Leserbriefe

„Kurzsichtige Personalpolitik“

Leser zum besonders hohen Krankenstand unter den Beschäftigten im öffentlichen Dienst Berlins

Der Krankenstand im öffentlichen Dienst zeigt, wie kurzsichtig in der Stadt Personalpolitik betrieben wird. Dabei kann man sich doch ausrechnen, dass Beamte im hohen Alter häufiger das Handtuch werfen müssen als junge Angestellte. Das ist erst einmal eine natürliche Folge des Alterns. Hinzu kommen dann noch die Überlastungen wegen wegrationalisierter Arbeitsstellen. Fehlt nur noch, dass die Lebensarbeitszeit verlängert wird beziehungsweise die Arbeitszeit überhaupt, um keine jungen Leute einstellen zu müssen. Fortschritt im Sinne von mehr Lebensqualität sieht anders aus. Es wird höchste Zeit, für gut ausgebildeten Beamten-Nachwuchs zu sorgen.

Hans-Jürgen Rohrscheidt, Charlottenburg

Der hohe Krankenstand in der Berliner Verwaltung rührt nicht nur von der schlechten Bezahlung, sondern daher, dass wegen Personalmangels das Arbeitsklima überall sehr schlecht ist. Kommt man aus dem Urlaub oder aus der Krankheit zurück, stapeln sich die unerledigten Vorgänge. Das führt langfristig zu einer weiteren Überlastung. Neueinsteiger werden sofort eingesetzt und der Ausbilder hat zu seinem Arbeitsgebiet auch noch die zusätzliche Belastung der Ausbildung. Das Problem wird sich mit dem zunehmenden Einsatz von Seiteneinsteigern noch verstärken, die das ABC der Verwaltung zusätzlich vermittelt bekommen müssen.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Der Report analysiert die Daten zur Arbeitsunfähigkeit aller bei der DAK-Gesundheit versicherten Berufstätigen. Beamtinnen und Beamte sind in der Regel Mitglied einer privaten Krankenkasse. Der Anteil der freiwillig Versicherten in der DAK im Beamtenverhältnis dürfte aller Erfahrung nach äußerst gering sein. Es ist daher die Annahme berechtigt, dass die Angaben zur Branche „Öffentliche Verwaltung“ sich fast ausschließlich auf Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst im weitesten Sinne beziehen. Die provokativ getroffene Aussage, wonach Beamtinnen und Beamte besonders auffällig häufig krank sind, trifft also nicht zu.

Joachim Jetschmann, Wilmersdorf

Landesbibliothek ins ICC statt auf das Tempelhofer Feld

Zum Artikel: „Senats-Studie: Shopping-Meile kann ICC retten“ vom 29. März

Die vom Senat errechneten Sanierungskosten in geschätzter Höhe von rund 400 Millionen Euro fürs ICC sind tragbar – für die Integration der Landesbibliothek. Nach heutigen Schätzungen soll die Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld 350 Millionen Euro kosten. Die jahrelangen Sparrunden und Fehlplanungen des Senats haben dafür gesorgt, dass so einige Gebäude zu Ruinen verkommen, will man die alle verkaufen oder abreißen? Die Landesbibliothek gehört ins ICC und nicht als „Wowereits Gedächtnisbibliothek“ aufs Tempelhofer Feld.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Hohe Nebenkosten führten zu Mietsteigerungen

Zum Artikel: „Wie viel Sanierung verträgt Berlin?“ vom 28. März

Der größte Teil der Mietsteigerungen ist in der Kostensteigerung der Nebenkosten begründet. Die reinen Grundkostensteigerungen haben daran nur einen geringen Anteil. Der Senat hat es jahrzehntelang versäumt, das private Wohnungseigentum zu fördern. Stattdessen wurde nur der Eigenheimbau gefördert. Man war und ist heute noch stolz darauf, dass Berlin eine Mieterstadt ist. So ein Schwachsinn. Und zu den Sanierungen: Warum soll es zum Beispiel keine Fußbodenheizungen geben? Die Grünen sollen sich am besten wieder eine Ofenheizung in ihre Wohnung einbauen lassen. Die Vermieter müssen auch gewisse Erträge erwirtschaften, um die Substanz der Häuser zu erhalten.

Arno Impe, Rudow

Kaum Chance auf ein gutes Leben in Rumänien und Bulgarien

Zum Artikel: „Kurze Leine für Zuwanderer“ vom 27. März

Es ziehen nicht Sinti und Roma nach Deutschland, wie es immer heißt. Sinti sind seit Jahrhunderten in der deutschen Gesellschaft integriert. Aus Bulgarien und Rumänien kommen die Ärmsten der Roma nach Deutschland. Da gibt es Probleme, da muss man eine Lösung finden. Die Menschen kommen, weil sie in Bulgarien oder Rumänien keine Chance auf ein gutes Leben bekommen. Sie haben nach der Wende ihre Arbeit und ihr Zuhause verloren. Ein Sozialsystem gab es nicht. Ein Doktor verdient in Bulgarien etwa 200 Euro, wovon lebt da jemand, der keinen Job hat? Nur ein Bruchteil bezieht Hartz IV. Das ist die gute Nachricht.

Hilmar Misch, per E-Mail