Leserbriefe

„Ruhesuchende sind Außenseiter“

Leser zu den Lärmproblemen in der Stadt durch Verkehr, Veranstaltungen und Rücksichtslosigkeit

Lärm ist kein Umwelt-, sondern ein Gesellschaftsproblem. Wir leben nun mal in einer Lärm-Gesellschaft. Lärm machen ist cool, derjenige, der Stille und Ruhe sucht, ist fast schon ein Außenseiter, insbesondere in der jüngeren Generation. Ob in Diskotheken oder in Schulen oder beim täglichen Medienkonsum inklusive Smartphone – überall werden unsere Ohren überstrapaziert. Dieses könnte man ändern, wer will das aber schon? Wer will es Mitbürgern verbieten, wenn diese täglich – meist in den Abendstunden – mit Gehupe und lautem Geschrei durch Berlin brettern, um wieder irgendetwas zu feiern? Wer will den Nachbarn verbieten, wenn diese nachts bei Partys ihre Umgebung mit lauter Musik beschallen? All dieser Lärm gehört zu unserer Konsum- und Freizeitgesellschaft. Gegenüber Industrie- und Flughafenlärm ist diese Art von Lärm noch weiter verbreitet, nur spricht man nicht gern darüber.

Christoph Luban, per E-Mail

Der Karnevalsumzug am Rosenmontag wurde in Berlin bisher kaum bemerkt, da wir Berliner nicht über den Rheinischen Jecken-Humor verfügen. Wenn das Lärmschutzgesetz, das den Umzug jetzt verhindert, wirklich wirksam sein soll, dann wären der Flug-, Straßenverkehrs- und klamaukartiger Veranstaltungslärm, wie auf dem CSD oder dem Karneval der Kulturen eher geeignet, unter dieses Gesetz zu fallen.

Will-Fred Paul Bolle, Müggelheim

Bisher stiller Raum dem allgemeinen Gelärme ausgeliefert

Zum Artikel: „Radioprogramm in Hochhaus-Aufzügen“ om 27. Februar

Das ist doch mal eine beglückende Nachricht: Während beim Flughafen BER der mangelhafte Schallschutz viele Probleme macht, wurde ein winziger bisher stiller Raum erfolgreich dem allgemeinen Gelärme ausgeliefert: In Marzahn müssen Hochhausbewohner künftig im Aufzug Radio hören, und zwar „rund um die Uhr“. Endlich bewahrt „Berlins erstes Aufzugsradio“ Menschen davor, einmal 30 Sekunden lang ihren Gedanken nachzuhängen. Nur Bildschirme mit Dschungelcamp wären noch toller.

Prof. Dr. Dagmar Schmauks, Charlottenburg

Symbol für die Freundschaft Berlins mit den Vereinigten Staaten

Zum Artikel: „Ein letztes Volksfest am Hauptbahnhof“ vom 26. Februar

Kaum etwas steht mehr für die nach dem Zweiten Weltkrieg beginnende Freundschaft zwischen Deutschland, Berlin und den Vereinigten Staaten von Amerika als dieses Volksfest. Das erste Deutsch-Amerikanische Volksfest endete am Tag des Mauerbaus, dem 13. August 1961. Und die Vereinigten Staaten standen fest an der Seite Berlins. Die Zukunft dieses Traditionsvolksfestes scheint Berlins Bausenator Michael Müller (SPD) nicht zu kümmern. Schade und einfach verantwortungslos.

Joachim Weiß, Kladow

Mangel an Hebammen durch bezahlbare Versicherung reduzieren

Zum Artikel: „Schwere Geburt: Schwangere finden keine Hebamme“ vom 27. Februar

Im vergangenen Jahr erfolgten in Berlin bei insgesamt 36.111 Geburten 35.831 Geburten in Krankenhäusern. Die weitaus meisten durch in den Krankenhäusern angestellte Hebammen. Der genaue Anteil der Beleggeburten dabei ist nicht bekannt, dürfte aber gering sein. Diese Zahlen der Klinikgeburten verschweigend wird suggeriert, dass durch den neu zu verhandelnden Versicherungsschutz für eine kleine Gruppe von selbstständigen Hebammen die Versorgung der Schwangeren in Deutschland nicht mehr gewährleistet ist. Dem ist nicht so. Die genaue Zahl der selbstständigen Hebammen, die auch aktiv Geburtshilfe praktizieren, ist auch der Website des Verbandes der Hebammen nicht zu entnehmen. Sie dürfte aber klein sein, da inzwischen eine nicht unerhebliche Zahl der selbstständigen Hebammen ausschließlich die ebenfalls gut bezahlten Vor- und Nachsorgen der Schwangeren betreiben. Damit umgeht man ungeliebte Arbeitszeiten und muss nicht die zu Recht angeprangerte hohe Versicherungssumme bezahlen. Ebenfalls nicht erwähnt wird, dass es inzwischen eine Reihe von Kliniken gibt, die die angesprochenen Versicherungssummen übernehmen, um den existierenden Mangel an Hebammen zu kompensieren. Die Forderung nach einer Regelung durch die Politik sollte deshalb neben einer bezahlbaren Versicherungssumme auch eine Regulierung der Diskrepanz zwischen Entgelt bei der Leitung einer Geburt und den erwähnten Vor- und Nachsorgen beinhalten. Dies dürfte den Mangel an Hebammen nachhaltig reduzieren.

Dr. U. Hartung, per E-Mail