Leserbriefe

„Geringschätzung der Neuen“

Leser zu den fehlenden 300 Lehrern, die ab Februar in den Schuldienst übernommen werden sollten

Der Verband der Privatschulen Berlin-Brandenburg hat sich bereits vor Jahren aufgemacht, mit einem eigens geschaffenen Programm den Lehrermangel zu lindern. Kern dieses Programms: Arbeit suchende Akademiker, die für den Lehrerberuf geeignet wären, erhalten in einer von der Arbeitsagentur geförderten pädagogischen Ausbildung alles Rüstzeug, danach in Berliner und Brandenburger Schulen zum Einsatz zu gelangen. Absolventen bewähren sich bereits heute an vielen Schulen. Aber die Bundesagentur für Arbeit torpediert dieses Programm. Mit Argumenten wie: Lehrer werden nicht gebraucht, Absolventen dieses Lehrganges können nicht als Lehrer eingestellt werden und viele andere mehr werden Bildungsgutscheine verweigert. Bildungswillige Akademiker müssen sich durch die Instanzen klagen, bis sie am Ende doch einen Gutschein von der Bundesagentur erhalten.

Dr. Axel Nünke, Wilmersdorf

Die Aussage des Sprechers der Initiative „Bildet Berlin“ ist anmaßend. Wer behauptet, „die Berliner Schulen sind gezwungen, jeden Bewerber zu nehmen, egal, ob der Lehrer geeignet ist, oder nicht“, setzt sich selbst auf einen hohes Ross. Die eigene Qualifikation wird als Höchstmaßstab genommen, ohne dass nachgeprüft werden kann, welche Qualifikation beim Interviewten vorliegt. Wenn im Namen des pädagogischen Nachwuchses die Aussage getroffen worden sein sollte, dann kommt darin eine Geringschätzung gegenüber den Neuen zum Ausdruck, die nicht akzeptiert werden kann. Auch wird den vielen Lehrern in den Personalräten und den Frauenvertreterinnen unterstellt, sie nehmen billigend in Kauf, dass ungeeignete Bewerber in den Berliner Schuldienst eingestellt werden. Die öffentliche Diskriminierung der künftigen Lehrkräfte durch alte Lehrkräfte muss beendet werden.

Joachim Jetschmann, per E-Mail

Derartige Idealsituation ist staatlich nicht zu stemmen

Zum Artikel: „Hoffnung auf den Deutschen Schulpreis“ vom 22. Januar

Die Auszeichnung für die Elisabethstiftschule als Super-Schule kann mich als Lehrer, der 42 Jahre lang unterrichtet hat, nicht überzeugen. Welch einen Unterricht würden alle Lehrer an staatlichen Schulen wohl gestalten und anbieten können, hätten sie ebenfalls nur sechs statt üblicherweise etwa 28 Schüler zu betreuen. Schade, dass der Staat solch eine Idealsituation finanziell nicht stemmen wird.

Lutz-Werner Thorey, Gatow

Steuerzahler wird tief in die Tasche greifen müssen

Zum Artikel: „Die BVG und das riskante Spiel mit den Millionen“ vom 28. Januar

Angesicht knapper Kassen scheinen sich damals Aufsichtsrat Thilo Sarrazin und BVG-Chef Andreas Sturmowski zu riskanten Geschäften haben hinreißen lassen, wofür vermutlich der Steuerzahler tief in die Tasche greifen muss. Damals waren die Herren aber in guter Gesellschaft, viele Städte, Länder und Gemeinden haben ähnliche riskante Geschäfte gemacht und sind damit auf die Nase gefallen. Für die riskanten Entscheidungen werden die beiden Herren und der bereits ausgeschiedene Mitarbeiter, nicht in Regress genommen werden können, da sie nicht grob fahrlässig gehandelt haben.

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Da wird ein Vertrag unterschrieben, den der Aufsichtsrat bei der BVG nicht versteht und dann auch noch in englischer Sprache. Zur Begutachtung wurde eine Kanzlei in London eingeschaltet. Warum keine Berliner Kanzlei?

Thomas Hansen, per E-Mail

Derzeit geht eine Firma nach der anderen pleite

Zum Artikel: „Windkraftinvestor Prokon insolvent“ vom 24. Januar

Da hat man uns jahrelang Märchen erzählt, wie viele Arbeitsplätze bei uns durch die Wind- und Solarenergie geschaffen werden. Jetzt geht eine Firma nach der anderen pleite und die Investoren verlieren viel Geld. Die Gründe für die Pleite sind sicher vielfältig, reine Subventionspolitik, Ausschaltung von Marktmechanismen, EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und die Gutgläubigkeit – um nicht zu sagen Naivität – von Anlegern und Politikern, die es versäumt haben, rechtzeitig einzuschreiten. Hinzu kommt, dass andere Länder bei den relativ einfachen Technologien längst aufgeholt haben. Wir müssen lernen, mehr in Hochtechnologie zu investieren. Aber gerade da gibt es Denkblockaden und leider zu viel Ideologie wie etwa bei der Gentechnik, der Atomkraft und den Endlagern. So lange das so bleibt, werden junge Unternehmer lieber auswandern und Deutschland wird weiter an Boden verlieren.

Christoph Luban, per E-Mail