Leserbriefe

„Jede Familie muss ihren Weg finden“

Leser zum Betreuungsgeld, das laut einer aktuellen Studie vor allem bildungsferne Familien nutzen

Ohne ideologische Scheuklappen wird bestätigt, dass das Betreuungsgeld sehr wohl der familiären Bindung von Kindern an die Eltern dient. Bei bildungsbewussten Familien kann sich die Mutter mehr um ihre Kinder kümmern als bei einer Weggabe an den teuren und häufig anonymen Kitaplatz. Dass dies auch Migranten nutzen, um die Kinder bewusst von der Kita mit ihren teilweise positiven Angeboten für diese Bildungsgruppe abzuhalten, mag zutreffen, betrifft aber die Minderheit. Hier wird die Problematik der Eingliederung einiger Migrantengruppen vor allem mit muslimischen Hintergrund überbewertet. Noch besteht die deutsche Bevölkerung nicht nur aus Migranten. Deshalb sei der parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen, Sigrid Beer, geraten, gerade die von ihr angesprochene Gruppe von Migranten genauer ins Visier zu nehmen und gegebenenfalls dieser Gruppe wegen Missbrauchs die Mittel eher zu streichen, als sie für die übrige Bevölkerung abzuschaffen.

Gottfried Hecht, per E-Mail

Ihr lieben Herren und Damen von den Grünen und der SPD, denkt ein bisschen nach, bevor ihr weiterhin so einen Quark verzapft. Wer im Zusammenhang mit Kleinstkindern im Alter von ein und zwei Jahren das Wort „Bildung“ verwendet, ist meiner Meinung nach (und nach Meinung einschlägiger Fachliteratur zum Thema Kindesentwicklung) auf dem falschen Weg. Bewiesen ist nämlich, dass das Ziel der ersten drei Lebensjahre Bindung und nicht Bildung ist. Wer anders argumentiert, zäumt das Pferd von hinten auf. Wer zudem eine Form des Familienlebens politisch aufwertet, handelt undemokratisch und diskriminierend. Eltern- und Mutterschaft sind unmodern und passen nicht ins politische Leitbild, das Erwerbstätigkeit und Karrieremachen über die unbezahlte Familienarbeit erhebt. Wer kann es jedoch wagen, so alle Familien über einen Kamm zu scheren? Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden.

Silke Bishop, Spandau

Was ist denn daran falsch, wenn Mütter bis zum zweiten Lebensjahr ihrer Kinder zu Hause bleiben, um sie in den Anfangsmonaten zu begleiten und liebevoll zu betreuen? Wir haben die Einheitserziehung der DDR nicht als richtig angesehen. Die kleinen Kinder wurden morgens abgegeben und abends abgeholt, ohne dass die Entwicklungsstufen hautnah miterlebt wurden. Der Bezugspunkt der kleinen Kinder war hier nicht die Familie, sondern die Tagesstätte. Das Betreuungsgeld ist richtig, da es für die Mütter und Väter gedacht ist, die noch die Familie hochhalten und nicht die Kinder für ihre Kariere abschieben.

Karin Langanke, per E-Mail

Es gibt kein Recht auf die kostenlose Nutzung von U-Bahnen

Zum Artikel: „Piraten gegen Strafverfolgung von Schwarzfahrern“ vom 27. Juli

Die Piraten haben schon mehrfach durch unprofessionelle Vorschläge bewiesen, dass sie keine Ahnung vom Funktionieren eines Gemeinwesens haben. Rund 230.000 Schwarzfahrer bei der BVG, ähnliche Zahlen dazu wohl auch noch bei der S-Bahn, sind ein echtes Problem. Armut oder wenig Geld in der Brieftasche sind ja kein Grund, auf den Kauf eines Fahrscheins zu verzichten. Man kann sich einschränken oder das Fahrrad nutzen. Es gibt kein Recht, kostenlos die von der Allgemeinheit finanzierten Verkehrsmittel zu nutzen. Ganze 1680 Strafanzeigen 2013 beweisen ohnehin, dass die BVG das Problem Schwarzfahren mit Augenmaß verfolgt.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Berlin empfängt seine Neuansiedler nicht mit offenen Armen

Zum Artikel: „Super-Gau der Bürgerämter“, 19. Juli

Ich bin als Relocation Consultant tätig und unterstütze nationale wie internationale Neuberliner bei der Wohnungssuche und den Behördengängen in Berlin und Umgebung. Aktuell wird ein Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern nach Berlin kommen. Das Engagement von Berlin Partner trägt also Früchte. Spätestens aber, wenn es um die Anmeldung geht, ist es vorbei mit dem „Welcome to Berlin“. Enttäuschung macht sich breit, viele weitere Dinge wie Mietverträge oder die Einrichtung von Bankkonten geraten ohne Anmeldung ins Stocken. Ein Termin für die Formalitäten ist nicht in Sicht. In Hamburg oder Frankfurt empfangen die Behörden Neuansiedler mit offenen Armen und reservieren sogar halbe Tage für die Formalitäten. Erst kürzlich hieß es doch, dass das Personal in den Bürgerämtern aufgestockt werden soll. Warum tritt Berlin seine neuen Steuer- und Sozialversicherungszahler mit Füßen?

Birgit Grigoriou, Westend