Leserbriefe

„Neue Erfahrungen riskieren“

Leser zum gescheiterten Vorhaben, am Helmholtzplatz einen Monat lang nur Elektrofahrzeuge zuzulassen

Der autofreie Kiez ist eine Utopie, die von Theoretikern oder Ideologen am grünen Tisch oder in Hinterzimmern geplant wurde. Ein solches Projekt hat mit der Lebenswirklichkeit der Bürger nun überhaupt nichts zu tun. So etwas hätte abgesprochen werden müssen, denn ohne Bürgerbeteiligung und Akzeptanz geht es nicht.

Christoph Luban, per E-Mail

Da hat mal ein Politiker, Pankows Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne), eine Idee, eine Vision, die das einlösen könnte, was Berlin immer für sich beansprucht: Experimentierfreudig, Vorbild und Vorreiter für neue nachhaltige Entwicklungen zu sein. Im Ortsteil Prenzlauer Berg, der deutschlandweit die höchste Kinderdichte aufweist und in dem 70 Prozent der Bewohner rot oder grün wählen und sich für aufgeklärte Menschen halten. Wenn nicht dort, wo dann, könnte man einen Monat lang mal etwas ausprobieren – eine Stadt der Zukunft mit geräusch- und schadstofflosen E-Fahrzeugen. Einen Monat etwas Neues, Ungewohntes ausprobieren, sich mal nicht um Parkplätze kümmern und vor SUVs und Schwerlastern flüchten zu müssen. Aber natürlich tauchen die Bedenkenträger und Kleingeister aus ihren komfortablen Altbauwohnungen auf, zerreden, warnen vor Zwangsbeglückung und mahnen mal wieder Realismus und Mittelmaß an. Schließlich müsste man die Menschen „mitnehmen“. Wohin, sagt allerdings auch niemand. In die Vorstädte? Wo eine große Mehrheit im Einfamilienhaus mit Doppelgarage und zwei Pkw und biodynamisch angebautem Aktionsgemüse ein ökologisch und nachhaltiges Leben seit Jahren erfolglos ausprobiert? Mitten in Prenzlauer Berg hätte man die Chance gehabt, die Welt zu Gast zu haben, ihr zu zeigen, dass es hier den Mut zum Experiment gibt und die Bewohner eines der komfortabelsten Ortsteile der Welt bereit sind, auf Gewohntes zu verzichten und neue Erfahrungen zu riskieren.

Thomas Krüger, per E-Mail

Unterstützungen für Alleinerziehende sind viel zu gering

Zum Artikel: „Jedes dritte Berlin Kind lebt von Hartz IV“ vom 9. Mai

Es wird Zeit, dass der Mindestlohn mit 8,50Euro eingeführt wird. Notwendig wäre auch, dass Alleinerziehende einen Anspruch auf einen Kitaplatz haben, damit sie die Möglichkeit haben, zumindest stundenweise Arbeiten gehen zu können. Im Kampf gegen die Kinderarmut dürfte auch das Kindergeld nicht auf das Hartz-IV-Einkommen angerechnet werden und sie noch mehr steuerlich zu entlasten. Damit würde sich die finanzielle Situation der Alleinerziehenden deutlich verbessern.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Wer Taschengeld statt Lohn zahlt, sollte vom Markt verschwinden

Zum Artikel: „Dumpinglöhne im Dunkelfeld“ vom 9. Mai

Wir brauchen in Deutschland einen Konsens darüber, was ein menschenwürdiger und vor allem ökonomisch sinnvoller Lohn ist. Und das sind 2,83 Euro gewiss nicht, auch nicht sechs Euro, vermutlich nicht einmal der Mindestlohn von 8,50 Euro. Experten, die nicht aus den Kreisen der Unternehmer kommen, setzen gar zehn Euro an. Wer die in Vollzeit verdient, kann eine Wohnung mieten, Essen und Energie bezahlen und mal ins Kino und Theater gehen, also am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Unternehmer, gerade die von Klein- oder Handwerksbetrieben, ziehen das kaum in Betracht. Ihr einziger Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern ist oft nicht schnelle und exzellente Ausführung der Arbeiten, sondern die miese Bezahlung ihrer Mitarbeiter. Die angesprochenen Hungerlöhne müssten sozial geächtet und vor allem juristisch verfolgt werden. Ein Unternehmen, welches Taschengeld statt Lohn zahlt, sollte nach einer Abmahnung von Amts wegen aus dem Handelsregister gestrichen werden.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Sollten Politiker nicht einfach gute Politik machen?

Zum Artikel: „Möhrchen statt Mett“ vom 7. Mai

Natürlich ist es vorbildlich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel eine ärztlich empfohlene Gewichtsabnahme auch erfolgreich durchzieht. Trotzdem ist es verwunderlich, dass diese Meldung in einer Welt voll sehr ernster Probleme auf der ersten Seite einer Tageszeitung auftaucht. Sollten Politiker nicht einfach gute Politik machen?

Prof. Dr. Dagmar Schmauks, Tiergarten