Leserbriefe

„Gaslicht ist 100 Prozent Natur“

Leser zu der Berliner „Lichtverschmutzung“ in der Nacht, die Mensch, Tier und Umwelt belastet

Wieder einmal wird gegen die traditionellen und beliebten Berliner Gaslaternen polemisiert. Der Artikel ist Werbung für LED-Gaslicht-Attrappen. So ähnlich, so günstig, so schön und hochmodern. Es werden Gaslicht-Plagiate gelobt, obwohl zum Beispiel in Neukölln LED-Gaslaternen-Attrappen stehen, die seit Wochen dauerhaft gestört sind, weil sie ständig an und aus gehen. Währenddessen werden in der Stadt immer mehr elektrische Kompaktleuchtstofflampen installiert und Gasleuchten im Schnellverfahren abgerissen. Es wird verschwiegen, dass ausgerechnet die Gasstraßenbeleuchtung das natürlichste Kunstlicht ist, das nicht zum Lichtsmog über der Stadt beiträgt. Die rotbraune Dunstglocke kommt von den vielen Natriumdampfleuchten im Ostteil Berlins sowie von unzähligen anderen elektrischen Lichtquellen, von zu grellen Straßenleuchten bis hin zu Skybeamern. Hier wäre ein Betätigungsfeld für die Laternenbeamten in der Stadtentwicklungsverwaltung, die Lichtverschmutzung zu mindern.

Bettina Raetzer-Grimm, per E-Mail

Herbert Lohner vom BUND hat am Tag der Stadtnatur die für Insekten todbringende Wirkung von Straßenbeleuchtung in der Falckensteinstraße in Kreuzberg erläutert. Dabei wird ein wesentlicher Unterschied zwischen Gasbeleuchtung und elektrischer, auch LED-Beleuchtung unterschlagen. Insekten finden nur in elektrischen Beleuchtungsanlagen, nicht jedoch an gasbetriebenen Stadtleuchten den Tod. Das liegt an der speziellen Lichtfrequenz des Gaslichts. Gasbeleuchtung ist in dieser Hinsicht die Rettung für nachtaktive Insekten und bietet dennoch ausreichend Licht für Verkehrsteilnehmer und Bevölkerung. Das sicherste Merkmal zur Unterscheidung von elektrischen, schädlichen (Retro)-Leuchten und gasbetriebenen, naturverträglichen Straßenlampen sind die Verschmutzungen durch verendete Insekten, die es nur an den elektrischen Lampen gibt. Gaslicht ist, wenn es mit Erdgas oder noch besser mit Biogas betrieben wird, 100 Prozent Natur. Das von Lohner verteidigte Senatskonzept hat die behauptete Verhinderung von sogenannter Lichtverschmutzung gar nicht zum Ziel, sondern aus sehr fragwürdigen Gründen einzig und allein den flächendeckenden Abbau der naturverträglichen Gasbeleuchtung und deren Ersatz durch insektenschädliche elektrische Beleuchtung. Das kostet den Berliner Steuerzahler Millionen Euro, die Schäden für die Stadtnatur werden gar nicht erhoben.

Jutta Matuschek, MdA, Linkspartei

Beamte könnten am Ende die dauerhaften Verlierer sein

Zum Artikel: „Finanzsenator warnt vor Mehrausgaben“ vom 23. Juni

Der Streit zwischen der SPD und der CDU über die Beamtenbesoldung ist für die Betroffenen sehr ärgerlich. Die Beamten könnten es sein, die am Ende als dauerhafte Verlierer einer unnötigen Auseinandersetzung dastehen. Das seit Monaten von beiden Parteien gepflegte Hin und Her über den Abbau des seit Jahren bestehenden Besoldungsrückstandes versteht kein Beamter mehr. Beide Parteien beteuern ständig, wie wichtig ihnen die Beseitigung der Bezahlungsunterschiede gegenüber den anderen Bundesländern ist. Die Äußerungen zur Wertschätzung der Landesbeamten lassen sich schon nicht mehr zählen. Dann aber wird öffentlich im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses über die Berechnungsgrundlagen zum langfristigen Abbau des Besoldungsrückstandes rücksichtslos gestritten. In dieser Situation äußert sich der Finanzsenator. Er rechnet alle Wünsche der Parteien für Mehrausgaben zusammen. So haben dann die Koalitionsparteien ihren Buhmann, der alles zusammenstreicht, was man sich so wünscht. SPD und CDU, aber auch der für die Besoldung zuständige Innensenator, sind an ihre Zusagen zu erinnern. Die Haushaltspolitiker müssen einen Weg finden, der die mittelfristige Anpassung der Besoldung der Landesbeamten an das Bezahlungsniveau der anderen Bundesländer ermöglicht.

Joachim Jetschmann, per E-Mail

Der Dumme ist wie immer der Autofahrer

Zum Artikel: „Partys, Paraden – und Absperrungen“ vom 21. Juni

Das Maß ist voll. Ohne Rücksichtnahme wurden diverse Veranstaltungen parallel in der Stadt genehmigt. Der Dumme ist wie immer der Autofahrer. Steuern muss er auch zahlen, wenn das Auto stillsteht. Komme mir keiner mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch diese sind vom Partywahnsinn betroffen.

Klaus Wollschläger, Kladow