Leserbriefe

„Nur ein müdes Affentheater“

Leser zu den Spitzenkandidaten und zum Wahlkampf vor der Europawahl am kommenden Sonntag

Von vielen Plakaten blicken Politiker. Darunter stehen meist substanzlose Aussagen – bezeichnend für ein Europaparlament, welches letztlich keine wirkliche Macht und Einflussmöglichkeit hat. Die wichtigen Entscheidungen werden von der Kommission in Brüssel getroffen, von sogenannten Kommissaren. An der Spitze steht als EU-Präsident der Portugiese José Manuel Barroso. Um dessen Nachfolge bemühen sich Jean-Claude Juncker aus Luxemburg und Martin Schulz aus Deutschland. Juncker glänzte kürzlich mit der Aussage, wenn man in der Politik etwas erreichen wolle, dann müsse man lügen. Ein TV-Team rückte vor einiger Zeit in Brüssel Schulz zum Thema Spesenbetrug durch EU-Abgeordnete auf den Pelz. Über diese eklatanten Unterstellungen und die gezeigte Respektlosigkeit war der so erbost, dass er ein generelles Hausverbot für Journalisten erwirken wollte. Und der Italiener Draghi, der die finanziellen Strippen in der EU-Kommission zieht, wird demnächst die Zinsen auf null Prozent senken. Damit wird den schwachen Euroländern weiter ermöglicht, über ihre Verhältnisse zu leben.

Rudolf Zitzmann, Schmargendorf

Ich mag die Idee des vereinten Europas, nicht wegen Glühbirnenverbots, unnötiger Subventionen, Freihandelsabkommen oder Gurkenkrümmungsnorm, sondern wegen der offenen Grenzen, des gleichen Rechts für jeden Bürger, wegen der freien Wahl des Wohn- und Arbeitsplatzes in Europa ebenso. Nicht zuletzt auch wegen des Friedens seit mehr als 60 Jahren. Ich verabscheue kleinkariertes Denken, den zunehmenden Nationalismus auch innerhalb der EU zum Beispiel in Ungarn, aber auch den Separatismus in Katalonien, Schottland oder Flandern, die Arroganz der Reichen und deren Unsolidarität. In der Alternative für Deutschland (AfD) sind konservative Senioren und Volkswirte vereint, die alles einer betriebswirtschaftlichen Rechnung unterziehen und nur danach bewerten. Reine Theoretiker, die heute das und morgen etwas anderes erzählen. Diese Menschen können einfach nicht begreifen, was freie, soziale und weltoffene Menschen an der EU schätzen und dass ein Europa jenseits von Nationalismus die Zukunft ist. Diese Zukunft kann man jetzt schon in Aachen, Flensburg, am Niederrhein und anderen Grenzregionen anschauen, leben und bestaunen.

Markus Meister, Kassel

Der Europawahlkampf ist in seiner heißen Phase, eine grenzenlose Mobilisierung der Parteien erhöht das Wahlfieber aller überzeugten Europäer. Wahlkampfthemen gibt es ja genug: ESM-Rettungsschirm, Ukraine-Krise, drohender Bürgerkrieg in der Ostukraine, hohe Arbeitslosigkeit in den Euro-Südstaaten, hohe Staatsverschuldung aller EU-Länder, steigendes Arm-Reich-Gefälle in der EU und, und, und. Aber der Europawahlkampf ist nur ein müdes Affentheater mit farblosen und ratlosen Akteuren.

Hoffentlich gibt es am 25. Mai für uns alle kein böses Erwachen.

Roland Klose, per E-Mail

Tegel sollte als Ergänzungsflughafen ausgebaut werden

Zum Artikel: „Mehdorn warnt vor Verlusten vom 13. Mai

Es ist absurd: Je länger Hartmut Mehdorn am BER bastelt, desto unsicherer wird, wann der Flughafen endlich mal seine Pforten öffnet. Jetzt will er – gleichzeitig – den alten Flughafen Schönefeld in Angriff nehmen, also auch noch zweigleisig fahren. Dabei haben wir einen Ergänzungsflughafen zum BER, der bereits tadellos funktioniert: Tegel TXL. Wenn man noch ein wenig Geld reinsteckt, kann man dort alles unterbringen, was der BER nicht schafft – und gleichzeitig die Lärmbelästigung erheblich reduzieren. Tegel offenzuhalten, ist durchaus möglich, und das wird am Ende auch so kommen. Da kann man nur sagen: Herr Wowereit, geben Sie Gedankenfreiheit, statt das Thema Tegel zu tabuisieren.

Michael Kromarek, Erkner

Energiewende mit erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen

Zum Artikel: „Seehofer: Bund soll keine Risiken übernehmen“ vom 13. Mai

Erst diktiert die Politik die Energiewende, mit erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen, dann verweigert sie den Stromversorgern begleitende Hilfen für Umstände, die durch eine abrupte Kehrtwende in der Energiepolitik entstanden sind. Die permanente Missachtung wirtschaftlicher Zusammenhänge durch die Politik bleibt auf Dauer nicht folgenlos.

Wolfgang Heller, Westend