Leserbriefe

„Schlechter geschützt als Bauarbeiter“

Leser zum Urteil des Bundesgerichtshofes, wonach es keine Helmpflicht für Radfahrer im Straßenverkehr gibt

Endlich hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit seinem Helm-Urteil genau die Gesetzeslage bestätigt, dass nämlich keine Helmpflicht für Radfahrer besteht und sie deshalb bei einem unverschuldeten Unfall keine anteilige Mitschuld zu tragen haben. Warum trifft aber den Autofahrer eine Mitschuld, wenn Radfahrer ohne Beachtung des gesetzlichen Rechtsfahrgebots auf dem Radfahrweg von links dem Rechtsabbieger begegnen und dadurch einen Unfall verursachen? Denn der rechtsabbiegende Autofahrer muss den von rechts kommenden Radfahrer auf dem Radfahrweg vorrangig beachten. Hier hat der BGH trotz eindeutiger Gesetzeslage dem Autofahrer eine Mitschuld gegeben, weil er mit einer solchen fehlerhaften Verhaltensweise rechnen müsse.

Warum hat der andere Autofahrer eine Mitschuld, wenn er darauf vertraut, dass das gegnerische Fahrzeug sich entsprechend seines Blinkers verhält? Warum muss er damit rechnen, dass sich der andere irrtümlich nicht an sein Signal hält? Ein Autofahrer muss bewusst am Straßenverkehr teilnehmen und sich alle Handlungen zurechnen lassen, wenn sich der andere Verkehrsteilnehmer auf sein Signal verlässt.

Gottfried Hecht, per E-Mail

„Helm ab zum Gebet“, heißt ein Befehl bei der Bundeswehr, „Helm auf beim Radfahren“ der Befehl der Vernunft. Deutsche funktionieren tatsächlich wohl am besten mit Befehl oder Gesetz. Vielleicht lohnt es sich für alle Radfahrer, das einzuschalten, das der Helm schützen soll: das Gehirn. Nun wünsche ich mir nach der höchstrichterlichen Entscheidung zum Helmgebrauch ein Urteil zum Verhalten im Wasser: „Der Bürger hat, sofern er keinen Grund unter den Füßen spürt, die gesetzliche Pflicht, Schwimmbewegungen auszuführen!“ Wem seine eigene Rübe wichtig ist, der schützt sie, auch ohne Dekret und ohne viel akademisches oder juristisches Gelaber. Und wenn sie den Medizinern, die täglich hirnverletzte Radfahrer versorgen, nicht glauben, sollten sie mal an einem Sonntag eine Rehaklinik besuchen.

Georg Maus, Potsdam

Im Prinzip ist es eine klare Sache, dass man sich als Radfahrer mit Helm durch den Straßenverkehr bewegen sollte. Bei deutschlandweit 354 tödlich verunglückten Fahrradfahrern im vergangenen Jahr sollte man aufmerken und selbst Vorsorge treffen, dass man nicht das nächste Todesopfer wird. Insgesamt ein befremdliches Urteil, das kaum zu mehr Sicherheit im Verkehr beiträgt. Da sind die Leute vom Bau besser geschützt. Obwohl selten ein Stein der Schwerkraft ungehindert nachgibt, gilt hier ausnahmslos die Helmpflicht.

Thomas Hansen per E-Mail

Wir brauchen vor allem mehr Zeit für die Familie

Zum Artikel: „Einzelhandel will auch sonntags Geschäfte zum Verkauf öffnen“ vom 18. Juni

Müssen wir tatsächlich auch verkaufsoffene Sonntage haben, und dies an jedem Sonntag? Immer mehr breitet sich die Mentalität zum „Immer offen haben“ aus. Dies ist aber familienfeindlich. Gerade in der heutigen Gesellschaft muss die Familie wieder mehr in den Vordergrund rücken. Die Familie benötigt wenigstens einen gemeinsamen freien Tag, und dies ist der Sonntag. Dass dies nicht überall geht, ist bekannt. An vielen Stellen muss rund um die Uhr gearbeitet werden, etwa bei der Polizei, der Feuerwehr, beim Militär, in Krankenhäusern, am Flughafen, bei der Bahn oder im Hotel. Aber das heißt nicht, dass jeder jederzeit alles überall einkaufen kann. Lasst den Sonntag weiterhin einen freien Tag sein. Eltern sollten für ihre Kinder da sein und nicht – wie es Nils Busch-Petersen sieht – nur für den Arbeitgeber. Wir brauchen vor allem mehr Zeit für die Familie.

Helmuth Pikilia, Hellersdorf

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Alle wollen Geld verdienen und unser Staat möglichst viele Steuern eintreiben. Nils Busch-Petersen kennt die Misere schon lange. Wäre da nicht unsere Kirche, die am Sonntag ihre Schäfchen um sich scharen möchte, könnte es funktionieren.

Ludger Peters, per E-Mail

Verdummung der Steuerzahler geht munter weiter

Zum Artikel: „Siemens-Manager wird neuer BER-Technikchef“ vom 19. Juni

Wenn Siemens-Manager Jörg Marks schon seit Jahren mit der Brandschutzanlage am BER vertraut ist, warum holt man ihn dann erst jetzt? Die Verdummung der Steuerzahler geht munter weiter.

Lothar Wirth, per E-Mail