Leserbriefe

„Berliner sollten befragt werden“

Leser zu den Plänen des Berliner Senats, sich um die Olympischen Sommerspiele 2024 zu bewerben

Olympische Spiele in Berlin – das wäre das größte Ereignis für die Stadt. Doch man sollte nicht zu euphorisch sein und sich zu früh freuen. Denn der Berliner Senat mit Klaus Wowereit (SPD) an der Spitze muss sich klar und deutlich zu einer Bewerbung bekennen. Oder will er nur mit einem Sommerthema von seinen vielen Negativ-Schlagzeilen wegen BER, Tempelhofer Feld, Staatsoper, Asylpolitik, maroder Straßen und Brücken oder fehlerhafter Ausschreibung bei der S-Bahn ablenken? Ehe sich der Senat tiefgründig mit dem Thema Olympiabewerbung befasst, sollte er sich der Zustimmung der Berliner Bevölkerung versichern, ob diese die Spiele schon 2024 will. Und noch eines ist ganz wichtig, der Berliner Senat sollte sich gut die alten Unterlagen zur Bewerbung um die Spiele 2000 ansehen und das Bewerbungsverfahren von damals analysieren. Dann wird er feststellen, dass es die heutigen Grünen waren, die mit vielen Gegendemonstrationen und negativem Theater entscheidend dazu beigetragen haben, dass Berlin die Spiele nicht bekam, sondern Sydney in Australien. Auch die Bewerbung zu den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen haben die Grünen in Bayern mit Erfolg verhindert.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Ich hatte es eigentlich für einen Aprilscherz gehalten, doch anscheinend meinen es Klaus Wowereit und Sportsenator Frank Henkel (CDU) ernst, wenn sie Berlin nun als Olympiastadt für 2024 ins Gespräch bringen. Man muss sich einmal vorstellen, da will sich eine Stadt, die sich fast 15 Jahre lang kaputtgespart und Infrastrukturmaßnahmen vernachlässigt hat, um das weltgrößte Sportfest bewerben. Hat der Senat jeglichen Realitätssinn verloren und sieht nicht die frappierenden Mängel und Ärgernisse, die der Bürger im Alltag erdulden muss: marode Straßen, kaputte Brücken, baufällige Schulbauten und Schwimmbäder, Personalmangel in den Behörden, fehlendes Geld für Jugend- und Freizeiteinrichtungen… Die Liste ist schier unendlich. Schon 2000 ist eine Olympia-Bewerbung Berlins gescheitert, schon damals war ein Großteil der Berliner Bevölkerung dagegen. Jetzt dürfte die Ablehnung solcher Mammutprojekte noch viel größer sein, wenn der Senat noch nicht einmal in der Lage ist, einen neuen Flughafen bauen zu lassen.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Man kann die Überlegung des Berliner Senats, eine Bewerbung für die Austragung der Olympischen Spiele im Jahre 2024 in Berlin abzugeben, nur mit einem Satz karikieren: Kein Geld für Windeln, aber sich von Dürer malen lassen.

Angesichts der täglich zunehmenden Probleme – jetzt kann man schon nicht einmal mehr die Mittelstreifen von Wildwuchs befreien –, marode Schulen, dem Flughafen-Desaster, der verfehlten Wohnungspolitik, fehlender, bezahlbarer Wohnraum, sollte man die Finger von derart kostspieligen Veranstaltungen lassen. Bevor man sich also ernsthaft mit der Frage einer Bewerbung beschäftigt, sollte es wichtiger sein, die anstehenden Aufgaben abzuarbeiten, anstatt darauf zu schielen, Berlin in den Mittelpunkt des internationalen Interesses zu rücken. Berlin hat dies nicht nötig, das beweisen die Zahlen der Touristen, die diese Stadt pausenlos mit ihrem Besuch beglücken.

Dagmar Kley, Spandau

Selbst wenn Berlin bis 2024 einen funktionierenden Flughafen vorweisen könnte, wäre dieser zu klein, um dem Besucherstrom anlässlich eines derartigen Sportereignisses gerecht werden zu können. Wie soll in Berlin ein derartiges Sportereignis reibungslos über die Bühne gehen, mit einem Flughafen, der dem Besucherstrom nicht annähernd gerecht werden würde – vorausgesetzt, er ist bis 2024 fertig.

Kerstin Kühn, Heiligensee

Mit Regionalpopulismus gegen europäischen Integrationsgedanken

Zum Artikel: „Nationale Pkw-Maut: Eine Vignette für hundert Euro“ vom 10. Juni

Die CSU schießt mit ihrer Pkw-Maut ein klassisches Eigentor. Denn erstens stellt sich die Partei mit ihrem Regionalpopulismus, der sich insbesondere gegen österreichische und italienische Autofahrer richtet, einmal mehr gegen den europäischen Integrationsgedanken. Und zweitens lässt sich das Problem der maroden Infrastruktur allein über einen milliardenschweren Zukunftsfonds lösen, für den der großen Koalition aber ein nachhaltiges Politikverständnis fehlt. Deswegen wird hier lediglich teurer Murks angestellt, ohne wirklich etwas an der sinkenden deutschen Wettbewerbsfähigkeit zu ändern.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail