Leserbriefe

„Realitätsverlust oder Größenwahn“

Leser zum BER und zum Verhalten von Flughafenchef Mehdorn gegenüber dem Brandenburger Landtag

In den Berichten über eine Anhörung zum BER vor dem Potsdamer Landtag wurde unter anderem Technikchef Großmann zitiert, der zur Brandschutzanlage gesagt haben soll: „Die Unterlagen werden nun abschnittsweise an Siemens übergeben.“ Mit diesem Satz offenbart Großmann, dass eigentlich nichts vorangeht auf der Baustelle. Gleichzeitig demonstriert er eine erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber dem Baufortschritt und den berechtigten Erwartungen der Öffentlichkeit. Gibt es eigentlich noch gutes Personal bei der Flughafengesellschaft? Warum lässt der Aufsichtsrat sich das bieten? Macht Wowereit irgendetwas besser als vor seinem Rücktritt? Ich glaube nicht mehr daran, dass dieser Flughafen jemals eröffnet wird.

Ruediger Fritz, Rudow

Hartmut Mehdorn führt anscheinend ein Eigenleben, fern aller normalen Regeln. Er kommt und geht, wann er will. Der Sonderausschuss BER des Potsdamer Landtags hat Mehdorn zweimal eingeladen. Einmal kam er, um noch vor Beginn der Sitzung zu gehen. Zum zweiten Termin kam er gar nicht und entschuldigte sich auch nicht.

Uwe Larisch, per E-Mail

Hartmut Mehdorn leidet entweder unter Realitätsverlust oder unter Größenwahn. Er fordert, dass Alt-Schönefeld ausgebaut werden muss, da der BER bereits zu klein sei. Er argumentiert, dass es die Hauptaufgabe der Flughafengesellschaft sei, eine bedarfsgerechte Flughafeninfrastruktur bereitzustellen. Nein, Herr Mehdorn, die Hauptaufgabe der Flughafengesellschaft ist es, das Chaos am BER zu beenden und einen funktionierenden Flughafen fertigzustellen.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Ich verstehe so langsam nicht mehr die immer neuen Gründe, die die Eröffnung des Flughafens verzögern. Wenn ich mir den zurzeit völlig überlasteten Airport Tegel ansehe, die lärmbelasteten Anwohner im Umfeld, dann frage ich mich, ob alle für den BER gemachten Auflagen komplett erfüllt sind. Oder drückt man hier einfach alle Augen zu, denn sonst hätte Berlin, zur unverständlichen Freude vieler, nur den völlig unzulänglichen alten Flughafen Schönefeld, mit all den unzulänglichen alten Auflagen. Herzlich willkommen in der Vergangenheit.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Volkes Wille wird von der Politik einfach ignoriert

Zu: „Keine Ruhe um 6 Uhr morgens“ vom 8. Mai

Besonders vor Wahlen sprechen Politiker gerne vom Souverän und unterstreichen, wie wichtig die Stimme jedes Bürgers ist. Geht es aber um die Umsetzung von Volkes Wille, spielt er kaum noch eine Rolle. An einer Nachtflugbeschränkung für den BER ist dies erneut zu beobachten. Obwohl der BER in Brandenburg liegt und der Wille der dortigen Bevölkerung somit das größte Gewicht haben müsste, werden deren Forderungen nach einem erweiterten Nachtflugverbot nicht einmal ernsthaft diskutiert.

Eberhard Stendel, per E-Mail

Mehr Mut bei Veränderung, und nicht alle Ideen gleich im Keim ersticken

Zum Artikel: „Die Abrechnung des Stararchitekten“ vom 16. Mai

Komisch, wir Deutschen sind Reiseweltmeister und berichten so gern begeistert vom Besuch des Empire State Building oder schwärmen von den Skylines Dubais oder Hongkongs. Aber sobald bei uns mal ein Haus die preußische Traufhöhe überragt, kochen die Gemüter hoch. Gerade der Alexanderplatz hätte durch Kollhoffs Entwurf so gewonnen: Statt der sozialistischen Nachkriegstristesse und Bretterbuden würde eine Skyline im Stile des New Yorker Rockefeller Center aufragen, Cafés und Restaurants würden zum Verweilen einladen. Der Alexanderplatz hätte einer der schönsten Plätze Berlins werden können. Ähnliches passiert jetzt in Tempelhof: Sonderbar, dass gerade junge Leute gegen den so dringend benötigten Wohnraum stimmen – und das, obwohl bei der geplanten Bebauung eine Fläche größer als der Tiergarten übrig bleibt. Vielleicht möchten nachfolgende Generationen auch gerne grün, zentral und verkehrsmäßig gut angebunden wohnen und nicht am Stadtrand. Vielleicht sollten wir mal wieder mehr Mut zu Veränderung und Neuem bekommen und nicht alle Ideen gleich im Keim ersticken.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh