Leserbriefe

„Eine Erfolgsgeschichte beendet“

Leser zum Internationalen Congress Centrum (ICC), das am Sonntag nach 35 Jahren geschlossen wurde

Was bin ich stolz darauf, dass in Berlin eines der weltbekannten und vielfach ausgezeichneten Kongresszentren geschlossen wird. Eine der ganz großen Erfolgsgeschichten wird einfach ohne eine genaue Idee für die weitere Verwendung beendet und wird sicher wieder Unsummen Steuergeld für den weiteren Erhalt kosten. Eine gute Entscheidung ist, es nicht abzureißen, da die Asbestbelastung nicht so groß wie einst vermutet ist. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wie die Folgenutzung von den Besuchern angenommen wird.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Zapfenstreich für das ICC, mal sehen, was danach kommt. Man sollte das Gebäude nicht zu lange sich selbst überlassen. Eines ist aber angesichts der Milliarden-Schulden Berlins unbegreiflich: Warum bringt man dort nicht die von Wowereit so sehr gewünschte Landeszentralbibliothek unter? Die Umbaumaßnahmen im ICC dürften einen Bruchteil der Kosten für einen Neubau auf dem Tempelhofer Feld betragen.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Zentralbibliothek muss nicht erst neu gebaut werden

Zum Artikel: „‚Putz kann Kinder aggressiv machen’“ vom 5. März

Jedes Mal, wenn ich einen Artikel über Berlin, seinen Regierenden Bürgermeister und die vielen vergammelten Schulen lese, schwillt mir der Kamm. Ich bin ja noch privilegiert, lebe ich doch im Südwesten der Stadt und habe keine schulpflichtigen Kinder mehr. Dennoch kommt doch Ärger in mir hoch, wenn ich lese, dass Wowereit eine große Bibliothek bauen lassen will, koste es, was es wolle. Da steht bald ein riesiges Schloss vor dem roten Rathaus, mit sehr viel Platz. Sollte da nicht eine wunderschöne Bibliothek eingeplant werden können? Der Senat kann dann – mit Klaus Wowereit an der Spitze – mehrmals am Tag diese Räume besuchen und sich an den vielen Büchern erfreuen. Es muss nichts neu gebaut werden oder der Flughafen Tempelhof umgebaut werden. Solange wir am Tropf anderer Bundesländer hängen, sind solche Projekte unklug. In jedem Bezirk gibt es wunderbare Bibliotheken mit gutem Fachpersonal. Man könnte diese mit mehr Lesematerial/PCs und Angestellten ausstatten. So blieben viele Millionen Euro übrig und es könnten viele Schulen renoviert oder sogar neu gebaut werden. Bei guter Einteilung des Geldes können sogar Reinigungsfirmen beauftragt werden, die nicht oberflächlich und billig arbeiten, sondern vernünftig bezahlte Arbeit leisten. Der BER wird nicht mal mehr von den Steuerzahlern der kommenden drei Generationen bezahlt werden können, und unser ICC sieht einer trostlosen Zukunft entgegen.

Karin Newcomb, Zehlendorf

Ablaufplan bis zur Inbetriebnahme ist dringend erforderlich

Zum Leitartikel: „Hartmut Mehdorn, die Jahresbilanz“ vom 9. März

Hajo Schumachers Analyse der Leistungen von Hartmut Mehdorn in seinem ersten Jahr am BER mag richtig sein. Die fatale Schlussfolgerung, Klaus Wowereit könne sich einen weiteren Wechsel an der Spitze der Flughafengesellschaft nicht erlauben, ist es nicht. In Anbetracht der enormen Defizite, die aus dem fortwährenden

Stillstand des BER Monat für Monat angehäuft werden, muss es oberste Prämisse der Aufsichtsgremien und Geschäftsleitung des BER sein, Planungssicherheit zu schaffen und die auch transparent zu veröffentlichen. Dazu gehören ein möglichst schneller und valider Ablaufplan bis zur Inbetriebnahme und die zugehörige wirtschaftliche Umsetzung. Beides liegt nach einem Jahr der verantwortlichen Leitung durch Mehdorn nicht vor. Beides hätte bereits im Pflichtenheft für die ersten 100 Tage fest verankert sein müssen. Klaus Wowereit kann sich nicht nur durchaus erlauben, endlich sachkundiges Führungspersonal am BER einzusetzen, er schuldet es auch den Bürgern der Länder Berlin und Brandenburg, die wegen der Zusatzfinanzierung der enormen Defizite auf dringend benötigte Unterstützung in vielen sozialen und kulturellen Bereichen verzichten müssen. Die politisch verantwortlichen Aufsichtsgremien müssen endlich leitende Manager installieren, denen die Inbetriebnahme des BER wichtiger als die Befriedigung ihres Egos ist.

Jeannette Schwarz, per E-Mail

Solange der Lärmschutz nicht installiert ist, ist ein Nachtflugverbot unverzichtbar. Zweifellos wäre Sperenberg der bessere Standort gewesen. So bleibt es beim BER, bei dem eine Nachtruhe von 23 bis 6 Uhr sinnvoll ist. Mit der Eröffnung des BER ist jährlich mit bis zu 30 Millionen Fluggästen zu rechnen, für die die verbleibenden Flugstunden reichen sollten.

Thomas Splittgerber, per E-Mail