Leserbriefe

„Kultur statt Shoppingmall“

Leser zu der Schließung des ICC in Charlottenburg und zu Plänen für dessen Nachnutzung

Nach jahrelanger Diskussion um die weitere Nutzung des ICC-Gebäudes kommt jetzt erst einmal – nichts. Die Ideenlosigkeit der Stadtplaner ist leider wieder einmal beispiellos. Sehr häufig wurde zuletzt die Idee geäußert, das Gebäude in ein riesiges Shoppingcenter umzuwandeln. Diese Pläne werden im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nicht favorisiert, da dies die Einkaufsfußgängerzone am S-Bahnhof Charlottenburg kannibalisieren würde. Dennoch fehlt ein alternatives, sinnvolles Nutzungskonzept für das ICC. Dabei könnte der Senat mit dem ICC einen Trumpf in die Hände bekommen, den er in einem anderen Entwicklungsprojekt ausspielen könnte: beim Streit um die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Das Architekturbüro Jürgen Engel Architekten hat bereits vor Jahren eine Umgestaltung des ICC zur Zentralen Landesbibliothek vorgeschlagen. Wowereit will dafür aber einen Neubau auf dem Tempelhofer Feld errichten. Dieser Neubau ist einer der Hauptkritikpunkte der Bebauungsgegner. Bei einer Weiternutzung des ICC als Landesbibliothek könnte der Senat den Bebauungsgegnern des Feldes sowie den Fraktionen der Grünen und der Linken entgegenkommen und ihnen einen Kompromissvorschlag machen: ausschließliche Bebauung des Tempelhofer Feldes mit dringend benötigten Wohnungen, aber ohne die raumgreifende Landesbibliothek.

Björn Leffler, per E-Mail

Es fügt sich glücklich, dass in derselben Ausgabe der Morgenpost einerseits über ein neues innovatives Nutzungskonzept für das bereits politisch aufgegebene ICC berichtet wird, andererseits sich die Reichsstraße in Westend mit ihrer Handels- und Gastronomieszene attraktiv präsentiert. Jeder Politiker und besonders die Wirtschaftsverwaltung sollte bedenken, dass die vielfältige Mischung aus überwiegend inhabergeführten Fachgeschäften und Gaststätten extrem gefährdet ist, wenn auch noch im ICC ein überdimensionales Einkaufszentrum entsteht. Insofern ist es richtig, bei der künftigen Nutzung dieses architektonisch weltweit angesehenen Gebäudes auf Kultur statt Shoppingmall zu setzen. Das neue Konzept ließe sich noch um die in Tempelhof geplante Landesbibliothek ergänzen.

Dieter Puhlmann, Zehlendorf

Wenn man mit einer Sache nicht umgehen kann, wird sie schlechtgeredet und dann endgültig durch fragwürdige Entscheidungen entsorgt. So war es schon mit dem Flughafen Tempelhof und der Deutschlandhalle. Erst kam das ungeliebte Denkmal weg (rostet angeblich irgendwo auf dem Messegelände dahin), dann eine angebliche Asbestverseuchung mit vielen Gutachten, bis man feststellt, es gibt gar kein Asbest im ICC. Die Wahrheit ist doch, dass die Messe Berlin mit dem Ungetüm nicht zurechtkommt, überfordert ist und die Stadt seit Jahren nicht den enormen Nutzen für Berlin sieht. Das ICC war als Kongresshalle geplant, und so soll es auch bleiben. Alles andere ist Unsinn.

Herrmann Windler, per E-Mail

Im ICC wurde ein Stück Berliner Geschichte geschrieben. Auch heute erfüllt das großzügig und geräumig gestaltete Zentrum (etwa als Tagungsort oder Bildungszentrum) voll und ganz seinen Zweck. Man muss nicht überall Konsumpaläste, Nobelherbergen und Shoppingcenter haben, von denen es am nahen Kurfürstendamm wahrlich schon genug gibt. Man kann nur hoffen, dass dem Projekt nicht das gleiche Schicksal widerfährt wie dem Flughafen Tempelhof. Das ICC gehört zu Berlin. Der Senat wäre gut beraten, sich etwas einfallen zu lassen. Wie kann man nur so ideenlos mit der Geschichte umgehen?

Christian Lukner, per E-Mail

Unter Einsatz des eigenen Lebens

Zum Artikel: „Deutsche Kriegsfotografin erschossen“ vom 5. April

Der Terror in Afghanistan nimmt kein Ende. Was wird erst, wenn der Nato-Kampfeinsatz in diesem Land beendet sein wird und die letzten noch verbliebenen Truppen abgezogen sind? Nun wurde die weltweit bekannte deutsche Kriegsreporterin und Fotografin Anja Niedringhaus von einem afghanischen Polizisten erschossen. Auch wenn die Gefahren allen in Krisengebieten tätigen Journalisten, Reportern und anderen Medienvertretern bekannt sind, muss die Frage gestellt werden, ob eben diese gefährlichen Einsätze gerechtfertigt und nötig sind. Müssen wir Fernsehzuschauer jeden Abend mit Fernsehaufnahmen über die Kriegsschauplätze überschüttet werden? Sicher ist eine Berichterstattung aus den internationalen Krisenherden wichtig und erforderlich, aber eben nicht, wenn die Berichterstatter ständigen Gefahren, vor allem auch und unter Einsatz ihres Lebens, ausgesetzt sind.

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg