Leserbriefe

„Neues Verkehrskonzept nötig“

Leser zu den Plänen von Senator Michael Müller zur Verringerung tödlicher Verkehrsunfälle

Verkehrssenator Michael Müller (SPD) rätselt immer noch herum, wie er die Sicherheit der Radfahrer und Fußgänger zulasten des beruflichen Pkw-Verkehrs erhöhen kann. Dabei kommt er offensichtlich nicht auf die Idee, das wilde Radfahren auf den Straßen und vor allem auf den Fußwegen durch verstärkten Polizeieinsatz zu unterbinden. Neuerdings müssen die Autofahrer laut wiederholter praxisferner Gerichtsentscheidung beim Rechtsabbiegen gleichzeitig sowohl nach rechts als auch nach links schauen, um auch verkehrswidrig von links kommende Radfahrer zu beachten, weil sie ansonsten beim Unfall zu einem Drittel haften. In Wirklichkeit richten sich diese Maßnahmen doch gegen den berufsmäßig bedingten Pkw-Verkehr und sind deshalb nicht überzeugend. Wenn die Unfallquote der Radfahrer steigt, so ist dies die Folge jahrzehntelanger Untätigkeit der Polizei, die früher sogar Fußgänger zur Kasse bat, wenn die unerlaubt über eine gepflegte Rasenfläche im Park liefen.

Gottfried Hecht, per E-Mail

Neulich war ich mit meiner vierten Klasse bei der Verkehrsschule im Bezirk Mitte. Die Kinder lernen dort für ihre Fahrradprüfung. Geduldig und konsequent werden sie von den Polizisten im korrekten Verhalten geschult. Auf dem Weg zurück zur Schule kommen uns aber dann insgesamt zehn erwachsene Radfahrer auf dem Bürgersteig entgegen. Für Berlin ist ein grundlegend neues Verkehrskonzept nötig, alles andere ist Makulatur - und unglaubwürdig.

Carola Kaltenegger,Wedding

Wann endlich hört Verkehrssenator Michael Müller mit diesen unsinnigen und unzutreffenden Argumentationen auf? Es hört sich dramatisch an, von im Straßenverkehr getöteten beziehungsweise verletzten Radfahrern zu sprechen. Wie sieht aber die Realität aus? Dieser Tage wurde ein Radfahrer beim Zusammenstoß mit einer Straßenbahn schwer verletzt. Ursache mal wieder: Der Radfahrer war bei roter Ampel gefahren. Warum steht der Verkehrssenator nicht mal für drei Tage an einer Kreuzung beziehungsweise an markierten Radwegen? Er würde staunen: Praktisch kein Radfahrer hält sich an Verkehrszeichen und -regeln. Rote Ampeln, Abbiegezeichen mit der Hand und ähnliches sind für viele aus diesem Personenkreis Fremdwörter. Radwege werden natürlich in beiden Fahrtrichtungen benutzt, Gehwege sowieso. Selbstverständlich ohne Rücksicht auf die Fußgänger. Markierte Radwege muss man natürlich auch nicht benutzen. Wenn möglich, zu dritt nebeneinander. Beleuchtungen an Fahrrädern? Fehlanzeige. Aber jammern, wenn man in dieser Jahreszeit oder nachts übersehen wird. Außerdem ist man als Radfahrer stets mit Höchsttempo unterwegs. Der Verkehrssenator sollte klar und deutlich sagen, dass ihn der Autoverkehr ganz einfach stört. Und da wird er alles unternehmen, um dagegen vorzugehen – unabhängig von Sinn, Zweck und Kosten.

Manfred Stein, per E-Mail

Mindestens 15 Jahre eigenständig als Behörde weiterarbeiten

Zum Artikel: „2019 könnte Behörde für Stasi- Unterlagen geschlossen werden“ vom 16. Januar

Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) sollte nicht 2019 geschlossen werden, sondern als eigenständige Behörde mindestens bis 2029 erhalten bleiben. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat nicht einmal auf der ersten Seite der Homepage einen Hinweis auf Informationen über die DDR. Deshalb wäre eine Zusammenlegung der beiden Behörden nicht sinnvoll. Eine Zuordnung zum Bundesarchiv dürfte schon aus Platzgründen nicht möglich sein. Dass die BStU zu einem späteren Zeitpunkt verkleinert werden muss, ist unstrittig, weil die Nachfragen zu den Stasi-Akten sinken wird und weil Täter und Opfer zwischenzeitlich gestorben sind.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Um Situation zu verbessern, sollte es keine Denkverbote geben

Zum Artikel: „Historisches Tief bei Organspenden“ vom 15. Januar

So wie zum Beispiel Blutspender immer wieder zu Recht, mitunter sogar namentlich, in den Medien erwähnt werden, könnte ich mir so etwas auch für Organspender (mit oder ohne Ausweis) vorstellen. Wenn nicht ausdrücklich widersprochen wird, könnte in jeder Todesanzeige in kleiner Schrift das Wort „Organspender“ eingefügt werden. Das Wort könnte auch durch ein Symbol ersetzt werden. Sicher wäre es der Bereitwilligkeit zur Organspende nicht abträglich. Mag sein, dass ich mit dieser Idee völlig danebenliege. Beim Bemühen um eine Verbesserung der derzeitigen Situation sollte es jedoch kein Denkverbot geben.

Gerhard Ostertag, Bissingen-Teck