Leserbriefe

„Dieser Rücktritt war zwingend“

Leser zu den Steueraffären um Kultur-Staatssekretär André Schmitz und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer

Wer Steuern hinterzieht, kann kein Staatssekretär sein. Der Rücktritt von Herrn Schmitz war damit zwingend. Wer einen Steuerhinterzieher mehr als ein Jahr lang deckt, kann nicht Regierender Bürgermeister sein. Der Rücktritt von Herrn Wowereit ist mithin ebenso zwingend.

Christian Plöger, per E-Mail

Es ist ein nicht mehr zu übertreffender Skandal, wenn ein leitender politischer Beamter der Allgemeinheit Steuern vorenthält, die sie gerade in Berlin so nötig braucht. Angeblich sind wir doch in der Hauptstadt so hoch verschuldet, dass wir dringende und notwendige Strukturmassnahmen wie Schul-, Straßen- und Brückensanierungen nur noch lückenhaft in Angriff nehmen, Personaleinsparungen im öffentlichen Dienst bei gleichzeitiger Niedriglohnbezahlung für die noch vorhandenen Beamten forcieren und kulturelle Subventionen wie beispielsweise beim Grips-Theater kürzen. Und da leistet sich ein Kultur-Staatssekretär solch eine dreiste Steuerhinterziehung und wird noch vom Regierenden Bürgermeister gedeckt. Nicht nur Herr Schmitz, sondern auch Herr Wowereit sollte in die Wüste geschickt werden.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Eigentlich bin ich gegen die Bezahlung von Dieben, denn das sind die Verkäufer der Steuer-CDs. Aber man ist immer wieder verwundert, wenn es dann aufgedeckt wird. Vor allem überraschen auch die Summen. Wenn dann auch noch unser Regierender Bürgermeister dieses Verhalten deckt, ist es dann nur die Spitze des Eisberges?

Helmut Scheel, per E-Mail

Es ist schon sehr bedenklich, wenn Wowereit nach eigenen Angaben von dem nicht unerheblichen Steuervergehen seines Mitarbeiters Schmitz wusste und dieses anscheinend auch noch tolerierte. Jeder andere Chef hätte in der freien Wirtschaft solchen Mitarbeiter geschasst und wegen Vertrauensbruchs aus der Firma gejagt. Aber in der Politik ticken die Uhren wohl anders.

Dieter Fath, Spandau

Wie groß muß da die Gier sein? Das fragt sich Otto Normalverbraucher, bei dem sich das Finanzamt, ohne dass er sich wehren kann, großzügig bedient. Klaus Wowereit hielt dabei noch zu André Schmitz, in der Hoffnung, dass nichts an die Öffentlichkeit kommt. Eine unmögliche Kumpanei, die Gabriel, zum Glück für die Partei, umgehend beendete. Bei Frau Schwarzer kommt bei ähnlichem Delikt noch hinzu, dass sie sich verfolgt fühlt. Das setzt wirklich allem die Krone auf. Das Fernsehen wäre gut beraten, Schwarzer keine allzu große Bühne mehr zu bieten. Das Volk hat, gelinde gesagt, die Schnauze voll von dieser Art von Gierschlünden.

Thomas Hansen, per E-Mail

Jahrzehntelang behelligte uns Alice Schwarzer mit dem „erhobenen Zeigerfinger“ und predigte Moral, gefragt und erst recht ungefragt. Doch jetzt, nach Bekanntwerden ihrer Steuerstraftat, sieht sie sich natürlich als Opfer männlichen Verbreitungswahns. Die Bundesverdienstkreuzbehängte sollte besser schön leisetreten und nach Möglichkeit auch die unversteuerten Zinsen für die ersten 20 Jahre nachzahlen.

Klaus Wollschläger, per E-Mail

Nun hat es also auch einen Berliner Spitzenpolitiker getroffen.Der Kultur-Staatssekretär André Schmitz hat Steuern hinterzogen. Das ist moralisch verwerflich gegenüber dem Staat und der großen Masse der Bürger, die monatlich über ihre Gehaltsbescheinigung pünktlich ihre Steuern entrichten. Aber in Berlin ticken die Uhren bekanntermaßen anders. Hier geht es nicht um den relativ geringen Betrag der hinterzogenen Steuern, sondern um das Verhalten seines direkten Vorgesetzten Klaus Wowereit. Obwohl er von dem Fehlverhalten seines Mitarbeiters seit einem Jahr wusste, hat er sich dafür entschieden, sein Wissen für sich zu behalten. Warum er so gehandelt hat, weiß nur er allein. So wurde wieder einmal die Chance vertan, den Bürger zu zeigen, dass es in der Politik auch Regeln und Anstand gibt, die für alle gelten.

Achim Sahr, per E-Mail

Die wenigsten Menschen zahlen ihre happigen Steuern mit hoher Begeisterung, zumal, wenn sie in Milliardenlöchern wie dem BER versanden – was Herr André Schmitz bestens aus nächster Nähe beobachten kann. Aber Steuersätze stehen nun mal am Ende langer, demokratisch legitimierter Entscheidungsprozesse. Das grundsätzliche Mißtrauen der Bürger in die Glaubwürdigkeit ihrer Entscheidungsträger erweist sich leider immer wieder als berechtigt.

Klaus Jänicke, Steglitz