Leserbriefe

„Ausbaumodule schnell aktivieren“

Leser zu den Problemen bei der Fertigstellung des BER und den befürchteten Kapazitätsengpässen

Die sogenannten Fachleute wissen eigentlich gar nicht, wie viele Gepäckbänder sie am Flughafen BER benötigen. Wenn ein Mitarbeiter einen Maulkorb zum Thema Brandschutz missachtet, wird er rausgeschmissen. Die Gesamtkapazität des künftigen Flughafens ist schon heute längst nicht ausreichend. Aber die Luft- und Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung, Brigitte Zypries, schlägt schon mal ab dem immer noch nicht bekannten Eröffnungstermin Nachtflüge light mit relativ leisen Maschinen vor. Na prima! Die Betroffenen werden relativ besser schlafen, nachdem sie schon am Tag Nerven gelassen haben. Wann kommt der Politiker, der den Mut aufbringt, aus dieser gigantischen Fehlplanung mit dilettantischer Umsetzung auszusteigen, in Sperenberg in wenigen Jahren ein sauberes Projekt kompetent durchziehen zu lassen und aus dem BER-Gelände einen ideal an Bahn und Straße angebundenen Industrie- und Logistikstandort zu machen?

Michael Milz, Lichtenrade

Dass die für das Hauptterminal geplante Passagierzahl bereits jetzt erreicht und bis zur Eröffnung wohl deutlich überschritten sein wird, ist doch eigentlich toll. Es spricht für die positive Entwicklung des Flugverkehrs in Berlin und damit für die Zukunft des BER. In der Planung für den BER sind für den Fall wachsender Passagierzahlen zwei zusätzliche Ausbaumodule westlich des Hauptterminals vorgesehen, eins vor dem Tower, das zweite dahinter. Statt nun zu jammern und zu klagen, sollte man endlich anfangen, das erste dieser beiden Module konkret zu planen, zu beschließen und schnellstmöglich mit seinem Bau zu beginnen. Dazu müsste sofort mit dem Bau des Verbindungstunnels zwischen dem Hauptterminal und dem Modul unter dem Vorfeld gestartet werden, was derzeit mangels Betriebs auf dem Vorfeld leichter durchzuführen ist als später nach Aufnahme des Flugbetriebs am Hauptterminal. Man hatte vor Jahren den vorsorglichen Rohbau dieses Tunnels zurückgestellt – sinnigerweise um Kosten zu sparen. Für die Zeit bis zur Fertigstellung des ersten Ausbaumoduls ist die weitere Nutzung des bisherigen SXF-Terminals sicherlich sinnvoll, um die wachsenden Passagierzahlen aufzufangen.

Harro Prior, Potsdam-Babelsberg

Bei der umfangreichen Diskussion über die Auslastung des Flughafens BER wurde die Frage des Flugzeugtreibstoffs bisher völlig ignoriert. Das Ende des Erdölzeitalters steht aber bekanntlich vor der Tür. Bereits in 20 Jahren dürfte Kerosin knapp und teuer sein. Die Zahl der Menschen auf der Erde wird dann bei etwa neun Milliarden liegen, was den Erdölverbrauch weiter beschleunigen wird. Alternative Treibstoffe für Flugzeuge sind bisher nicht in Sicht. Elektroantrieb scheitert an brauchbaren leichten Batterien. Pflanzenöle sind keine Alternative. Bleibt nur der Wasserstoff. Die Forschung auf diesem Gebiet wurde aber in Deutschland, wie man von Fachleuten hört, vor mehr als zehn Jahren weitgehend eingestellt. Möglicherweise wird der Flughafen BER dann aufgrund des teuren Treibstoffs zu einer gigantischen Investitionsruine.

Dr. Joachim R. Walther, per E-Mail

Jede Metropole wie etwa London oder New York hat einen zentralen und mehrere dezentrale Flughäfen, so auch Berlin bis zur Schließung der Flughäfen Tempelhof und Gatow. Jede Großstadt muss entsprechende Verkehrsanbindungen haben, um die Erreichbarkeit sicherzustellen. Es war deshalb ein grundsätzlicher Fehler der Politik, den zentralen Flughafen Tempelhof und auch Gatow zu schließen beziehungsweise Tegel schließen zu wollen. Dies gilt insbesondere für den Flughafen Tempelhof, der durch Bebauung zementiert niemals wieder eröffnet werden soll. Zur Entlastung des Flugverkehrs wäre eine bedarfsgerechte Verteilung auf mehrere Flughäfen notwendig, sodass auch Schönefeld jetzt nicht erweitert zu werden bräuchte. Den gleichen Fehler hat auch die Bundesbahn gemacht, in dem sie den zentralen Bahnhof Zoo nicht an den Fernverkehr angebunden hat. Die Berliner Bevölkerung hat seit Jahren die Lärmbelästigung durch den Flugverkehr hingenommen. Die Lärmbelästigung nimmt bei Verteilung entsprechend ab. Bei fortschreitender Technik kann die Lärmbelästigung durch den Flugverkehr vielleicht abgestellt werden. Dies geschieht gegenwärtig durch Elektrifizierung des Lande- und Startverkehrs schon, in dem für den Rollverkehr Elektromotoren in die Radläufer eingebaut werden. Was macht die Politik, wenn durch Solartechnik die Lärmbelästigung durch den Flugverkehr abgestellt werden kann und dann alle Flughäfen bebaut sind?

Gottfried Hecht, per E-Mail