Leserbriefe

„Unfähigkeit unserer Politiker“

Leser zu den unterschiedlichen Positionen von Berlin und Brandenburg bei den BER-Nachtflugzeiten

Die Eskalation der Regierungschefs von Berlin und Brandenburg beim Thema Nachtflugverbot war vorhersehbar und ist ein weiteres Zeugnis für die Unfähigkeit unserer Politiker, die sich über die von ihnen selbst beauftragten Gutachten hinweggesetzt haben. Schönefeld rangierte jeweils auf den hinteren Plätzen bei der Standortabwägung. Schönefeld wird ein Regionalflughafen bleiben, den auch enorme Aufwendungen für den Lärmschutz nie zu einem Drehkreuz machen können, wie es in Sperenberg möglich gewesen wäre. Sollte man dort nicht doch noch bauen? Vielleicht wäre man noch vor dem BER fertig.

Rainer Michael Klotz, Charlottenburg

Es ist interessant zu beobachten, was Politiker alles unternehmen, um ihre Wiederwahl zu erreichen. So auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Plötzlich werden gerichtsfeste Verträge und Vereinbarungen infrage gestellt, statt den Wählern zu erklären, dass wichtige Infrastrukturmaßnahmen auch sie betreffen und Bürger für die Allgemeinheit auch einen Beitrag leisten müssen. Es ist auch gut so, dass die beiden anderen BER-Gesellschafter keinen Verhandlungsbedarf haben. Hätte sich Ludwigsfelde vor Gericht durchgesetzt, dann hätten betroffene Gemeinden künftig juristisches Pingpong um die Flugrouten und Flugzeiten spielen können.

Achim Sahr, per E-Mail

Da zeigt es sich wieder, dass der gewählte Standort des BER absolut falsch war, so wie es viele vorausgesehen haben. Bei Sperenberg hätte es all diese Probleme nicht gegeben. Wir wohnen direkt in der Tegel-Einflugschneise in der Wasserstadt Spandau. Über unseren Balkon fliegen die Jets in einer Höhe von 300 bis 500 Metern. Wir wissen also, wovon wir bei Fluglärm sprechen. Das Nachtflugverbot vom Tegeler Airport von 23 bis 6 Uhr ist angemessen, sodass eine Nachtruhe der Bürger für eine Metropole gewährleistet wird. Damit kann man leben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die anderen Befürworter eines Nachtflugverbotes von 24 bis 5 Uhr sollten doch nach Ludwigsfelde, Mahlow oder Rangsdorf umziehen, um in den Genuss des nächtlichen Fluglärms zu kommen, den diese anderen Menschen zumuten wollen.

Dieter Fath, Spandau

Es ist schon eigenartig, was die Brandenburger Landesregierung aus SPD und Linken so alles für die Landtagswahlen für Einfälle hat. Die Südbahn sollte für fünf Monate in Betrieb gehen, um die Nordbahn sanieren zu können. Da hätten die Bohnsdorfer und Müggelheimer wenigstens mal fünf Monate etwas Ruhe gehabt. Wir werden hier seit 60 Jahren ohne Schallschutz und ohne Nachtflugverbot direkt überflogen. Das wissen die Regierenden in Potsdam offensichtlich nicht. Einen Vorteil hat die Nichtinbetriebnahme der neuen Südbahn trotzdem. Die Firmen, die die Bahn gebaut haben, werden den Garantiezeitraum überstehen, ohne je eine Landung erlebt zu haben.

F. Niedergesäß, Bohnsdorf

Mehdorn soll von Wowereits Versagen ablenken

Zum Artikel: „Wowereit: ‚Mehdorn hat mein Vertrauen’“ vom 1. März

Nachdem der BER-Chef seine Stützräder (Töpfer und Amann) abgeworfen hat und mit geringer Geschwindigkeit – sein Beschleunigsprogramm hat er schon lange ad acta gelegt – das Vorhaben „Echttest Nordpier“ abblasen musste, hat es ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Sein Aufsichtsratsvorsitzender hat ihn zwar wieder aufgerichtet, aber leider ist die Gesamtkonstruktion eine derartige Fehlentwicklung, dass sie bei jeder neuen Bewegung immer wieder aus dem Gleichgewicht gerät. Die vielen Kratzer, Schrammen und Beulen sind nicht mehr zu reparieren. Die Basiskonstruktion Mehdorn hat schon viel zu viele Löcher und fehlende Teile aus vorhergehenden Unfällen, etwa bei der Deutschen Bahn und bei Air Berlin. Der Aufsichtsrat sollte schleunigst Schönefeld neu als Provinzflughafen und als Standort der Regierungsflotte ans Netz bringen. Genauso schleunigst sollte der Aufsichtsrat die Entscheidung für den Bau eines wirklichen Großflughafens – zum Beispiel in Sperenberg – fällen.

Friedrich und Gertrud Ebner, Ransdorf

Wann begreift Berlin endlich, warum Mehdorn überhaupt zum Einsatz kam? Einzig aus einem Grund: Um Wowereit aus der Schusslinie zu nehmen und um durch seine poltrig-unüberlegten Schnellschuss-Ideen vom Versagen des Regierenden abzulenken. Ohne Mehdorn müsste Wowereit selbst die ständig neuen schlechten Nachrichten vermelden. Jetzt kann er als Aufsichtsratschef den Unbeteiligten spielen.

Holger Jost, Wilmersdorf