Leserbriefe

„Bürger zweiter Klasse“

| Lesedauer: 4 Minuten

Leser zum gescheiterten Versuch Brandenburgs, das Nachtflugverbot am BER bis 6 Uhr zu verlängern

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sollte sich einmal in die Situation der vom Lärm betroffenen Brandenburger Nachbarn versetzen. Wäre er bereit, dort zu wohnen, wo die Nachtruhe des BER doch nur von Mitternacht bis 5 Uhr gelten soll? Insbesondere Kinder und alte Menschen, die den besonderen Schutz der Gesellschaft bekommen sollten, aber auch Menschen, die ihre Nachtruhe benötigen, damit sie wieder fit für den nächsten Arbeitstag sind, haben es einfach verdient, eine menschenwürdige Nachtruhe zu genießen. Der Berliner Senat und die Bezirksverwaltungen setzen sich immer stärker dafür ein, dass Gastronomiebetriebe in der Innenstadt und vor allem in den Szenekiezen das Bedürfnis der Anwohner nach ungestörter Nachtruhe akzeptieren. Warum billigt Wowereit den Brandenburgern nicht das gleiche Recht zu. Sind das Bürger zweiter Klasse?

Dieter Fath, Spandau

Noch vor Kurzem hätte ich jedem, der meint, den fast fertigen BER an einem anderen Standort als Schönefeld neu zu errichten, für verrückt erklärt. Nachdem sich der neue Hauptstadtflughafen aber immer mehr als Fass ohne Boden erweist, ohne dass ein Ende abzusehen ist, hat sich meine Meinung geändert. Vielleicht sollte man wirklich einmal darüber nachdenken, einen neuen Großflughafen in den immer mehr entvölkerten Randgebieten Brandenburgs zu errichten. Diese Chance wäre einmalig im sonst stark besiedelten Deutschland. Nicht nur Schönefeld ist von dichter Bebauung umgeben, auch Frankfurt, München oder Düsseldorf müssen sich immer mehr Nachtflugverboten und Betriebseinschränkungen unterwerfen. Dieser neue Flughafen müsste dann rund um die Uhr in Betrieb und mit mehreren Terminals und Start- und Landebahnen versehen sein sowie über einen Autobahnanschluss und gute Schnellbahnanbindungen verfügen, mit Kapazitäten für die nächsten 50 Jahre. So ließen sich neben der Lärmentlastung Hunderttausender auch in Zukunft viele Jobs in der Luftfahrt erhalten. Wahrscheinlich würde sich bei einer Neuplanung des Flughafens am Ende dieselbe Summe ergeben, die der BER bei seiner Eröffnung verschlungen haben wird.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Parlamentarier und Fraktionen wollen sich damit profilieren

Zum Artikel: „Die Snowden-Frage“ vom 9. Mai

Nun wird sich die Weltpolitik schon bald ein Jahr lang mit der Spionageaffäre, ausgelöst durch den Ex-NSA-Mann Edward Snowden, beschäftigt haben. Immerhin muss sich Snowden bewusst gewesen sein, dass er aus Sicht der USA ein Landesverräter ist. Das große Umdenken der Geheimdienste bezüglich ihrer Aktivitäten hat nicht nur in den USA begonnen, wofür auch Snowden zu danken ist. Auch Hans-Christian Ströbele ist für seine Bemühungen zur Wahrheitsfindung zu danken. Die anfängliche Hysterie über ein mögliches millionenfaches Abhören privater Telefongespräche ist – ebenso wie das Interesse für diese Problematik – bei vielen Bürgern in den Hintergrund gerückt.

Nun werden wir informiert, dass die Fraktionen des NSA-Untersuchungsausschusses unterschiedliche Positionen beziehen, vor allem zu einer Anhörung von Snowden, möglichst in Berlin. Was nützen auch die angekündigten Anhörungen hochrangiger deutscher Politiker vor dem NSA-Untersuchungsausschuss, um Schuldzuweisungen für Vergangenes zu finden. Wollen sich damit Parlamentarier und Fraktionen besonders profilieren? Haben die Parlamentarier nicht genügend andere Probleme, die es im Interesse der Bürger zu lösen gilt?

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Jeder Bratwurststand wird wohl öfter kontrolliert als McDonald’s

Nach Wallraff-Bericht meiden Kunden die Burger-King-Filialen vom 9. Mai

Fast Food ist billiger Junk-Food, wie mal wieder die Berichte über erneute Hygienemängel bei einem der Schnell-Imbiss-Ketten gezeigt haben. Jeder Bratwurststand in Deutschland wird vermutlich öfter und sorgfältiger von der Lebensmittelkontrolle begutachtet als McDonald’s und Burger King zusammen.

Albert Alten, per E-Mail

Der beste Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz in Deutschland sind weder die deutschen Gesetze noch die deutschen Behörden, sondern der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff. Bei Burger King wurde bereits umgehend reagiert und aufgeräumt. Deutschland braucht mehr Wallraffs, dann besteht noch Hoffnung, dass sich hierzulande etwas zum Positiven hin verändern kann.

Roland Klose, per E-Mail