Leserbriefe

„Eine gefährliche Entwicklung“

Leser zu dem Buch von Ex-Finanzsenator Sarrazin und den Protesten, die seine Lesung verhinderten

Besser hätte es keine PR-Agentur inszenieren können. Der Beweis für die Richtigkeit von Thilo Sarrazins Aussagen, dass die Meinungsvielfalt in Deutschland mehr und mehr unterbunden wird, wurde von den Störern der Buchlesung eindrucksvoll bestätigt. Diese selbst ernannten Gutmenschen glauben, die Meinungshoheit über alle anderen Bürger zu haben. Schlimm ist, dass diese Randale folgenlos bleibt, nicht mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch geahndet wird und somit diese Leute zum Weitermachen animiert werden. Die Aussage des Berliner SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß, dass man Sarrazin keine Bühne bieten dürfe, ist eines Sozialdemokraten unwürdig und zeigt nur, welches Demokratieverständnis einige Politiker in unserem Land haben.

Rolf Lehmann, Rudow

Falls es eines praktischen Beweises für die Richtigkeit der Darlegungen von Sarrazin in seinem Buch „Der neue Tugendterror“ bedurfte, so ist der durch die Ereignisse bei den Lesungen in Potsdam und im Berliner Ensemble (BE) erbracht worden. Wie die Direktorin des BE richtig bemerkte: Dass man sich durch den Abbruch der Lesung dem Meinungsterror beugte, zeigt, dass der Tugendterror sich sogar zu Meinungsterror verdichtet hat. Es ist immer einfacher, eine andere, nicht opportune Meinung durch Störung und Terror zu unterdrücken, als sich sachlich mit den Fakten auseinanderzusetzen.

Dieter Meier, Tegel

Wo ist die Berliner Toleranz geblieben, die Debatten über alles Mögliche erlaubte, sogar zu Kaisers Zeiten? Das Berliner Ensemble hat seit 25 Jahren nicht solche Einschüchterung von außen erlebt wie am Sonntag beim vergeblichen Auftritt Thilo Sarrazins. Und was tut die Berliner SPD? Sie sekundiert dem ignoranten Mob noch und stellt ihren eigenen Beschluss infrage, Sarrazin nicht aus der SPD auszuschließen. Welch ein Abstieg von der Partei der charakterstarken Führer wie Ernst Reuter oder Willy Brandt zu der erbärmlicher Opportunisten.

Tatiana Schmidt dos Santos, Dahlem

Den Verantwortlichen des Berliner Ensembles muss man nachsagen, dass sie ihr Verständnis von Demokratie verloren haben. Sie beugen sich einer hirnlosen Minderheit, die der Meinung ist, ihre Ziele durch Schreien durchsetzen zu können. Der gefeierte vermeintliche Sieg ist eine Niederlage, denn Sarrazins Bücher stehen in der Liste der Bestseller ganz oben. Das zeigt uns doch nur, dass die große Mehrheit der Deutschen seinen Thesen recht gibt und dabei feststellt, dass es sich größtenteils mittlerweile um Fakten handelt.

Bernhard Adomeit, Sommerfeld

Jedwede Berichterstattung über und rund um Sarrazins Buch ist kostenlose Werbung für ihn.

Michael Korb, per E-Mail

Man kann Sarrazin gut oder schlecht finden, aber dass es in Deutschland immer mehr zur Gewohnheit wird, eine andere Meinungen nicht zu akzeptieren, ist eine sehr gefährliche Entwicklung. Die Äußerung von SPD-Landeschef Jan Stöß zeigt, was die SPD von Demokratie hält. Es muss immer ein Ja oder Nein möglich sein, ohne dass Gegner oder Befürworter einer anderen Meinung abgekanzelt oder als moralisch minderwertig disqualifiziert werden. Deshalb ist das Verhalten der Veranstaltungsgegner höchst undemokratisch, wo ihnen sogar noch ein Rederecht zugebilligt wurde.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Man kann von Thilo Sarrazin und seinen Thesen halten, was man will. Aber laut Grundgesetz herrscht bei uns Meinungsfreiheit. Und das bedeutet, dass man auch jeden Demokraten zu Wort kommen lassen und dessen Meinung ertragen muss, selbst wenn sie einem nicht passt. Das, was sich im Berliner Ensemble während einer geplanten Lesung aus Sarrazins Buch abspielte und von gewissen Leuten veranstaltet wurde, ist jener Meinungsterror, den der Autor in seinem Buch anprangert und der die dort veröffentlichten Thesen bestätigt.

Bernhard Mackowiak, Charlottenburg

Eine bessere Werbung für Sarrazins neues Buch konnte es kaum geben. Der Öffentlichkeit wurde demonstriert, wie eine kleine Gruppe linker Schreihälse verhindert, dass andere Menschen ihre Meinungen austauschen können.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Was für ein Demokratieverständnis haben diese Leute, die eine Veranstaltung von Tilo Sarrazin durch Pöbeleien verhindern? Damit beweisen sie explizit, wie Recht Sarrazin hat, wenn er schreibt, dass die Meinungsfreiheit hier eingeschränkt wird. Glauben diese Leute, dass nur sie die Wahrheit gepachtet haben?

Peter Scholz, per E-Mail