Leserbriefe

„Als Radler bin ich der Schwächere“

Leser zu den Unfällen, bei denen drei Frauen innerhalb nur einer Stunde von abbiegenden Lkw erfasst wurden

Jeder tote Radfahrer ist einer zu viel: Es ist das Einfachste von der Welt, Radfahrer vor Unfällen an Kreuzungen zu bewahren. Die Straßenverkehrsordnung sollte geändert werden: Der Autofahrer hat beim Abbiegen Vorfahrt, und der Radfahrer muss anhalten.

Rüdiger von Thavon, per E-Mail

Ich wundere mich immer wieder über den Mut, den viele Radfahrer haben. Selbst bei intakten Radfahrwegen wird auf der Straße gefahren, teils nebeneinander. Es wird auf die Vorfahrt gegenüber Rechtsabbiegern gepocht und geflucht, wenn man sich behindert fühlt … Ja, sind die denn alle lebensmüde? Ich als Auto- und Radfahrer bin mir immer bewusst, wer der Stärkere ist, Recht hin oder her, als Radler bin ich der Schwächere und richte mich darauf ein. Wie wäre es eigentlich mit einer Benutzungspflicht für Radwege, wenn sie vorhanden sind?

Wolfgang Schütz, per E-Mail

Es wird geschrieben, dass in mehr als der Hälfte der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung der Radfahrer die Hauptschuld trägt. Dieser Fakt ist unbestreitbar richtig, aber leider sehr irreführend. Denn es soll belegt werden, dass sich Radfahrer weniger verantwortungsvoll verhalten als andere Verkehrsteilnehmer. Aber genau diese Aussage ergibt sich aus der Statistik nicht. Denn in diese Statistik fließen auch Unfälle zwischen Radfahrern und Alleinunfälle von Radfahrern ein. Dabei hat selbstverständlich immer ein Radfahrer die Schuld – einfach weil es keine anderen Unfallbeteiligten gibt. Wenn man die Sache so betrachtet, dann trägt wohl bei mehr als 90 Prozent der Pkw-Unfälle ein Autofahrer die Hauptschuld. Betrachtet man hingegen nur die Unfälle zwischen Rad und Auto, so hat selbst der ADAC in einer der letzten Ausgaben der „Motorwelt“ eingeräumt, dass in mehr als 70 Prozent der Fälle der Autofahrer die Hauptschuld trägt. Gerade bei Begegnungen mit Autos sind Radfahrer also offensichtlich wesentlich umsichtiger als Autofahrer.

Andreas Hoffmann, per E-Mail

Senat sollte sich darum kümmern, wie mit Fördergeld umgegangen wird

Zum Artikel: „Die wehrhaften Senioren aus Moabit“ vom 5. August

Warum haben Seniorenwohnhäuser, die mit öffentlichen, nicht rückzahlbaren Mitteln gefördert wurden, keinen Bestand? So kamen die Immobilienbesitzer in den 70er-Jahren preiswert zu Mietwohnungen, die sie nun seit Jahren auf dem freien Wohnungsmarkt zu hohen Mieten vermarkten. Schon seit vielen Jahren war der demografische Wandel abzusehen. Es wäre jetzt nur recht und billig, wenn die Senioren in ihren Wohnungen bleiben könnten. Der Senat sollte sich darum kümmern, wie mit Fördergeldern, die Volksvermögen darstellen, umgegangen wird.

Edelgard Richter, Wilmersdorf

Giftstoffe haben auch Berliner Piloten krank gemacht

Zum Artikel. „Pilot stellte seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung“ vom 31. Juli

Mein Mann war 40 Jahre als Pilot beruflich unterwegs. Er war Kapitän, Fluglehrer und Sachverständiger bei der Interflug, Germania und dann später bei Ryanair. Seine Einsätze sind auf der Mittelstrecke gewesen, mit der IL-18, A319 und Boeing 737/800. Es ist ja nun schon eine Weile im Gespräch, dass es Giftstoffe auch im Cockpit gibt. Er hat mit 60 Jahren freiwillig den Beruf aufgegeben, da er den Belastungen nicht mehr nachkommen konnte und wollte. Wir hatten uns darauf eingestellt. Nach einem Jahr der Ruhe wurde sein Gesundheitszustand aber nicht besser, und wir suchten einen Arzt auf. Die Untersuchungen haben ergeben, dass er Parkinson-PSP hat. Dies ist eine seltene Form der Parkinson, die toxisch hervorgerufen wurde. Nach zwei sehr schlimmen Jahren der Versuche, ihm zu helfen, ist er nun 100 Prozent schwerbeschädigt, hat die Pflegestufe 2 bekommen und erhält eine EU-Rente. Er ist ständig auf meine Hilfe angewiesen. Die PSP-Erkrankung unterscheidet sich von Parkinson insofern, als auch die Augenmotorik gestört ist. Das Mittelhirn ist befallen, da sind die meisten Signale bereits gestört. Es gibt diese Krankheit also auch hier bei unseren Piloten, und es wäre mir wichtig, ob man mit der Öffentlichkeit an Behandlungsmethoden herankommt, die bis jetzt noch nicht möglich sind. Ich weiß, dass die USA uns weit voraus sind. Bis jetzt ist nur die Behandlung mit Parkinsonmitteln ausprobiert worden, da man noch nichts anderes hat. Leider immer ohne Erfolg. Der Verlauf der Krankheit ist sehr schnell und nicht aufzuhalten.

Elke Segert, Bohnsdorf