Leserbriefe

„Die Außenpolitik ist gescheitert“

Leser zu den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der Ukraine und Militäreinsätzen im Osten des Landes

Machen wir uns nichts vor. Die Ukraine steckt mitten in einem Bürgerkrieg. Was soll man sonst dazu sagen, wenn sich militante Kräfte und Bürger wie im Mittelalter gegenseitig mit Knüppeln bekämpfen. Wir sollten uns nicht als Träumer und Weltverbesserer aufspielen. Europa steht vor einer schweren Krise, mitten im Kalten Krieg. Ob Sanktionen da noch nützen, ist zu bezweifeln. Wenn man sich diese Gewalt in der Ostukraine anschaut, dürfen auch militärische Optionen nicht ausgeschlossen werden. Auf die Beilegung dieses Konflikts müssen wir unsere Politik konzentrieren, damit Friede einkehrt. Danach können wir uns wieder um andere Dinge kümmern.

Christoph Luban, per E-Mail

Die Ukraine ist ein selbstständiger Staat. Die militärisch ausgerüsteten Milizen in der Ostukraine haben mit Demonstranten im eigentlichen Sinne nichts zu tun. Es geht Putin und den von ihm geschickten Männern um nichts anderes, als die Situation in der östlichen Ukraine zu destabilisieren und dadurch eine Teilung des Landes zu erreichen. Putin und sein Außenminister sind verlogen, sie verdrehen die Fakten zur aktuelle Situation in der Ukraine. Natürlich sind ukrainische Soldaten berechtigt, das Land gegen eingedrungene russische Paramilitärs zu verteidigen. Denn auch im Völkerrecht gibt es den Begriff der Notwehr. Bedenklich war in den vergangenen Wochen, dass es sogar in Deutschland eine Reihe einflussreicher Menschen gab, die das Verhalten der Russen um Putin verharmlost oder sogar verteidigt haben.

Frank Hoffmann, Dahlem

Die Bundesregierung sollte nicht unentwegt neue Vorwürfe gegen Russland erheben und den Ukraine-Konflikt mit einseitigen Schuldzuweisungen zu deuten versuchen. Jahrelang haben sich die Europäische Union, die Nato und nicht zuletzt die USA in die inneren Angelegenheiten dieses osteuropäischen Staates eingemischt. Auch die Anmerkung von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), Russland sei bereit, Panzer über europäische Grenzen rollen zu lassen, ist wenig hilfreich und schürt nur das Freund-Feind-Denken. Die Außenpolitik der Bundesregierung im Ukraine-Konflikt ist genauso gescheitert wie die der EU und der USA.

Albert Alten, per E-Mail

Bei dem Deal mit den Saudis geht es einzig ums Geld

Zum Artikel: „Die Scheichs bekommen keine deutschen Panzer“ vom 14. April

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wird wohl das lukrative Kampfpanzergeschäft mit Saudi-Arabien platzen lassen. Damit bewahrt er die große Koalition vor großen moralischen Verwerfungen.

Ronald Frede,per E-Mail

Wer würde schon einem Brandstifter sein Feuerzeug leihen? Und doch wollen bestimmte Kreise innerhalb der Regierung den Panzerdeal mit Saudi-Arabien durchziehen. Rüstungskäufe sind zugegebenermaßen für manche Staaten überlebenswichtig, wie etwa für Israel. Denn während es bei den meisten Staaten schon von der Landesgröße her eine gewisse Vorwarnzeit gibt, stünden die Feinde Israels mit ihren Angriffen sofort im Wohnzimmer, weshalb ein hohes Maß an Abschreckung und die Gefahr eines israelischen Gegenschlags seine Feinde bislang von einem Vernichtungsschlag abgehalten haben. Dorthin U-Boote zu liefern ist nicht nur legitim, sondern dringend geboten, wo hingegen Saudi Arabien mal soeben seine Panzer in einen Nachbarstaat zur Unterdrückung demokratischer Bestrebungen rollen lässt. Wer kann ausschließen, dass saudische Waffen einmal gegen Israel eingesetzt werden? Bei dem Deal mit den Saudis geht es einzig ums Geld, denn sie werden weder akut bedroht noch möchte irgendein Mullah sie auslöschen, wie das jedoch bei Israel der Fall ist. Dessen Marine hat erst vor wenigen Tagen ein von Waffen starrendes iranisches Schmugglerboot abfangen können. Nicht auszudenken, wenn dieses Waffenarsenal in die Hände der Hamas gelangt wäre.

Joachim Kretschmann, per E-Mail

Nur ein vermeintlich attraktives Angebot

Zum Artikel: „Vom Zoo ab in den Norden“ v. 14. April

Alle lobpreisen die neue, scheinbar billige Bahnverbindung von Berlin nach Hamburg. Man sollte wissen, dass der Zug zu unmöglichen Zeiten fährt und mehr als 30 Minuten länger als ein Bus unterwegs ist. Im Bus hat man eine Sitzplatzgarantie, was bei der Bahn noch einmal neunEuro für Hin- und Rückfahrt kostet. Was ist nun der viel gepriesene Vorteil, dass der Zug auch am Bahnhof Zoo hält?

Uwe Schmidt, Friedenau