Leserbriefe

„Ein kalter Krieger“

Leser zum internationalen Konflikt um die Ukraine und der Rolle des russischen Präsidenten Putin

Die Krim-Krise sowie die Konflikte in der fast bankrotten Ukraine zeigen, dass vor den Toren Europas gerade ein neuer Kriegsschauplatz zwischen den USA und Russland eröffnet wird. Die Ukraine ist längst zum politischen Spielball der beiden Supermächte Russland und USA geworden, und die Europäische Union bekommt die Rolle eines Papiertigers auf der Zuschauertribüne von beiden Mächten zugewiesen. Das Ende der Ukraine ist nur noch eine Frage der Zeit, denn der westliche Landesteil möchte Mitglied der EU werden, der östliche Teil lieber zu Russland gehören. Doch zunächst ersetzen Waffen- und Panzergewalt den politischen Dialog. Und Krieg ist mal wieder das fortgesetzte Mittel der Politik.

Albert Alten, per E-Mail

Wer gedacht hat, es könnte in der Ukraine eine friedliche Revolution geben, wird jetzt eines Besseren belehrt. Die Ukraine ist noch lange nicht so weit, in die EU aufgenommen zu werden, die EU sollte diesbezüglich vorsichtig sein.

Christoph Luban, per E-Mail

Um die tatsächlichen Hintergründe für die Krise in der Ukraine zu erkennen, bedarf es sicher einer genauen Kenntnis der geschichtlichen Entwicklung dieser Region seit Beendigung des Ersten Weltkrieges. Man darf nicht vergessen, dass Teile des Territoriums ursprünglich einmal zu Polen und dem Habsburger Reich gehörten. Damit verbinden sich bezüglich der Bevölkerung auch ethnische Wurzeln, die sich bis in die heutige Zeit ziehen, was sich in dem unterschiedlichen Verhalten der West- und Ost-Ukraine widerspiegelt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder eine Grenzregulierung, dieses Mal durch Stalin. Die Konflikte hieraus sind bis heute nicht beseitigt und bieten, wie auch in vielen anderen der ehemaligen Sowjetrepubliken, Anlass für massive Auseinandersetzungen. Auch waren Politiker wie Timoschenko oder Janukowitsch nicht besonders förderlich für die Entwicklung des Landes. Beide nutzten ihre Machtstellung für die eigene Bereicherung, aber nicht zum Wohl des Landes. Wenn es nun richtig eskaliert und die Krim zum Pulverfass der Region wird, ist das auch eine Folge davon. Man braucht nur auf die Landkarte zu sehen, um die strategische Bedeutung der Krim zu erkennen. Egal, wie man zu Putin steht, er kann, darf es einfach nicht zulassen, dass die Krim eventuell zur Basis für die Nato wird. Man sollte sich hüten von Seiten der USA oder der Nato militärisch zu zündeln. Ein Krieg in der Ukraine findet fast vor unserer Haustür statt. Die Folgen könnten unüberschaubar werden.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Die russische Intervention in der Ukraine zeigt, dass sich Putin selbst in seiner Position gefährdet sieht. Putin hat sich als kalter Krieger entpuppt, der für die Europäische Union und das Zusammenleben der Völker eine Gefahr ist. Es wäre zu hoffen, dass sich die russischen Truppen von der Krim zurückziehen. Die Sanktionen, die der Westen wegen der Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen verhängen kann, sind sehr begrenzt. Es ist daher notwendig, dass der Westen moderat, aber bestimmt vorgeht, um einen europäischen Flächenbrand zu verhindern.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Russlands Präsident Wladimir Putin treibt es auf die Spitze, er schafft erst Tatsachen, die er sich dann von bezahlten „Patrioten“ bestätigen lässt. Die freie Welt muss Härte zeigen, um die Situation nicht noch weiter eskalieren zu lassen. Ob Putin die Signale versteht oder seine Expansionspolitik weitertreibt, bleibt abzuwarten. Bislang hat er sich leider als beratungsresistent erwiesen.

Matthias von Kopp-Ostrowski, Köpenick

Es ist unklug von US-Präsident Barack Obama, den Konflikt auf der Krim mit Warnungen und Drohungen gegen den Kreml lösen zu wollen. Die Situation wird dadurch noch verschärft. Man muss berücksichtigen, dass sich die Bevölkerung dort zu 58 Prozent aus Russen und zu 24,4 Prozent aus Ukrainern zusammensetzt. Der Gedanke an einen Beitritt zur russischen Föderation ist also nicht so abwegig. Zu viel Einmischung der USA und der EU in diesen Konflikt ohne eine faire Einbindung Russlands kann nicht zum Erfolg führen.

Dr. Barbara Scheffler, per E-Mail

Es ist kein Zufall, dass kurz nach Beendigung der Olympischen Winterspiele in Sotschi Russland nun sein wahres Gesicht im Ukraine-Konflikt zeigt. Die Weltgemeinschaft muss endlich handeln und Putin in die Schranken weisen. Gleichzeitig müssen sich aber auch die Sportler fragen lassen, warum sie bei den Winterspielen nicht die notwendige Zivilcourage besessen haben, um in Demonstrationen und eindeutigen Meinungsäußerungen ihrem Missfallen über die Politik Präsident Putins Ausdruck zu verleihen.

Thomas Henschke, Reinickendorf