Leserbriefe

„Gezwungen, Rad zu fahren“

Leser zu der starken Zunahme des Fahrradverkehrs und den Problemen auf den Berliner Straßen

Warum steigen immer mehr Berliner auf das Rad um? Bei genauer Betrachtung sind nicht nur ökologische oder gesundheitliche Gründe dafür ausschlaggebend. Viele Verkehrsteilnehmer nutzen das Fahrrad, insbesondere im Innenstadtbereich, weil sie keinen Parkplatz für ihren Pkw oder diesen nur in teuren parkraumbewirtschafteten Zonen finden. Zudem ist gerade in der Innenstadt aufgrund vieler Baustellen der motorisierte Verkehr dermaßen temporeduziert, dass sich als Alternative der Fortbewegung oft nur noch das Fahrrad anbietet. Dass die Abgaben der Kraftfahrer in Form von Kfz- und Ökosteuer nicht in den Straßenbau fließen, ist hinreichend bekannt. Wenn nun berichtet wird, dass Mittel aus dem Schlaglochprogramm für die Instandsetzung von Radwegen verwendet werden sollen, kann dies nur mit Unverständnis zur Kenntnis genommen werden. Der sehr schlechte Zustand der Straßen in Berlin ist hinreichend bekannt.

Andreas Pahl, per E-Mail

Radfahren ist sportlich, gesund, umweltschonend und vieles mehr. Ich finde auch das Anlegen und Reparieren der Radwege völlig in Ordnung. Nur sollten diese dann auch benutzt werden. Es wird viel Geld ausgegeben, dass nicht durch das Radfahren eingenommen wird. Ich schlage eine Umlage eines Teils der Kosten auch auf die Radfahrer vor. Zusätzlich sollte auch bei der immensen Zunahme des Radverkehrs an eine vorgeschriebene Schulung für Radfahrer gedacht werden sowie auch an eine Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht. Man kann nicht nur die Autofahrer belasten, das schürt generell eine ablehnende Haltung gegenüber Radfahrern. Auch das Gefühl, für alles bestraft zu werden, wohingegen andere anscheinend alles tun dürfen, ist zu kritisieren. Der Radfahrer ist neben dem Fußgänger das schwächste Glied im öffentlichen Verkehr, das sollten immer beide Seiten bedenken, vor allem der Radfahrer selbst.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Fährt man in Berlin mit dem Auto, müsste man eigentlich dankbar sein, dass es so viele Radfahrer gibt. Würden die nämlich auch noch Auto fahren, wären die Straßen noch voller. Dass man im Freundeskreis mit dem Fahrrad eine Spreewaldtour macht, kann man ja verstehen, aber hier mit dem Fahrrad zu fahren, kann man wahrlich kein Vergnügen nennen. Mir stellt sich die Frage, ob nicht eine Fahrt mit der BVG den Radfahrern einfach zu teuer ist? Hinzu kommt noch die Unpünktlichkeit bei Bussen und Bahnen. Wie zu lesen war, wird das Rad in den Randbezirken weniger benutzt. Das bestätigt eigentlich nur, dass es eine Frage des Einkommens ist, ob man Auto oder Rad fährt. Anlässlich der jüngsten Fahrradsternfahrt, bei der erneut die ganze Stadt lahmgelegt wurde, gab es Leserzuschriften, die die ständige Erweiterungen der Radwege stark kritisierten. Nicht nur, dass die Radfahrer die Radwege nicht benutzten, sondern diese auch noch vom Autofahrer bekommen, ist nicht zu akzeptieren.

Max Nimmer, per E-Mail

Für nette Kleinigkeiten fehlt offensichtlich das Geld

Zum Artikel: „Kein Geld Reparatur Schwanenhaus im Engelbecken“ vom 6. Juni

Mit Erstaunen lese ich in der Morgenpost, dass der Bezirk Mitte kein Geld für die Wiederherstellung des zerstörten Schwanenhauses im Engelbecken habe und auch kein Geld für eine Absperrung der Uferwege oder eine Videoüberwachung. Das sagt zumindest Harald Büttner, der Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes. Aber auf der anderen Seite will der Bezirk Mitte Millionen für einen Zaun um den Tiergarten ausgeben? Dafür ist Geld da. Komisch.

Stefan Draeger, Gesundbrunnen

Wohnen in fremden Wänden wird fast unbezahlbar

Zum Artikel: „Für neue Mieter wird es in Berlin immer teurer“ vom 11. Juni

Die Mietpreise in Deutschland explodieren in astronomische Höhen. Insbesondere in Großstädten ist Wohnen in fremden Wänden für immer mehr Mieter fast unbezahlbar. Auf der einen Seite sinken die Reallöhne und die Sparzinsen und auf der anderen Seite werden Autos und Mieten zu wahren Luxusgütern zwischen Hamburg und Dresden. Wird weiter fröhlich an der Preisschraube für Benzin und den Mieten nach oben gedreht, fliegt uns der soziale Rechtsstaat Bundesrepublik bald um die Ohren, weil nur noch Reiche und Millionäre sich Wohnraum und Automobile leisten können.

Albert Alten, per E-Mail