Leserbriefe

„Merkwürdige Gesinnung“

Leser zum erfolgreichen Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche

Ich bin ein Befürworter des Wiederaufbaus der Garnisonkirche. In Potsdam und auch in Berlin sind unzählige historische Bauten im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, nur wenige werden rekonstruiert und wieder aufgebaut. Bei bedeutenden und prägenden Gebäuden sollten wir es aber tun, auch aus Respekt gegenüber früheren Generationen. Wir müssen uns unserer Geschichte in ihrer Gesamtheit stellen und nicht nur auf die zwölf Jahre Hitlerfaschismus reduzieren. So wird immer wieder von den Gegnern derartiger Projekte auf die Rolle und Funktion bestimmter Gebäude in der Zeit des Faschismus hingewiesen. So hat sich Hitler auch kurze Zeit in der Garnisonkirche aufgehalten. Aber nach dieser sonderbaren Logik müsste der Reichstag abgerissen werden, denn dort haben sich viele Nazis aufgehalten und Wolfgang Schäuble dürfte nicht im Finanzministerium arbeiten, denn dort saß viele Jahre Hermann Göring. Diese Art der „Entsorgung“ deutscher Geschichte ist unangemessen und geradezu töricht.

Peter Reimann, Prenzlauer Berg

Was bildet sich Jann Jakobs (SPD) eigentlich ein? Wenn die Bewohner von Potsdam gegen den Bau der Kirche sind, so hat er das als gewählter Oberbürgermeister zu akzeptieren. Der Wohnungsbau in Potsdam ist wichtiger als eine Kirche aufzubauen, die keiner haben will. Als Oberbürgermeister vertritt er die Interessen der Bürger und sollte diese auch akzeptieren. Es ist schon schlimm genug, dass der Wiederaufbau des Stadtschlosses in Berlin erfolgt. Potsdam sollte auf seine vorausschauenden Mitbürger stolz sein und nicht dem Oberbürgermeister mit dem Wiederaufbau der Kirche ein Denkmal setzen. Das Geld ist knapp und muss nicht für unsinnige Kirchenbauten ausgegeben werden.

Karl-Heinz Hoffmann, per E-Mail

Ich finde die Argumentation der Gegner des Wiederaufbaus der Garnisonkirche erstaunlich. Ich möchte darauf hinweisen, dass der Staat Preußen im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten die wenigsten Angriffskriege geführt hat. Dumm gelaufen, dass das Schloss Sanssouci erhalten geblieben ist, was dem damaligen russischen Stadtkommandanten zu verdanken ist. Vielleicht könnten diese Eiferer darüber nachdenken, ob sie nicht ein Volksbegehren veranstalten könnten, ob der finanzielle Aufwand, der zum Erhalt des Schlosses und des Parks notwendig ist, sich überhaupt lohnt, ob es sich beim Kosten-Nutzen-Vergleich rechnet? Das Argument betreffs der Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten entbehrt jeder Grundlage. Sollen wir die deutsche Sprache abschaffen, denn ich gehe mal davon aus, dass sich die Nazis nicht durch Handzeichen verständigt haben? Unter der SED, deren Nachfolgepartei die Linkspartei ist, wurde in Berlin das Stadtschloss gesprengt. Ich habe den Eindruck, dass deren Geschichtsbewusstsein sich darauf konzentriert, Kulturgüter zu zerstören und deren Wiederaufbau mit aller Macht zu verhindern.

Birgit Sander, per E-Mail

Wes Geistes Kind ist eigentlich die Initiative, die den Wiederaufbau des traditionsreichen Gotteshauses verhindern will? Vermutlich gehören zu den Inhalten der Gegner eines Wiederaufbaus etwas Kirchenfeindlichkeit vom Stil Walter Ulbrichts, Staatsverdrossenheit und das leider sich ausbreitende Gutmenschentum. Die Stiftung ist kein kommunales Organ, sondern eine Einrichtung der Kirche. Der gehört auch das Grundstück, auf dem das Gotteshaus errichtet werden soll. Es wird Zeit, die Gegner der Garnisonkirche politisch anzugreifen und ihre gegen die Entwicklung Potsdams gerichtete Gesinnung zu hinterfragen. Sollte der Bau der Garnisonkirche verhindert werden, könnte Kirchenfeind Ulbricht in seinem Friedrichsfelder Grab Beifall klatschen.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Etwas mehr Demut wäre angebrachter

Zum Artikel: „Wulff attackiert die Medien“ vom 21. Juli

Es mag nicht immer alles justiziabel gewesen sein, aber zweifellos unmoralisch waren etliche Inszenierungen von Alt-Bundespräsident Christian Wulff wohl doch, wie er jetzt einzuräumen bereit ist. Ist der durch seinen Anruf beim Chefredakteur der „Bild“-Zeitung erfolgte Angriff auf die Pressefreiheit schon vergessen? Christian Wulff hat sich selbst seinen Absturz zuzuschreiben, für den der Steuerzahler nun jährlich bis zu Wulffs Ableben mit 200.000 Euro nebst Büro, Sekretärin und Fahrer aufkommt. Etwas mehr Demut wäre da angebrachter, als jetzt den Moralapostel zum Thema Medien zu geben.

Lothar R. Kaltofen, per E-Mail