Leserbriefe

„Bevölkerung soll entscheiden“

Leser zu der Krise in der Ukraine und internationalen Vermittlungsbemühungen im Krim-Konflikt

Vonseiten Deutschlands waren es zwei konservative Machtpolitiker, die in der neueren Geschichte des Russischen Reiches und seiner Nachfolgestaaten die russischen Interessen nüchtern einzuschätzen und im Rahmen des Möglichen damit umzugehen vermochten: Bismarck und Adenauer. Dass Breschnew und Brandt gut miteinander konnten, hatte eher persönliche Gründe, und die Erfolge der Ostpolitik waren weniger bilateral als global begründet. Unsere Bundeskanzlerin ist aus mehreren Gründen dafür prädestiniert, die Interessen der Russischen Föderation und dessen De-facto-Autokraten Putin zu erkennen und den Westen (Nato, EU, G7) auf der Basis dieser Erkenntnis und ihrer persönlichen Kontakte zu Putin bei einem konstruktiven Dialog mit Russland zu vertreten, ja anzuführen. Aber kann sie dazu endlich einmal ihre von übergroßer Vorsicht, Misstrauen und kleinkarierter Taktiererei geprägte politische Linie ändern?

Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Putin spielt ein gefährliches Spiel. Er wird sich dabei gehörig die Finger verbrennen. Ohne Not haben die EU und Deutschland diese Krise in der Ukraine verursacht, jetzt zeigt Putin die vermeintliche Macht von Russland, vergisst aber, dass auch Russland vom Westen abhängig ist. Der Schaden für seine Volkswirtschaft wird enorm sein und ist heute noch nicht absehbar.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte

In der Ukraine sollten nicht die beiden Weltmächte USA und Russland einen neuen Krisenherd inszenieren. Eine demokratische Volksabstimmung zwischen der West- und Ost-Ukraine ist jetzt das Gebot der Stunde. In Großbritannien findet am 18. September auch eine Volksabstimmung in Schottland statt. Die schottische Bevölkerung kann in diesem Referendum entscheiden, ob sie unabhängig von Großbritannien sein will oder nicht. In der Ukraine sollten die Bevölkerungsgruppen in Ost und West auch frei entscheiden können, ob sie zur EU oder zu Russland gehören möchten. Zum Beispiel hat sich 1992 die Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei nach einem Referendum aufgeteilt, und beide Bevölkerungsteile leben heute freundschaftlich und friedlich nebeneinander.

Albert Alten, per E-Mail

Unsere Bundeskanzlerin und der US-Präsident sollten sich in den Konflikt nicht einmischen, sondern verhindern, dass die Krim zum Pulverfass wird. Nikita Chruschtschow hat als Ukrainer und Vorsitzender des Ministerrats der damaligen UdSSR 1954 die Krim, die seit 1783 zu Russland gehörte, an die Ukraine verschenkt, ohne die Bevölkerung zu fragen. Trotzdem lebte die Bevölkerung mit 58 Prozent Russen und 24,4Prozent Ukrainern friedlich mit der Minderheit der Krim-Tataren zusammen. Ohne Chruschtschows Schenkung gäbe es heute weniger politische Zerwürfnisse und nicht die Gefahr eines Krieges. Eine Befragung der Krim-Bevölkerung zu ihrer Zukunft unter internationaler Beobachtung wäre eine Lösung des Problems.

Eveline Malek, per E-Mail

Bessere Arbeits-, Forschungs- und Entlohnungsbedingungen schaffen

Zum Artikel: „Die Besten verlassen Deutschland“ vom 24. Februar

Die Zuwanderung nach Deutschland wird wegen des Mangels von Fachkräften als notwendig begründet. Dass hingegen Zehntausende deutsche Handwerker und Tausende Fachärzte in Skandinavien, Großbritannien, Österreich und der Schweiz arbeiten, also genau die Berufsgruppen, die in Deutschland rar werden, scheint aus der aktuellen Problemanalyse verdrängt zu sein. Dabei wäre es naheliegend, Arbeits-, Forschungs- und Entlohnungsbedingungen zu schaffen, die diese zumeist jungen Leute nicht außer Landes treiben. Wie will Deutschland attraktiv für die Eliten anderer Länder werden, wenn die eigenen Eliten beziehungsweise Fachkräfte dem eigenen Land den Rücken kehren? Fachleute, die Deutschland benötigt, machen einen Bogen um Deutschland, es sei denn, sie kommen aus armen Ländern zu uns.

Torsten Hilse, Pankow

Der Baum, gegen den gefahren wird, kann nichts dafür

Zum Artikel: „Trauriger Spitzenreiter“ vom 6. März

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) sagt: „Die Gründe für die immer noch zu vielen Unfälle mit schwerwiegenden Folgen liegen ... an den vielen Alleen im Land.“ Nein, das sehe ich nicht so. Die Bäume der Alleen stehen fest. Aber die Menschen kacheln dagegen. Ihr Verhalten – überhöhte Geschwindigkeit oder Fahren unter Alkoholeinfluss – ist der Grund. Der Baum, gegen den gefahren wird, kann nichts dafür.

Matthias Wagner, Zehlendorf