Leserbriefe

„Rentenbeginn flexibel gestalten“

Leser zur Forderung von EU-Kommissar Oettinger, mit 70 Jahren in den Ruhestand zu gehen

Dass es an Fachkräften mangeln wird, weiß man schon seit Jahren. Es rächt sich nun, das Problem nicht eher angepackt zu haben. Nun sollen die Alten den Karren aus dem Dreck ziehen. Die Bundesregierung sollte dafür sorgen, dass ordentliche Arbeitslöhne gezahlt werden, damit Zweit- und Drittjobs zur Sicherung des finanziellen Lebensabend entfallen können. Raffgier beherrscht heute weitgehend die Wirtschaft. Wer 45 Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, sollte auch mit 63 Lebensjahren ohne Abzug in Rente gehen können – und nur der.

Wolf-Dietrich Braun, per E-Mail

Alle über einen Kamm zu scheren, kann doch nicht der richtige Weg sein, in einer Gesellschaft, deren Altersstruktur sich rapide ändert. Wir haben ein völlig veraltetes Rentensystem. Warum soll eine Fachkraft oder ein Professor mit 63 in Rente (Pension) gehen. Diese Leute werden doch gebraucht. Vielerorts zum alten Eisen abgestempelt, gehen so wertvolle Erfahrungen verloren. Dabei fehlt es schon heute an Lehrern und Fachkräften in Schule, Hochschule und Unternehmen. Ich kenne Ingenieure und Wissenschaftler, die sogar mit 55 Jahren vom Staat zwangsweise in Rente geschickt wurden. Obwohl sie arbeiten wollten und konnten. Solange hier in der Politik kein Umdenken stattfindet, wird sich an der Sache nichts bessern.

Christoph Luban, per E-Mail

Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mit dem Hinweis auf die zunehmende soziale Spaltung in Deutschland überrascht nicht wirklich. Immer mehr Menschen können von ihrer Arbeit nicht mehr menschenwürdig leben, Langzeitarbeitslose finden immer seltener einen Job und Minijobs sowie unterbezahlte Zeit- und Leiharbeit dominieren den deutschen Arbeitsmarkt. Selbst die tickende Zeitbombe Altersarmut nimmt die CDU/SPD-Bundesregierung tatenlos zu Kenntnis. Das zunehmende Armutsproblem für immer mehr Menschen hierzulande könnte in wenigen Jahren dazu führen, dass unsere Gesellschaft den Zusammenhalt verliert und uns der soziale Rechtsstaat Deutschland samt Parteiendemokratie um die Ohren fliegt. In keinem Land Europas ist die Schere zwischen Arm und Reich in den letzten Jahren so weit auseinandergegangen wie in Deutschland.

Albert Alten, per E-Mail

Es gibt gute Ideen, die sich nur freiwillig durchsetzen lassen. Sogar der Kommunismus ist so eine und eventuell auch die eines späteren Renteneintritts für schwer ersetzbare Fachleute. Aber niemandem ist durch eine zwangsweise Einführung gedient. Unser Land krankt an Überregulierung. Macht den Älteren gute Angebote für altersgerechten Arbeitseinsatz und seht, wer gerne bleibt.

Heide Binner, per E-Mail

Hauseigentümer würden Ausgaben auf die Mieten umlegen

Zum Artikel : „Händler für Zwangsabgabe“ vom 23. April

Da wollen sich einige Abgeordnete wohl mal wieder mit „tollen“ Ideen profilieren. Nur denken sie anscheinend nicht weiter, als bis zu den Blumenkübeln. Eine Zwangsabgabe würde die Hauseigentümer nur dazu bringen, dieselbe auf die Miete abzuwälzen, was logischerweise zu einer Erhöhung führt. Wollen die Abgeordneten das? Die Unterhaltung und Pflege des öffentlichen Straßenlandes ist zudem Aufgabe der Verwaltung, da wird doch wohl für etwas Verschönerung Geld aus dem riesigen Steuertopf übrig sein. Diese Idee und viele andere bisherigen auch haben immer zu einer Erhöhung der Lebenshaltungskosten für die Bürger geführt, egal welche Partei an der Regierung ist.

Horst Eckert, per E-Mail

Rechtsfreie Räume in der Stadt

Zum Artikel: „Abmarsch am Brandenburger Tor“ vom 26. April

Mit Erstaunen muss man lesen, was man sich alles einfallen lässt, um die „Kleindarsteller“ am Brandenburger Tor zu vertreiben. Da werden Knöllchen verteilt, und es kann bis zu einem Ordnungsgeld von 1000 Euro kommen, wenn die „Darsteller“ öfters angetroffen werden. Das Ordnungsamt hat für diese Aktionen überhängendes Personal rekrutiert, damit die vorgeschriebenen Verbote eingehalten werden. Was ist denn mit den Straßen und Plätzen, an denen rund um die Uhr Drogen und Zigaretten feilgeboten werden? Für diese Probleme steht weder die Polizei noch das Ordnungsamt in ausreichendem Maße zur Verfügung. Entgegen der Behauptungen von Politik und Polizei gibt es in unserer Stadt rechtsfreie Räume.

Lothar Wirth, per E-Mail