Leserbriefe

„Unzeitgemäße Konsumwelt“

Leser zum Rücktritt von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur fünf Monaten im Amt

Dass Eva-Lotta Sjöstedt nach nur fünf Monaten aufgibt, war angesichts der schlechten Geschäftszahlen des Karstadt-Konzerns zu erwarten. Sie hat erkannt, dass der Karstadt-Konzern nicht zu sanieren ist. Eine Fusion mit Kaufland, Kaufhof oder Real hätte das Überleben des Konzerns gesichert, auch wenn dadurch einige Standorte geschlossen werden müssten und Personal abgebaut werden müsste. Und das Karstadt-Sortiment müsste angepasst werden, eher hin zu Real, Saturn, Kaufhof oder Kaufland, um dauerhaft als Kaufhaus zu überleben und Gewinne abzuwerfen.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Die Kaufhauskette Karstadt ist genauso ein Auslaufmodell wie es Neckermann und Quelle vor wenigen Jahren waren. Karstadt passt nicht mehr in das 21. Jahrhundert. Es wird in den kommenden Wochen und Monaten noch einige Hiobsbotschaften von Karstadt geben. Insolvenz und Pleite klopfen schon lange an die Türen dieser altehrwürdigen Kaufhauskette mit ihrem reduzierten Warenangebot aus einer unzeitgemäßen Konsumwelt des 20. Jahrhunderts. Die Dummen dieser unzähligen Managementfehler werden die Karstadt-Mitarbeiter sein.

Albert Alten, per E-Mail

Der Rückzug von Frau Sjöstedt schien für sie selbst vermutlich der letzte Ausweg. Es ist immer wieder von traditionsreichen Unternehmen zu lesen, die wegen der Konkurrenz aus Fernost oder der Gier der Konzernchefs in Schwierigkeiten geraten. Wo bleibt der Rückhalt aus der Politik, den auch Banken bekommen?

Constanze Thietz, per E-Mail

Mich überrascht die Entscheidung von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt überhaupt nicht. Dank der Mitarbeiter und ihrer Gewerkschaftsvertreter war das zu erwarten. Warum kann die Gewerkschaft Ver.di nicht mal selbst als Retter auftreten? Es ist an der Zeit, dass nicht nur gemeckert wird, sondern eigene Konzepte umgesetzt werden. Das wirtschaftsfeindliche Agieren der Gewerkschaften ist ein großer Hemmschuh für ein investitionsfreundlicheres Klima.

Wolfgang Heller, Westend

Mehr Geld für die Entwicklung von Forschungsmethoden ohne Tierleid

Zum Artikel: „Berlin will Mäuse leben lassen – keine Tierversuche mehr“ vom 3. Juli

Nachdem sich eine besorgte Öffentlichkeit und Wissenschaftler für das Pro und Contra von Tierversuchen in den Medien zahlreich zu Wort gemeldet haben, geht man nun zum großen Erstaunen zur Märchenstunde über: Berlin will Mäuse leben lassen – keine Tierversuche mehr.

Zu schön, um wahr zu sein für Menschen, die aufgrund von Tierversuchen maximal auf eine kurze Lebensverlängerung, aber kaum auf Heilung hoffen dürfen, für die Tiere, die aufs Grausamste gequält werden. Ein Einsehen der Parteien? Mitnichten! Sie ziehen sich gegenseitig über den Tisch. Claudia Hämmerling kämpft in vorbildlicher Weise, gestärkt durch Wissenschaftler mit ethischer Zielsetzung und modernsten Forschungsmethoden. Ein Umdenken von CDU und SPD auf Bundesebene lässt sich aber nicht erkennen.

Christiane Neuhaus, Zehlendorf

Mit der Überschrift wird suggeriert, dass in Berlin künftig auf Tierversuche verzichtet wird – und einige Zeilen später folgt ein Hinweis auf den Bau eines weiteren Tierexperimentallabors in Pankow, und das Max-Delbrück-Centrum wird mit den Worten zitiert: „Auf absehbare Zeit werden wir in der biomedizinischen Forschung nicht ohne Tierversuche auskommen.“ Von frommen Wünschen und Vorhaben ändert sich in der Realität nichts – das hat uns die Politik über einen langen Zeitraum zur Genüge bewiesen. Seit Jahrzehnten wird darum gekämpft, dass von der Regierung mehr finanzielle Mittel für die Entwicklung von Forschungsmethoden ohne Tierleid zur Verfügung gestellt werden – dies ist bis heute nicht geschehen. Jeder, der sich je mit dem Thema Tierversuche befasst hat, weiß, dass es ein ewig langer Weg sein wird, bis die pharmafreundliche CDU gewillt ist umzukehren. Die blockiert seit Jahrzehnten den gesamten Tierschutz.

Renate Degenhardt, Reinickendorf

Man fragt sich, woher der plötzliche Sinneswandel kommt und alle fünf Fraktionen des Abgeordnetenhauses gemeinsam der Ansicht sind, dass Berlin nicht mehr Hauptstadt der Tierversuche sein soll, sondern ein Kompetenzzentrum für tierversuchsfreie Forschung. Ich bin gespannt, welche Taten der Absichtserklärung folgen und wie schnell sie umgesetzt werden.

Karin Hardekopf, Staaken