Leserbriefe

Bebauung wird das Feld verschlingen

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Leser zum Tempelhofer Feld und den Senatsplänen für neue Wohnungen und eine Landesbibliothek

Die Kluft zwischen Politikern und Bevölkerung wird immer größer. Die Befürworter des freien Feldes wollen keine große Spielwiese, sondern sie bekunden ein großes Misstrauen gegenüber den Regierenden hinsichtlich deren Absichten. Noch immer verscherbeln die städtischen Wohnungsbaugesellschaften alte Sozialwohnungen an Kapitalanleger – und der Senat sieht zu. Sollen die Bürger Vertrauen haben, dass die notwendigen bezahlbaren Mietwohnungen auf dem Tempelhofer Feld entstehen werden? Vielmehr ist zu befürchten, dass einmal begonnene Bebauungen in naher Zukunft das ganze Feld verschlingen werden. Es ist bekannt, dass genügend Brachen im Land bebaubar sind, es geschieht nur nichts in diese Richtung. Und wir benötigen dringend bezahlbaren Mietwohnraum.

Wolf Kander, Wilmersdorf

Jegliche Bebauung des Tempelhofer Feldes muss verhindert werden, da sonst die dortigen Frischluftschneisen beziehungsweise Kaltluftschneisen zerstört werden, die für das Stadtklima – auch gerade wegen des Klimawandels – so wichtig sind für die Berliner Luft. Auch ist ein Erhalt dieses historischen Geländes für nachfolgende Generationen wichtig.

U. Gendreizig, per E-Mail

Die veröffentlichte Grafik zur geplanten Bebauung des Tempelhofer Feldes zeigt deutlich, dass wieder einmal die Planung nicht zu Ende geführt wurde. Die Verkehrssituation bleibt vollkommen unberücksichtigt. Am Tempelhofer Damm steht man auch jetzt schon im Dauerstau. Wo sollen die Anwohner und die Nutzer der künftigen Landeszentralbibliothek (LZB) parken? Des Weiteren wird die restliche Fläche für die Nutzung durch Besucher ausgewiesen. In der Zeit von Mitte März bis Ende August sind aber große Flächen neben den ehemaligen Landebahnen gesperrt. Dort brütet die Feldlerche. Bei den geplanten Kosten für die LZB – die wohl niemand haben will und muss – sollte man mit einem Vielfachen rechnen.

Monika Wiese, per E-Mail

Eine Fläche wie das Tempelhofer Feld als große Spielwiese kann sich Berlin genau so wenig wie jede andere Stadt leisten. Trotzdem werde ich für den Erhalt des Tempelhofer Feldes stimmen, weil ich kein Vertrauen zu dem von der SPD geführten Senat habe und er vermutlich dort nur Eigentumswohnungen bauen lassen wird, und die normalen Berliner können sehen, wo sie bleiben. Der Hauptgrund meiner Wahlentscheidung ist aber, dass Klaus Wowereit mit Starrsinnigkeit am Bau der Zentralbibliothek festhält. Dieses Geld sollte für Schulen, Straßen- und Brückensanierung ausgegeben werden.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Grundsätzlich kann man nicht für die Initiative Tempelhofer Feld sein, denn das bedeutet Stillstand und das Gelände bleibt Brache für die kommenden 30 Jahre. Andererseits sind die Berliner auch skeptisch gegenüber den Senatsplänen. Niemand will dort Wowereits Landesbibliothek, noch traut man dem Senat zu, alles richtig zu planen, insbesondere die Infrastruktur und die verkehrspolitische Anbindung der Randbebauung.

A. Müller-Reichenwallner, Tegel

Sonderbar, dass gerade junge Leute gegen den so dringend benötigten Wohnraum auf dem Tempelhofer Feld sind, obwohl trotz der vom Senat geplanten Bebauung eine Fläche größer als der Tiergarten übrig bleibt. Vielleicht möchten nachfolgende Generationen auch gerne grün und zentral und verkehrsmäßig gut angebunden wohnen und nicht am Stadtrand. Vielleicht sollten wir mal wieder mehr Mut zu Veränderung und Neuem bekommen und nicht alle Ideen gleich im Keim ersticken.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Aus der farbigen Darstellung in der Grafik erkennt man wunderbar die Verlogenheit der Planungen des Senats. Der geringste Teil der Bebauung ist für Wohnungen vorgesehen.

Ferner verschweigt der Senat, wie lange die Förderung der Mieten laufen soll.

A. Impe, Rudow

Bei der Bebauungsdiskussion zum Tempelhofer Feld wird immer wieder vergessen, dass dieses freie Areal immer als Frischluftschneise für die anliegenden Bezirke galt, da wir in Berlin überwiegend Westwetterlage haben. Durch die immense Bebauung, wenn dort wie geplant Steinwüsten errichtet werden sollten, würden sich die klimatischen Bedingungen für die dortigen Anwohner erheblich verschlechtern, insbesondere im Sommer.

Dieter Fath, Spandau