Leserbriefe

„Die Studie ist wirtschaftsfeindlich“

Leser zur Forderung von Verkehrsexperten, die Flächen für Radfahrer bis 2025 um 600 Prozent zu steigern

Es tut mir leid, dass ich es so deutlich formulieren muss: Allein die Ausblendung und quasi Negierung des Lieferverkehrs, des gewerblichen Taxiverkehrs, des Busverkehrs und der Feuerwehren disqualifiziert die Studie. Die Forderung nach mehr Radwegen ist allerdings auch die für mich nachvollziehbare Forderung nach besseren Radwegen, als man das bisher teilweise als Radfahrer ertragen muss. Leider besteht eine gewisse „Kampfradlerfraktion“ darauf, Radwege gar nicht benutzen zu wollen und zu müssen. Was nutzt es dann? Hier ist die Skepsis der Verkehrspolitiker wirklich einmal zu begrüßen.

Rainer Girbig, per E-Mail

Der Plan der Initiative ist keineswegs „interessant“, wie der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, meint, sondern unwissenschaftlich und vor allem wirtschaftsfeindlich. Berlin ist keine Stadt der Müßiggänger, die irgendwo am Straßenrand schlendern, sondern die funktionierende Hauptstadt Deutschlands. Mit funktionierenden Firmen, Forschungseinrichtungen und in wenigen Jahren auch den dann aus Bonn zugezogenen Einrichtungen der Bundesregierung. Und alle diese Firmen und Einrichtungen brauchen Straßen und keineswegs Radwege und Flaniermeilen.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Mehr Radwege bedeutet eine Verlangsamung des Pkw- und Zulieferverkehrs. Besonders in den Bezirken Kreuzberg, Mitte und Tiergarten fahren die Radfahrer ohnehin, wie sie wollen und wo sie wollen, ohne Rücksicht auf die Straßenverkehrsordnung. Es ist kein Wunder, dass viele Radfahrer in Verkehrsunfällen verwickelt werden. Die Unmengen an bestehenden Radwegen müssen alle mit dem blauen, runden Gebotsschild für Radfahrer bestückt werden. Erst dann kann man sie bei Nichtbenutzung mit einem Ordnungsgeld belangen. Persönlich benutze ich jeden vorhandenen Radweg, weil ich mich dort sicherer fühle.

Wolf-Dietrich Braun, per E-Mail

Es ist sicher zu begrüßen, dass mehr Radwege, die auch der Sicherheit der Radler dienen, erstellt werden. Aber dann müsste man sie auch benutzen! Der Vergleich, dass Autofahrern 19-mal mehr Fläche als Radfahrern zur Verfügung stehen, hinkt gewaltig. Wenn schon die Fläche gegeneinander aufgewogen wird, sollte man das auch bei den Finanzen tun. Hier zahlt der Autofahrer 100 und der Radfahrer Null Prozent. Hat man darüber schon einmal nachgedacht?

Dieter Junghänel, Ragow

Natürlich muss auf die Verteilung im Straßenverkehr geachtet werden, und für jeden sollte nach Möglichkeit auch genügend Platz zur Verfügung stehen, aber bitte alles mit Beachtung des Ganzen. Eine Metropole ist nun mal kein Dörfchen. Hier muss jeder auf jeden achten, und es darf nicht eine Gruppe auf Kosten der anderen – der Autofahrer – nur Vorteile für sich selbst fordern. Nicht zu reden von den Kosten für die laufenden Umbauten der Straßen, immer zum Nachteil, aber zu Lasten der Autofahrer. Es werden auch generell immer Privatnutzer mit beruflichen Nutzern ohne Unterschied betrachtet. Wie unsinnig eventuell lebensrettende Fahrten eines Notarztes behindern zu wollen. Auch die Vorstellung von 20 Stundenkilometern pro Stunde im ganzen Stadtgebiet, wie naiv und realitätsfern kann man nur sein. Zusätzlich schürt diese Vorstellung die unterschwellige und stetig wachsende Aversion gegen Radfahrer, wobei ich warnen möchte, alle in eine Kategorie einzuordnen. Das kann man für keinen der Verkehrsteilnehmer, inklusive Fußgängern. Ich hoffe, die Stadt Berlin findet endlich einen Weg, mit allen Verkehrsteilnehmern fair umzugehen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Es ist nicht zu fassen, was Ideologen doch für absurde Ideen immer wieder mit ihrer autofeindlichen Haltung entwickeln. In der Studie fehlen die Angaben über die prozentuale Verteilung der Busspuren, die Radfahrer uneingeschränkt nutzen dürfen. Auch wird nicht gefordert, dass die vorhandenen Radwege durch Gebotsschilder von den Radfahrern genutzt werden müssten. Das setzt natürlich voraus, dass die Radwege von Schnee, Eisglätte, Unkraut und sonstigen Hindernissen regelmäßig befreit werden müssten. Diese Studie scheint einmal mehr eine solche zu sein, der nachzusagen ist, dass sie nicht nach mathematischen Bedingungen gefertigt worden ist, sondern eher dazu dient, den Leser durch herbeigezauberte Zahlen zu blenden und somit die Autofahrer wieder zu den rücksichtslosesten Verkehrsteilnehmern der Nation stempeln zu können.

Monika Seydel, per E-Mail