Leserbriefe

„Verharmlosung der Untaten“

Leser zur umstrittenen Ausstellung im Potsdamer Landtag mit Bildern von Hitler und Goebbels

Ein Parlament ist keine Galerie für Mörder und Tyrannen. Die Ausstellung im neuen Landtag, in der Adolf Hitler und Joseph Goebbels in Porträts gezeigt werden, wird die braunen Kameraden von der NPD und deren nahestehenden Vereine erfreuen. Man fragt sich, wer solch eine Ausstellung genehmigt? Wer ist verantwortlich für diese Ungeheuerlichkeit? Kann hier jeder unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit alles tun oder lassen, ohne dass irgendjemand dies unterbindet? Bilderstürmer, wo seid ihr? Ist der Hausherr, der Landtagspräsident, nicht in der Lage, seinen Job ordentlich zu machen? Dass neben Hitler und Goebbels auch noch Walter Ulbricht gezeigt wird, passt nicht und verharmlost die Untaten von Hitler und Goebbels. Es ist eine Schande, wie undifferenziert hier einseitig die deutsche Geschichte gebeugt wird und einem sogenannten Künstler erlaubt wird, unzulässige Vergleiche anzustellen. Geplante Erklärungen helfen da auch nicht weiter.

Roger Morell, per E-Mail

Dass die CDU gerade den Sozialisten die Gelegenheit gibt, sich als Hüter der Freiheit der Kunst aufzuspielen, finde ich ziemlich grotesk. Die CDU muss aufpassen, dass sie nicht Opfer ihrer Pawlowschen Reflexe wird. Rückgrat könnte man an anderer Stelle zeigen, etwa bei der der NSA-Affäre.

Klaus Jänicke, Lichterfelde

Ich frage mich, warum diesen Verbrechern immer wieder eine Bühne geboten wird. Ihre einzige Erwähnung sollten sie in einem kompetent durchgeführten Geschichtsunterricht finden in Verbindung mit den von ihnen verursachten Gräueltaten und deren Folgen bis heute. Solange sie Gegenstand von Comedy und Kunst sind, erhalten sie doch so etwas wie eine Ehrung, die sie nun wirklich nicht verdient haben – im Gegenteil: alle Rechten oder ihre Sympathisanten sehen sich bestätigt darin, dass sie „so schlimm“ doch gar nicht gewesen sein können.

Heide Binner, per E-Mail

Kunden sind jahrelang übers Ohr gehauen worden

Zum Artikel: „Ein Euro mehr pro Kasten“ vom 14. Januar

Angesichts der momentanen Skandale um den Marktführer der Bierbranche schmeckt mir mein Bier überhaupt nicht mehr. Wir Kunden sind jahrelang übers Ohr gehauen worden und mussten einen Euro mehr pro Kiste bezahlen, weil mit anderen Produzenten illegal Preisabsprachen getroffen wurden. Dafür sollen jetzt richtigerweise zig Millionen Euro Strafe gezahlt werden. Diese Strafe müssen wahrscheinlich wieder einmal die Mitarbeiter des Unternehmens ausbaden.

Roland Frede, per E-Mail

Ausbau der Tunnelbohrmaschine hat schon Vermögen gekostet

Zum Artikel: „Kanzler-U-Bahn wird weiter gebaut“ vom 11. Januar

Die U 5 ist nicht nur sechs Monate sondern 14 Jahre im Verzug. Ursprünglich sollte die Verbindung zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof 2005 fertig sein. Nachdem die Tunnelbohrmaschine vom Hauptbahnhof kommend das Brandenburger Tor erreichte, hat die Berliner SPD 1998 beschlossen, dass Berlin diese, zu 80 Prozent vom Bund über den Hauptstadtvertrag finanzierte wichtige Ergänzung des ÖPNV-Netzes, nicht benötigt. Allein der unnütze Ausbau der Tunnelbohrmaschine hat ein Vermögen gekostet. Immerhin waren damals bereits 300 Millionen D-Mark verbaut. Dem Bundestag ist es zu verdanken, dass Berlin gezwungen wurde, weiterzubauen oder die 300 Millionen D-Mark zurückzuzahlen.

F. Niedergesäß, per E-Mail

An Bescheidenheit orientierte Lebens- und Arbeitsweise nötig

Zum Artikel: „ Strompreise trüben Konjunkturaussichten“ vom 4. Januar

Der Weg in eine erneuerbare Energiezukunft ist richtig, unangemessen ist die heutige Lebens- und Wirtschaftsweise. Die Bilanz der Netzbetreiber zu den steigenden Strompreisen

spricht Bände. Es sind aber nicht die erneuerbaren Energien allein für den Preisanstieg verantwortlich. Deshalb ist auch das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) nicht allein an der Misere schuld. Der richtige Ansatz wäre, den Bürger und das Verhalten stärker anzusprechen, das heißt staatlicherseits eine Verhaltensänderung einzufordern: weg von Statussymbolen hin zu einer mehr an der Bescheidenheit und anderen Werten orientierten Lebens- und Arbeitsweise.

Christian Lukner, per E-Mail