Leserbriefe

„Rad-Waggon an den Zug anhängen“

Leser zur Entscheidung der Bahn, in der Sommersaison keine Zusatzzüge an die Ostsee fahren zu lassen

Seit fast 40 Jahren fahre ich auf der Strecke Berlin-Rostock mehrfach im Jahr. Auch wenn ich die Bahn sicherlich schon öfters auf den Mond geschossen habe, in diesem Fall ist ihr Standpunkt richtig. Die Bahn ist ein Verkehrsmittel für alle und kann auf die Bedürfnisse Einzelner an bestimmten, zufälligen Tagen keine Rücksicht nehmen. Sie muss wirtschaftlich arbeiten. Wer ohne Auto bei schönem Wetter spontan mit dem Rad an die Ostsee will, kann das auch an einem Urlaubstag in der Woche tun. Ich bin jedenfalls der Bahn dankbar, dass sie mich auch an einem grau-kalten Novembertag im Zwei-Stunden-Takt an die Ostsee befördert, wenn von den jetzt schimpfenden Radausflüglern keiner zu sehen ist. Dabei ist die Bahn sogar flexibel. Wenn es in Rostock mal länger dauert, nehme ich einfach den nächsten Zug, versuchen Sie das mal mit dem gebuchten Fernbus.

Mirko Wenzlawski, Zehlendorf

Was wäre denn, wenn man an einen Regionalexpress einen Güterwaggon anhängt, dieser wurde vorher fahrradtauglich umgebaut, mit etwa 50 bis 70 Radständern. Der Waggon hätte auch einen Raum für einen Bahn-Mitarbeiter, der am Bahnhof die Räder annimmt, eine Nummer auf den Sattel klebt und dem Radbesitzer eine entsprechende Nummer ausgibt, mit der er am Zielort dann sein Rad abholt. Das wären Aufgaben für Auszubildende, diesen Waggon herzurichten. Für den Umbau müssten schätzungsweise 50.000 Euro investiert werden. Bei zehn Waggons würde sich zwar der Gewinn der Bahn von 642 Millionen Euro auf 641,5 Millionen Euro senken, aber die Bahn könnte ihr Ansehen in der Bevölkerung steigern. Das mit den Gepäckwagen gab es schon mal, vor 50 Jahren. Es funktionierte reibungslos.

Jürgen Glombitza, per E-Mail

Wenn Patienten Termine nicht einhalten, geht das zu Lasten aller

Zum Artikel: „Warten, bis der Arzt kommt“ vom 31. Juli

Heute hatte ich während der vormittäglichen Sprechstunde wieder viel Zeit, über Ihren Artikel „Warten, bis der Arzt kommt“ nachzudenken. Viele Patienten haben ihre vereinbarten Termine ohne Absage nicht wahrgenommen. Da wundert man sich als Arzt schon etwas, wenn immer beklagt wird, dass man angeblich so lange auf einen Termin beim Arzt warten muss. Letzte Woche kamen bei dem tollen Sommerwetter teilweise fast ein Drittel der Patienten nicht. Schade, diese Termine hätten wir gerne anderen Patienten angeboten, die vielleicht auch bei strahlender Sonne gekommen wären und nun noch auf ihren Termin warten müssen. Das geht im Übrigen unabhängig vom Wetter vielen Kollegen anderer Fachrichtungen ebenfalls so. Egal ob Hautarzt, Nervenarzt, HNO-Arzt, Diabetologe … Alle Facharztgruppen, bei denen man angeblich lange auf einen Termin warten muss, haben das gleiche Problem, dass viele Patienten ihre Termine einfach nicht einhalten. Das geht dann natürlich zu Lasten aller anderen Patienten.

Dr. med. Dirk Hänisch und Praxisteam, per E-Mail

Nordberliner ertragen den Fluglärm bereits seit Jahrzehnten

Zum Artikel: „Banges Warten auf die Flugzeuge“ vom 29. Juli

Ich bin es langsam leid, über Blankenfelde und Umgebung zu lesen. Ich ertrage seit mehr als 20 Jahren täglichen und auch neuerdings nächtlichen Fluglärm von Tegel und jammere nicht immerfort herum, verlange Entschädigung und Umbauten. Ich habe täglich Hunderte von Maschinen über meinem Wohnhaus zu ertragen. Fragen Sie doch mal die Nordberliner, die Reinickendorfer, Pankower und Spandauer, wie sehr sie unter dem Fluglärm zu leiden haben.

Kirsten Grunewald, Spandau

Daniel Barenboim hat mit leisen Tönen über den Tellerrand geschaut

Zum Artikel: „Es gibt keine militärische Lösung“ vom 25. Juli

Über den Tellerrand geschaut – das hat Daniel Barenboim als Betroffener mit leisen Tönen. Die Misere beider Seiten, der Hamas und der Israelis, einen Gebietsanspruch im Namen des gleichen Gottes zu behaupten, lässt keinen Frieden zu. Hassparolen und -predigten von beiden Seiten sind natürlich zu verurteilen. Ich bin jedoch nicht automatisch antisemitisch, wenn ich mein demokratisches Recht auf Meinungsäußerung ausübe und die Politik Israels kritisiere. Auch im Kontext der Historie betrachtet ist Israel ein Land, das in der heutigen, globalen Welt existiert und es dulden muss, kritisiert zu werden.

Ellen Eichberg, Lichtenrade