Leserbriefe

„Service im Bürgeramt ist schlecht“

Leser zur Weigerung von Finanzsenator Ulrich Nußbaum, den Bezirken mehr Personal zu genehmigen

Die Weigerung des Finanzsenators, die schlechte Personaldecke der Bezirke zu verbessern, ist wohl nur dadurch zu erklären, dass er selbst nicht davon betroffen ist. Seit zwei Wochen versuche ich vergeblich, online einen Termin beim Bürgeramt Zehlendorf zu vereinbaren. Beim Anruf unter der Berlin-Hotline 115 erklärte mir eine freundliche Dame, dass Zehlendorf-Steglitz wegen Personalmangels nicht einmal die Online-Terminvergabe in den Griff bekommt, und ich müsste eben Geduld haben und es immer wieder versuchen. Es ist wirklich bedauerlich und unverständlich, dass die zurzeit guten Steuereinnahmen zu allem möglichen verwendet werden, nur nicht zum Erhalt der Infrastruktur und für einen annehmbaren Bürgerservice. Wozu dann in Deutschland bleiben, einen schlechten Service erhält man auch im Ausland.

Helmut Goersch, per E-Mail

Es ist einfach unverantwortlich, was sich dieser Finanzsenator leistet. Seine rigorose Sparpolitik hat die Berliner Verwaltung in den letzten fünf Jahren an den Rand des Kollaps geführt: Die Sparpolitik ist gescheitert! Sieht Herr Nußbaum denn nicht, was sich vor allen Dingen in den publikumsintensiven Ämtern in den Bezirken abspielt? Fakt ist doch, dass die Behörden schon lange nicht mehr ihre Aufgaben ordnungsgemäß erledigen können, und Service findet überhaupt nicht mehr statt. Nicht nur die Normalbürger sind die Dummen, weil ihre Anträge und Anliegen meist verspätet oder fehlerhaft bearbeitet werden, sondern auch die Beschäftigten, die durch rücksichtslose Arbeitsverdichtung ihre Gesundheit aufs Spiel setzen (müssen) und das dann noch für weniger Gehalt als im übrigen Bundesgebiet. Herr Nußbaum sollte seinen Hut nehmen, ehe er noch mehr Unheil anrichtet.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Laut Herrn Nußbaum muss die Koalition aufpassen, dass die Sparbemühungen der letzten zehn Jahre nicht in Kürze kaputt gemacht werden. Nein, die Frage muss anders gestellt werden. Ist die Vorgehensweise des Finanzsenators Nußbaum für Berlins Zukunft nicht langsam sehr gefährlich? Da werden für den Pannenbau BBI in zwei Jahren bisher schon zwei mal 400 Millionen Euro erforderlich. Da ist für den Weiterbetrieb des S-Bahn-Rings die alte Fahrzeugflotte aufzumöbeln, was bis zu 160 Millionen Euro kostet. Und Ulrich Nußbaum meint ,,man müsse genau hinschauen, wo ein Mehrbedarf vorhanden“ ist. Ein Mehrbedarf ist bei Bürgerämtern erforderlich. Ein Mehrbedarf ist auch dringend bei der Polizei erforderlich. Die größten Verschwendungen sind Senats-, nicht Bezirksfehler.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Ich halte die Ursache für die langen Wartezeiten in den Bürgerämtern für hausgemacht. Ob die Ursache Unfähigkeit, Faulheit, Desinteresse oder ähnliches der Mitarbeiter aber auch der Führungskräfte ist, kann ich nicht behaupten. Aber ich bin mir sicher, dass es in diese Richtung geht. Eine meiner Töchter benötigte kurzfristig beglaubigte Kopien ihres Abi-Zegnisses, um sich um einen Studienplatz zu bewerben. Sie hatte Glück und ergatterte einen der freien Termine. Die Beglaubigung von Dokumenten erfolgt (zumindest in Köpenick) jedoch folgendermaßen. Der Kunde bringt das Original und die entsprechenden Kopien mit. Hat er keine Kopien mit, wie meine Tochter, muss sie diese an einem Kopierer selbst anfertigen. Anschließend kontrolliert der Beamte, ob die Kopien und das Original identisch sind und beglaubigt die Kopie. Wenn der Beamte das genau machen will, muss er prinzipiell jeden Satz auf beiden Exemplaren vergleichen. Eine zeitaufwendige Angelegenheit. Und eine Arbeitsweise wie aus einem anderen Jahrtausend. Warum hat nicht jeder Arbeitsplatz, an dem Kopien beglaubigt werden, dort einen Kopierer? Der Beamte braucht bei selbst hergestellten Kopien dann nicht beide Exemplare zu vergleichen. Eine immense Zeiteinsparung also. Nur warum kommt niemand darauf? Vermutlich sind auch andere Arbeitsbereiche so unsinnig organisiert.

Martin Schneider, per E-Mail

Neue Leistungsbewertung der Schüler ist Augenwischerei

Zum Artikel: „Zensuren sollen besser vergleichbar werden“ vom 28. Juli

Der Bewertungsschlüssel für Grundschüler ist Augenwischerei. So wird der Zensurenschnitt in Berlin angehoben und Pisa wird für Berlin nicht ganz so erschreckend. Seit wann sind Leistungen mit 20 Prozent Fehlerquote noch „gut“? Wenn beispielsweise 100 Divisionsaufgaben gerechnet werden und davon 20 falsch sind: ist das noch gut? Wenn über die Hälfte falsch sind, ist es für die Berliner Bildungsexperten noch ausreichend. Somit wird das Leistungsniveau noch mehr hinuntergezogen und anerkannt.

Helma Grimm, Spandau