Leserbriefe

„Willkür in den Jobcentern“

Leser zur sogenannten Hartz-IV-Rebellin, die alle Sanktionen gegen Arbeitslose abschaffen will

Mein Arbeitgeber fordert von mir gegen Entgelt Leistung, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ein. Wenn ich diese grundlegenden Forderungen nicht erbringe, wird man mir irgendwann als Sanktion nicht nur die Bezüge kürzen, sondern den Arbeitsvertrag kündigen. Warum soll also an Menschen, die von Hartz IV leben, nicht auch Forderungen gestellt werden? Wer kein Interesse zeigt, Termine wahrzunehmen, Forderungen der Arbeitsagentur nicht erfüllt, oder so gar keine Lust an Arbeit hat, gehört ebenso sanktioniert, wie jeder Arbeitnehmer, der seinen Pflichten nicht nachkommt.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Wer als Arbeitsloser hierzulande das Pech hat, in die Hartz-IV-Falle der lokalen Jobcenter und Argen zu tappen, kann aufgrund der Hartz-Gesetze durch Sanktionen und Leistungskürzen von einem Tag auf den anderen in existenzielle Not bis hin zur Obdachlosigkeit geraten. Fast schon menschenverachtend ist die Tatsache, dass Hartz-IV-Empfänger, denen man die kargen 391 Euro im Monat ersatzlos kürzt, auch nicht mehr krankenversichert sind. Hartz-Gesetze waren arbeitsmarktpolitisch schon immer sinnlos. Doch selbst für Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist es ein willkommenes Straf- und Sanktionsmittel für die Ärmsten der Armen.

Albert Alten, per E-Mail

Ich bin der Meinung, Sanktionen müssen schon sein, damit Hartz-IV-Empfänger lernen, sich an Regeln zu halten, die ja auch im Berufsleben bestehen. Frau Hannemann sollte die Willkür anprangern, die in den Jobcentern ausgeübt wird. Darunter fallen Sanktionen, aber auch Bewilligungsbescheide. Es kann nicht angehen, dass ein Sachbearbeiter die Leistung für die Aufstockung ablehnt mit der Begründung, es bestehe kein Bedarf. In dem vorliegenden Fall hatte ein so genannter Aufstocker zweimal etwas mehr verdient als der errechnete Bedarfssatz. Dieser höhere Verdienst entstand durch die Möglichkeit, Überstunden zu machen. Dass für diese Monate kein Bedarf entstand, ist klar. Um sich für die Zukunft die monatliche Berechnung zu sparen, hat dieser Sachbearbeiter des Jobcenters eine Berechnung erstellt, in dem er das Einkommen der letzten, natürlich auch die höher bezahlten Monate, als Querschnitt nahm und nun lag der Aufstocker mit 20 Euro über dem monatlichen Bedarfssatz und es kam der Bescheid: kein Bedarf da über dem Bedarfssatz. In den Folgemonaten lag der Verdienst erheblich unter dem Bedarfssatz.

Marianne Girbig, Mitte

Volksabstimmung soll mit allen Mitteln verhindert werden

Zum Artikel: „Tempelhofer Feld: Weiter Ringen um Gesetzentwurf“ vom 17. März

Wieder einmal ist die Politik erwacht und versucht mit allen Mitteln die anstehende Volksabstimmung zu verhindern. Das wird nicht gelingen, genauso wenig wie bei Strom und Wasser. Es ist enttäuschend mit welchen Bagatellen sich heute die gewählten Vertreter beschäftigen, anstatt wie früher die wirklichen Probleme der Bevölkerung zu lösen.

Regina Kröning, Spandau

Immer mehr Sehnsucht nach einem Fleckchen Erde

Zum Artikel: „Wir sind Ackerhelden“ vom 17. März

„Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt“ – ein Lied wie geschaffen für die künftigen Landwirte der Stadt, auch wenn sie für ihre gepachteten Flächen ohne Pferdestärken auskommen (noch)! Mit der uns Berlinern gemäßen großstädtischen Arroganz habe ich die Schlagzeile des Artikels über die „Neue Lust am Ackern“ zunächst gelesen. Nach und nach dämmerte es mir dann aber doch, dass hinter diesem Wunsch und der Möglichkeit, ein eigenes Feld zu beackern allerhand steckt. Wir sehnen uns – neben der Aussicht auf eine ertragreiche Ernte geschmacksintensiven Bio-Gemüses – offenbar immer mehr nach dem Fleckchen Erde, auf das wir einwirken können. Ich bin überredet!

Bernhard Richter, Reinickendorf

Gleichmacherei macht ökologisch keinen Sinn

Zum Artikel: „Handys in der EU bekommen einheitliche Ladegerät“ vom 14. März

Der neue Standard aus Brüssel ist wieder so eine Marotte aus der Bürokratenkiste! Nichts als Gleichmacherei. Muss denn wirklich alles vorgeschrieben und bis aufs letzte Detail genormt sein? Neues Handy, altes Ladegerät: Das macht doch gar keinen Sinn! Und der Öko-Effekt ist auch gleich Null! Vielleicht gibt es bald nur noch Einheits-Handys und -Smartphones.

Christoph Luban, per E-Mail