Leserbriefe

„Wer zur Party einlädt, muss zahlen“

Leser zu dem Streit, ob sich der Fußball-Bund an den Kosten der Polizeieinsätze bei Fußballspielen beteiligt

Der Stadtstaat Bremen ist genauso wie das Saarland und Berlin hochverschuldet, somit ist der Vorstoß, die Fußballklubs auch außerhalb der Stadien für Polizeieinsätze zahlen zu lassen, konsequent. Immer wieder haben die Geberländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen die Nehmerländer aufgefordert, Einsparungen in den Haushalten vorzunehmen. Die Innenminister und die Finanzminister des Bundes und der Länder sollten sich nun einigen, wie zukünftig verfahren wird. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Fußballklubs verdienen eine Menge Geld, auch durch Werbung und Spielerverkäufe, da wäre eine Frage der Mitfinanzierung der Polizeieinsätze denkbar.

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Als Steuerzahler begrüße ich den Beschluss der Hansestadt Bremen, den DFB an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikofußballspielen angemessen zu beteiligen. Welche Arroganz. Der DFB entzieht der Stadt Bremen ein Länderspiel und vergibt es mir nichts dir nichts einfach nach Nürnberg. Ich wünsche mir, dass Nürnberg Städte-Solidarität übt und wie Bremen handelt und nicht klammheimliche Freude zeigt.

Hans-Jürgen Lede, Spandau

Die Profi-Abteilungen der großen Fußballklubs sind in aller Regel ausgegliedert und werden dann in Form einer Kapitalgesellschaft geführt, die gewinnorientiert arbeitet. Sie erzielen beispielsweise Einnahmen aus Eintrittsgeldern, TV-Gebühren und kassieren Sponsorengelder. Insoweit ist nicht nachvollziehbar, warum der Steuerzahler die Kosten für die Polizeieinsätze tragen soll und die Vereine, an der Spitze der DFB und die DFL, ihre Gewinne ungekürzt verbuchen können. Die absolute Überreaktion des DFB, in Form der Verlegung des Länderspiels von Bremen nach Nürnberg, zeigt deutlich, dass der Entschluss der Bremer Bürgerschaft wohl nicht verkehrt gewesen ist und den Nerv des Deutschen Fußball-Bundes getroffen hat. Man kann nur hoffen, dass bei den anderen Bundesländern ebenfalls ein Umdenken einsetzt.

Achim Sahr, per E-Mail

Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich das erste Bundesland gegen die hohen Aufwendungen, die die Polizeieinsätze zur Sicherung eines Fußballspiels kosten, wehrt. Es kann auch nicht sein, dass der Steuerzahler dafür aufkommen muss. Da kommen jedes Jahr viele Millionen zusammen, die für wichtigere Dinge eine bessere und sinnvollere Verwendung finden würden. Fest steht, wer zur Party einlädt, muss auch die Rechnung bezahlen. Ein Blick ins europäische Ausland, wie das Problem dort geregelt ist, würde allen Beteiligten neue Horizonte eröffnen.

Lothar Wirth, per E-Mail

Endlich hat sich ein Bundesland getraut, gegen den allmächtigen Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorzugehen. Schon seit Jahren bin ich der Meinung, dass die Vereine, die Millionenumsätze machen, auch für die Sicherheit zahlen sollen. Es kann doch nicht sein, dass die Steuerzahler für die Sicherheit aufkommen. Wenn die Vereine ihre Fans nicht in den Griff bekommen, sind sie selbst schuld. Es kann doch nicht angehen, dass jedes Wochenende die Gesundheit der Polizeibeamten aufs Spiel gesetzt wird. Ich hoffe, dass sich alle Bundesländer dem Beispiel von Bremen anschließen, damit vom DFB und den einzelnen Vereinen mehr Eigeninitiative ausgeht um die Sicherheit bei Fußballspielen selbst zu gewährleisten.

Karl-Heinz Hoffmann, per E-Mail

Vielleicht betanken und waschen wir die Autos ja bald online

Zum Artikel: „Gentrifizierung einer Tankstelle“ vom 15. Juli

Da es in Berlin politisch erwünscht ist, den Autoverkehr aus der Innenstadt herauszureglementieren, ist es logisch, die sogenannte „Gentrifizierung von Tankstellen“ zu unterstützen. Immerhin geht es aber auch um die städtebaulichen Baulückenschließungen nach Bombenschäden aus dem Zweiten Weltkrieg und der jahrzehntelangen Zwischennutzung mit Tankstellen, die sicher nicht durch Fahrradständer zu ersetzen sind. Dass auf Tankstellen angewiesene Kraftfahrzeugnutzer nun weitere Wege bis zu einem Servicestützpunkt (Tankstelle und Waschanlage) machen müssen, ist ein Nebeneffekt, der zur Abkehr der Autonutzung beitragen soll. In unserer Stadt wird der Dienst am Kunden und die Rücksichtnahme auf Bürgerinteressen immer mehr ins Abseits gedrängt – in Hotlines und zu Onlinebetrieben. Vielleicht dürfen wir auch bald online tanken ...

Joachim F. Hildebrandt, per E-Mail