Leserbriefe

„Schallende Ohrfeige für Wowereit“

Leser zum Erfolg des Volksentscheides und zu den gescheiterten Bauplänen für das Tempelhofer Feld

Die Ablehnung der Berliner gegen die Bebauung des Tempelhofer Felds ist deutlich. Im Ergebnis geht es nicht nur um das Für und Wider einer Bebauung, sondern auch um eine Retourkutsche an den Souverän. Klaus Wowereit hat sich mit zunehmender Dauer seiner Amtszeit selbstherrlich über die Wünsche und Vorstellungen der Berliner hinweggesetzt. Das Ergebnis des Volksentscheids ist vor allem Kritik an seinem Politikstil.

Achim Sahr, per E-Mail

Die Zeit für Luftschlösser und Hirngespinste ist endgültig vorbei, Berlin ist aufgewacht.

Klaus Wollschläger, per E-Mail

Der Volksentscheid ist erwartungsgemäß gelaufen. Der SPD wurde ins Stammbuch geschrieben, dass nicht nur der Wohnungsbau gefördert werden soll, sondern dass überall ausreichend Parkplätze und Infrastruktur geschaffen werden müssen. Deshalb haben auch viele Anwohner gegen die Bebauung gestimmt, weil schon jetzt alle Parkplätze im Umfeld des Tempelhofer Feldes zugeparkt sind.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass der Wille des Volkes nicht mit den Ansichten der regierenden Politiker korrespondiert. Nun bleibt abzuwarten, ob der Wille des Volkes auch dementsprechend umgesetzt wird. Wenn ja, ist das ein echtes Zeichen von Demokratie.

Bärbel Hartenstein, per E-MailNein, die „Initiative 100% Tempelhofer Feld“ hat nicht gewonnen, das moderne Berlin hat verloren. Weil die Wähler zum Teil beide Entwürfe nicht verstanden haben, weil man meinte, mit Wowereit ein Hühnchen rupfen zu müssen, und weil Minderheiteninteressen mal wieder die Mehrheit gängeln sollen. Ich habe eine günstige Wohnung, brauche keine neue. Ich brauche aber auch keine riesige Brache zwischen leerem Flughafengebäude und Stadtautobahn. Mit dem Volksentscheid waren viele unbedarfte Wähler schlicht überfordert. Sie haben sich von Gegnern einer fortschrittlichen Entwicklung instrumentalisieren lassen. Beim Informationsstand von Otto Normalverbraucher sind Volksentscheide leider kein Mittel für mehr Demokratie.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Viele, die gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes gestimmt haben, haben eigentlich nur etwas gegen den Bau der Landesbibliothek dort. Hätte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) seine Pläne zum Bau der Landesbibliothek dort zurückgestellt, wäre das Ergebnis der Abstimmung bestimmt anders gewesen.

Marianne Girbig, Mitte

So groß kann die Wohnungsnot in Berlin nicht sein, wenn 65 Prozent der Wähler gegen Wohnungsbau stimmen.

Sabine Rettig,Wittenau

Was für eine Schlappe. Es hat sich erneut gezeigt, dass das Wahlvolk nicht so dumm ist, wie von einigen Politikern geglaubt und gehofft wird. Zwei Drittel der Wähler haben auch gegen die Arroganz des Regierenden Bürgermeisters gestimmt, der den Gegnern der Bebauung des Tempelhofer Feldes Egoismus vorwarf. Zum Glück kann Wowereit sich nicht ein Volk wählen, das ihm genehm ist. Umgekehrt wird ein Schuh daraus, so funktioniert Demokratie.

Dieter Fath, Spandau

Ich bin froh über den Erfolg der „Initiative 100% Tempelhofer Feld“. Der ehemalige Flughafen ist für mich ein Symbol für Freiheit und mehr als ein Gelände für Freizeitaktivitäten. Für mich steht es für die Freiheit der Berliner, die durch die Luftbrücke der Alliierten gerettet wurde.

Veronika Ratajczak, per E-Mail

Es ist unbegreiflich, wie es profilneurotischen Ideologen gelingen kann, inmitten einer Stadt eine Stadtbrache für ein paar Skater und Picknickfreunde zu bewahren, wo es doch in Berlin genügend derartige Möglichkeiten gibt.

Harald G. A. Becker,per E-Mail

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat zu Recht erklärt, der Kampf um den Erhalt des Tempelhofer Feldes sei „ein Generalkampf gegen den Senat“ gewesen. Der Senat hat verloren, der Chef müsste jetzt eigentlich seinen Hut nehmen. Dafür müsste Wowereit aber erst einmal seine eigene Arroganz besiegen.

Michael Kromarek, Erkner

Wowereit scheint nicht verstanden zu haben, dass der Volksentscheid ausschließlich eine schallende Ohrfeige für ihn ist.

Christine Schulze, per E-Mail