Leserbriefe

„Es geht um unsere Kinder“

Leser zu dem Lehrermangel an den Schulen und dem Werben der Bildungsverwaltung um Quereinsteiger

Was ist bloß los in Berlin? Die städtischen Kliniken benötigen rund eine Milliarde Euro, Straßen und Brücken verfallen zunehmend, Schulgebäude sind in einem desolaten Zustand, dazu der Lehrernotstand. Jeden Tag kommt eine neue schlechte Nachricht hinzu, aber vom Regierenden Bürgermeister hört man nichts dazu. Seit Jahren gibt es marode Schulgebäude und Lehrermangel, hier ist der Chef gefordert dies zur Chefsache zu machen. Da liegt nämlich zuallererst die Zukunft von Berlin.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Berlins Schulen stehen seit langer Zeit im Wettbewerb um die hervorragend qualifizierten Lehrer. In den vergangenen Jahren haben die auswärtig ausgebildeten Lehrer hinsichtlich ihrer Arbeitsplatzwahl immer wieder hohe persönliche Mobilität und Flexibilität bewiesen. Berlin hat davon profitiert. Der Lehrerarbeitsmarkt für die Berliner Schulen wird aber wesentlich durch die an den Berliner Hochschulen ausgebildeten Lehrkräfte bestimmt, die den Schulen in der Stadt verbunden bleiben. Bei der Personalgewinnung kommt es darauf an, Absolventen der Berliner Hochschulen an Berlin zu binden und auswärtige Bewerber für den Schuldienst in Berlin zu gewinnen. Angesagt ist ein Pakt der Verbundenheit mit der Berliner Schule. Berlins Schulstruktur, die Profile der Schulen, das Fortbildungsangebot, die Entwicklung der Lehrerausbildung und die Vereinheitlichung der Einstiegsgehälter aller Lehrämter könnten Bestandteil dieses Paktes der Verbundenheit sein. Es lohnt sich, für die Berliner Schulen zu werben.

Joachim Jetschmann, Wilmersdorf

„Tun Sie mir den Gefallen und werden Sie Lehrerin“ – mit diesen Worten verabschiedete mich mein Professor für Didaktik aus der Staatsexamensprüfung. Als Anwärterin auf das Lehramt an Gymnasien bewerbe ich mich seit September 2012 fortlaufend und erfolglos für den Vorbereitungsdienst (Referendariat) im Land Berlin. Dieser wird benötigt, um das 2.Staatsexamen zu erreichen und somit als Lehrer vollständig und fertig ausgebildet in den Schuldienst einzutreten. Lese ich nun von der Idee der Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Quereinsteiger einzustellen, um dem Lehrermangel in Berlin entgegenzutreten, frage ich mich, was in der Berliner Bildungsverwaltung schief läuft und welche Interessen hier in Realität im Vordergrund stehen. Viele meiner ehemaligen Studienkollegen bewerben sich seit Jahren erfolglos für den Vorbereitungsdienst in Berlin, gehen in andere Bundesländer und bleiben da oder wechseln komplett in andere Tätigkeitsbereiche. Das sind alles didaktisch, pädagogisch und fachlich ausgebildete Lehreranwärter, die von der Berliner Senatsverwaltung schlichtweg nicht berücksichtigt werden.

Kristin Findeisen, per E-Mail

Die immer wiederkehrende Problematik der Mangelversorgung an Lehrkräften und Erziehern in den Berliner Schulen ist nicht neu. Die seinerzeit vom zuständigen Bildungsministerium hochgelobte 100-prozentige Personalausstattung wurde zu recht schon damals kritisiert und als realitätsfremd eingestuft. Es ist ganz einfach festzustellen, dass seitens der verantwortlichen Politiker die Planungen und Umsetzungen in allen Bereichen der Personalausstattungen der hiesigen Schulen versäumt, mangelhaft geplant und falsch budgetiert wurden. Die bereits in der Vergangenheit in der Berliner Morgenpost propagierten Unzulänglichkeiten bei der Personalausstattung und den baulichen Zuständen der Schulen werden bei unserer Bildungsverwaltung geflissentlich ignoriert. Dass ständige Flickschusterei das grundsätzliche Problem hier nicht lösen wird, sollte eigentlich auch der zuständigen Verwaltung einleuchten. Demonstrationen, Proteste und Brandbriefe konnten die Probleme nicht abschließend klären. Insoweit verbleibt für die Einforderung des Rechts auf Bildung und bauliche Sicherheit der Schulen wohl nur der Rechtsweg. Letztlich geht es um unsere Kinder. Doch wer will die Klage einreichen?

Michael Klages, Staaken

Die für das nachhaltige Wohlergehen eines Staates wohl wichtigste Aufgabe einer Regierung ist, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche bestmöglich ausgebildet werden. Das aber haben alle Wowereit-Regierungen seit Jahren dadurch versäumt, dass entgegen aller Warnungen die Anzahl der Seminare für die Referendarausbildung bis auf ein Minimum reduziert wurden. Darüber hinaus wurde diese für die Lehrerausbildung an Gymnasien wichtigste Phase verkürzt und durch die Zwangsverpflichtung der Referendare zur Übernahme von übermäßig viel eigenständigem Unterricht zur Abdeckung des Unterrichtsausfalls stark belastet.

Roland Wieckert, per E-Mail