Leserbriefe

„Ressentiments werden befeuert“

Leser zu der Erhebung, wonach das Realvermögen gesunken ist – außer bei pensionierten Beamten

Es werden erneut angebliche Privilegien der Beamtenpensionäre hervorgehoben, indem die Behauptung aufgestellt wird, dass diese zwischen 2008 und 2013 einen kräftigen Vermögenszuwachs von 21 Prozent erhalten hätten. Für Ruheständler, die nicht über Haus- und/oder Grundbesitz verfügen, schlugen jedoch von März 2008 bis Juli 2014 lediglich

4,9 Prozent brutto zu Buche. Hiervon sind noch Lohn- und Kirchensteuer, Soli sowie Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung abzuführen. Darüber hinaus wurde ab 2003 der Höchstruhegehaltssatz um 3,25 Prozent abgesenkt. Die suggestive Darstellung ärgert mich, da sie geeignet ist, ohnehin schon bestehende Ressentiments zu befeuern.

P. Markowiak, per E-Mail

Ich kann als Beamter kein großes Nettovermögen aufweisen, denn ich habe durch die Sparpolitik des Berliner Senats mit einer geringeren Pension als im übrigen Bundesgebiet in den letzten Jahren noch Schulden machen müssen. Es ist wenig hilfreich, wenn man nun erneut eine Neiddebatte initiiert. Wiederholt wurde versucht, die Gehalts- und Rentensysteme der Beamten mit denen der anderen Bürger zu vergleichen, und man hat sich daran die Zähne ausgebissen. Ein Beamter etwa erhält während seiner aktiven Zeit weniger Gehalt als vergleichbare Angestellte, weil bereits Rücklagen für die Pensionen gebildet werden. Außerdem werden die Pensionen versteuert. Und die private Krankenversicherung ist teurer als die gesetzliche Alternative.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Dieser Artikel zeigt uns deutlich, dass wir in Deutschland im Alter in einer Zweiklassengesellschaft leben müssen. Während Arbeitnehmer im Laufe ihrer Lebensarbeitszeit Rentenbeiträge vom zu versteuernden Einkommen entrichten und im verdienten Ruhestand gerade einmal eine jetzt noch zu versteuernde Rente in Höhe von 42 Prozent vom letzten Netto erhalten, wird den Pensionären der Ruhestand mit bis zu 80 Prozent der letzten Bezüge versüßt. Zu bemerken ist insbesondere, dass für diese üppige Pension, welche glücklicherweise wenigstens zu versteuern ist, der Beamte Zeit seines Lebens nicht einen Cent aufbringen musste. Immerhin haben wir es aber einem unzufriedenen Pensionär zu verdanken, dass wir unsere Renten nun neuerdings auch versteuern dürfen. Damit ist gerade die jetzige Generation, Jahrgang 1955 bis 1980, doppelt bestraft.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Geld und Immobilienwerte privater Haushalte:

was für eine Statistik! Da wurden wohl die Einkommen von Milliardären und Hartz-IV-Empfängern in einen Topft geworfen und geteilt.

Ich kann nicht mal im Traum über ein solch hohes Einkommen verfügen, obwohl ich Beamtin im Ruhestand bin und im Geld schwimmen müsste. Ich besitze die Hälfte des erwähnten Bruttogeldvermögens und keinerlei Immobilien. Abzuziehen von meinem „Vermögen“ sind noch Steuern und ein Krankenkassenbeitrag von 300 Euro monatlich.

Eveline Heißing, Spandau

Wer behauptet denn, Beamte im Ruhestand seien die großen Gewinner? Mir wurde gerade mein Ruhegehalt von ursprünglich 75 Prozent einfach mal so per Gesetz gekürzt. Für mich ist diese Politikerclique gestorben.

Heinz Joachim Grenzer, Lichtenrade

Die Aussagen zum Vermögen der Deutschen sollen offensichtlich der Bedienung von Ressentiments dienen, auf jeden Fall lassen Sie eine neutrale Überprüfung der Zahlen vermissen.

Fakt ist, dass die Berliner Landesbeamten und damit auch die Pensionäre in den zehn Jahren von 2003 bis 2013 lediglich Besoldungszuwächse von insgesamt 11,9 Prozent verbuchen konnten, während zugleich die sogenannte Zuwendung (13. Gehalt oder Weihnachtsgeld) um 90 Prozent gekürzt worden ist. Da nach den Darlegungen im genannten Zeitraum eine Inflationsrate von 18 Prozent zu verzeichnen war, ergibt sich ein Minus von 6,1 Prozent. Nach dem Versorgungsänderungsgesetz wurde meine Höchstpension nach 47 Dienstjahren um 3,25 Prozent abgeschmolzen.

Dieter Meier, Tegel

Leider schürt der Bericht des Statistischen Bundesamtes Neid auf die Beamten. Ich habe als pensionierter Beamter gerade meinen Gehaltsbogen erhalten. Darin wird mir mitgeteilt, dass ich ab sofort 3,2 Prozent weniger Pension erhalte, weil laut Versorgungsänderungsgesetz von 2001 die Absenkung des Versorgungsniveaus beschlossen wurde.

Hans-Joachim Möller, per E-Mail