutsche Bahn bleibt, ist eine gute Nachricht. Die mit der Ausschreibung des Teilnetzes Ringbahn geplante Zerlegung des in sich geschlossenen S-Bahn-Systems und die Verteilung auf eventuell mehrere Betreiber war meines Erachtens von Anfang an Unsinn. So bleibt zu hoffen, dass die S-Bahn Berlin GmbH/Deutsche Bahn ein erstklassiges, nicht ablehnbares Angebot macht, falls es doch noch einmal zu einer Ausschreibung für die Zeit nach 2023 kommen sollte. Diese wird ja immer mit „mehr Wettbewerb“ begründet. Aber wo ist dieser eigentlich, wenn beispielsweise auf der Ringbahn der bisherige „Monopolist“ (S-Bahn/Deutsche Bahn) durch einen anderen „Monopolisten“ ersetzt würde? Seine Fahrpreise liegen im Rahmen des VBB-Tarifs fest, schneller als die bisherige S-Bahn GmbH könnte er auch nicht fahren, weniger oder mehr Züge könnte er wegen der Vorgaben im Verkehrsvertrag auch nicht fahren lassen. Und schließlich wäre ein anderer Betreiber auf die Nutzung der bisherigen S-Bahn-Werkstätten angewiesen für die Wartung seiner Züge – wenn er sie denn irgendwann hat. Ergebnis: Gewonnen wäre mit einem anderen Betreiber nichts – außer vermutlich massenweiser Abstimmungsprobleme zwischen altem und neuem Betreiber. Was sollen davon die Fahrgäste, also die Kunden haben? Es wird nichts sein.

Harro Prior, Potsdam-Babelsberg