Leserbriefe

„Nur ein Dankeschön“

Leser zu der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an die ehemalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan (CDU), durch die Universität Lübeck ist zu diesem Zeitpunkt ein Treppenwitz. Der wissenschaftliche Doktorgrad wurde ihr – vom Gericht gerade erst bestätigt – aberkannt. Und nun dieser Lapsus der Universität Lübeck. Frau Schavan hat die Ehrung nicht auf Grund einer besonderen wissenschaftlichen Leistung erhalten, sondern dafür, dass sie für die Universität Lübeck einst Bundesmittel locker gemacht hat. Folglich hat also der finanzielle Aspekt offenbar gereicht, um damit die Ehrung in Würdigung ihrer besonderen Verdienste um die Wissenschaft zu begründen. So kann man akademische Grade in Misskredit bringen. Wäre es nicht viel treffender gewesen, die medizinische Bibliothek der Uni Lübeck nach Annette Schavan zu benennen und auf die Doktorehrung zu verzichten, die ohnehin in den Medien nur als „Doktor-Dankeschön“ bezeichnet wird.

Dr. Hans-Dieter Seul, Lichterfelde

Die Entwertung, ja die Verhöhnung akademischer Titel schreitet anscheinend unaufhaltsam voran – ob nun honoris causa oder auf Grund wissenschaftlicher Leistungen. Da wird heftig diskutiert – und demnächst vermutlich positiv entschieden – ob Fachhochschulen einen Doktorgrad verleihen dürfen. Da erfährt man, dass ein Bundesminister (ob mit oder ohne Plagiat) mit einer Arbeit promoviert wurde, deren Titel höchstens den Anspruch an eine gehobene Seminararbeit vermuten lässt, und da will sich eine medizinische Fakultät partout mit einem Ehrendoktortitel dafür bedanken, dass eine ohnehin einschlägig vorbelastete Ex-Ministerin sie einst mit Mitteln aus ihrem Haushalt bedacht hat. Und der Doktortitel eines Staatssekretärs wird trotz „erheblichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ nicht aberkannt. Mein Vorschlag: Ähnlich, wie ein Bundespräsident zum Amtsantritt das Bundesverdienstkreuz erhält, wird allen Mitgliedern des Bundeskabinetts im Rahmen der Vereidigung die Ehrendoktorwürde einer hinreichend willfährigen Universität verliehen. Dann wäre Ruhe.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Die Hertha 2014 macht keinen Spaß mehr

Zum Artikel: „Hertha ist nur noch Punktelieferant“ vom 14. April

Leider fehlt den Spielern von Hertha BSC seit geraumer Zeit jeglicher Siegeswille. 90 Minuten Schlafwagenfußball sind an der Tagesordnung. Da gibt man sich wie in der Vorwoche auch schon mal mit einem am Ende glücklichen Punkt gegen Hoffenheim zufrieden. Die Aussagen, wie viel man ja als Aufsteiger in der Hinrunde erreicht habe verbunden mit dem Hinweis, dass sich Hertha Europa nicht leisten kann, hat den Spielern offenbar die Alibis geliefert, das nötige Engagement zu verweigern. Auch wenn die Aussagen in der Sache richtig gewesen sind, waren sie ein falsches Signal an die Spieler. Leider fällt offenbar auch Jos Luhukay, den ich im Grunde für einen ausgezeichneten Trainer halte, nicht mehr viel ein. In jedem Fall hat man es wieder einmal geschafft, das mühsam aufgebaute Vertrauen mit einer desaströsen Rückrunde zu zerstören. Auch wenn der Klassenerhalt wohl gelingt, hat sich Hertha BSC zum ersten Abstiegskandidaten für die kommende Saison entwickelt. Die Hertha 2014 macht jedenfalls keinen Spaß mehr.

Horst Lähn, per E-Mail

Es kann doch nicht wahr sein, dass eine Mannschaft, die in der Hinrunde einen begeisternden Fußball gespielt hat, nun fortwährend grottenschlechte Spiele abliefert. Entweder hat der Trainer sein Pulver schon verschossen oder was noch schlimmer ist, die Mannschaft nimmt den Trainer nicht mehr ernst. Hier ist ein schnelles Handeln nötig, sonst gibt sich Hertha bundesweit der Lächerlichkeit preis.

H. Koßmann, Rudow

Ideenreichtum sollte bei der Europawahl honoriert werden

Zum Artikel: „EU will Kaffeemaschinen kalt stellen“ vom 14. April

Es verwundert doch immer wieder, wie wenig sensibilisiert Politiker und in diesem Fall die EU-Beamten sind. Nach dem Glühlampenverbot und der Leistungsbeschränkung für Staubsauger sind es nun die Kaffeemaschinen, die kurz vor den EU-Wahlen kalt gestellt werden sollen. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Waren es früher Bananen und Gurken, sind es nun die Elektrogeräte, die von den Bürokraten der EU aufs Korn genommen werden. Die EU-Bürokratie in Brüssel fühlt sich sehr sicher. Ich kann nur hoffen, dass der Wähler diesen Ideenreichtum entsprechend honoriert.

Otto Effenberger, Marienfelde